Entwicklung ländlicher Raum

Autostopp mit App statt per Daumen? Der Bucheggberg macht den Anfang

Wer eine Mitfahrgelegenheit sucht, wird künftig vielleicht eine Alternative zum Autostoppen haben. (Symbolbild)

Wer eine Mitfahrgelegenheit sucht, wird künftig vielleicht eine Alternative zum Autostoppen haben. (Symbolbild)

Die Repla Espace Solothurn zieht Fazit im Projekt Entwicklung ländlicher Raum. Drei Ideen werden im Bucheggberg umgesetzt. Durch das Mobilitätsprojekt soll das Smartphone künftig Mitfahrgelegenheiten verschaffen. So funktioniert Autostopp mit App.

Daumen hoch im Bucheggberg? Nein diese Art von Mobilität ist kaum mehr zu sehen, auch im Bucheggberg nicht. Aber wer dort eine Mitfahrgelegenheit sucht, wird künftig vielleicht eine Alternative zum Autostoppen haben.

Statt Daumen hoch streichelt er mit dem Zeigefinger sein Smartphone. Aufgelistet werden sodann Autofahrer, die sich registriert haben und an diesem Tag beispielsweise nach Solothurn wollen, zufälligerweise an der Haltestelle vorbeifahren und noch freie Plätze haben.

Aufgelistet werden aber auch die Kurszeiten der öffentlichen Verkehrsmittel. Machen viele Autofahrer mit, ist vielleicht der eine oder andere aufgelistet, dessen Abfahrts- oder Rückreisezeiten gut passen.

Eine kurze Nachricht an diese Person und das Geschäft ist perfekt. Alles funktioniert mit einer App. «Weil alle Nutzer registriert sind, ist die Sicherheit gross», sagt Repla-Geschäftsführer Matthias Reitze.

Das Projekt steht in den Startlöchern. Ein Antrag der Repla Espace Solothurn für einen zweijährigen Pilot wird an der nächsten Sitzung der Gemeindepräsidien aus dem Bucheggberg auf dem Tisch liegen.

Im Fall einer Umsetzung werden auch Sponsoren angefragt, sich an den Kosten von 30 000 Franken (im ersten Jahr, danach 15 000 Franken) zu beteiligen. «Die Idee war von Anfang an, dass die Repla Anstosshilfe gibt, später aber die Gemeinden den Ball übernehmen müssen», erklärt Roger Siegenthaler, Präsident der Repla Espace Solothurn.

Roger Siegenthaler (links) und Matthias Reitze versuchen, mit der Regionalplanungsgruppe Espace Solothurn Projekte für die Entwicklung im ländlichen Raum zu lancieren.

Roger Siegenthaler (links) und Matthias Reitze versuchen, mit der Regionalplanungsgruppe Espace Solothurn Projekte für die Entwicklung im ländlichen Raum zu lancieren.

Partner Postauto AG

Das Projekt ist keine Konkurrenz für die im Bucheggberg verkehrende Postauto AG. Im Gegenteil. Der Bucheggberg würde auf das Angebot PubliRide der Postauto AG aufspringen. «Der dünne Fahrplan würde besser genutzt, so die Hoffnung der Postauto AG», sagt Roger Siegenthaler.

Im Bucheggberg sollen vor allem Junge und die Älteren profitieren. «Unsere Bedenken wurden von der Postauto AG weggewischt. Die alten Leute seien sehr fit mit den Apps und den Smartphones», berichtet Reitze. Man will aber auch etwa das Ärztezentrum in Messen einbinden, das als Koordinator für Fahrten dienen könnte.

Damit könne man teilweise auch das ärztliche Versorgungsproblem entschärfen. «Oft ist das Wahrnehmen eines Arzttermins mit einem Transportproblem verbunden. So könnte dies gleich koordiniert werden.»

Andererseits sei geplant, die älteren Schüler einzubinden, die im Unterricht die App kennen lernen und ihr Wissen auf Hausbesuchen Interessierten weitergeben.

Drei Projekte in der Pipeline

«Bisher profitierten von unseren Projekten vor allem Agglomerationsgemeinden», berichtet Matthias Reitze. Deshalb überlegte man sich etwas für Landgemeinden. 2014 hatte die Repla das Projekt Entwicklung ländlicher Raum beim Bund eingegeben, das aber nicht in die Kränze kam.

Das Projekt soll Antworten geben auf die verbreitete Rat- und Aussichtslosigkeit im ländlichen Raum. Trotz der Absage vom Bund trieb die Repla das Projekt voran, auch weil der Kanton grosses Interesse gezeigt habe. Anstatt aber das Projekt in drei Regionen zu verfolgen, wurde nur eine Region, eben der Bucheggberg, berücksichtigt.

«Was im Bucheggberg funktioniert, wird auch in den anderen ländlichen Regionen im Wasseramt und Lebern funktionieren», sagt Roger Siegenthaler. Bereits sei beispielsweise von der Gemeinde Drei Höfe Interesse am Mobilitätskonzept PubliRide signalisiert worden.

Holzschnitzel und Preis

An einem Startanlass mit grosser, privater Beteiligung aus den Bucheggberger Gemeinden wurden Ideen gesucht. «Wir wollten nicht von der Repla etwas vorgeben, sondern wir wollten von den Bucheggbergern hören, wo der Schuh drückt und welche Lösungen sie vorschlagen.»

Von den rund 70 Personen wurden zehn mögliche Projekte formuliert. Eine Arbeitsgruppe wählte drei Projekte aus, die wiederum in Gruppen weiterbearbeitet wurden. «Neben dem Mobilitätsprojekt haben wir ein Projekt zu Immobilien, Bauen und ein drittes Projekt Energie.»

Im Projekt Energie sind lokal produzierte Holzschnitzel ein Thema. «Bürgergemeinden sollen animiert werden, in kleinere Wärmeverbunde zu investieren. Sie haben Holz und daneben Geld, das sie kaum anlegen können. Da ist es doch gescheiter in Wärmezentralen zu investieren und die Energie zu verkaufen», so Siegenthaler.

Im Projekt Immobilien, Bauten möchte man einen Baukulturgemeindepreis realisieren. Prämiert werden beispielhafte Bauten und Umbauten im ländlichen Raum. Hier müsste der Lead bei der Vereinigung der Bucheggberger Gemeindepräsidenten liegen.

Meistgesehen

Artboard 1