Am Ursprung der Authentica, der Spezialitätenmesse von Kleinproduzenten, stand der Kriegstetter Urs Bucher ...

Alois Schlager: ... genau, und Jörg Bruppacher, der heute noch als Grafiker mit im Team ist.

Ist die Trennung von Bucher nun erledigt?

Das sind alte Geschichten. Für uns zwei, wir sind neu im Vorstand, ist die Sache erledigt.

Er organisiert eine ähnliche Messe, aber im Herbst. Konkurrenzieren Authentica und Buchers «Natürlich im Chloschter» einander?

Wir hoffen nicht. Wir bleiben dem Namen treu, den wir schon immer haben. Als Kleinproduzent bin ich seit der zweiten Ausgabe der Authentica im Kloster mit dabei. Ich hatte viele Diskussionen mit Urs Bucher. Er hat immer angetönt, dass ihm eine Messe wie die Authentica zu viel zu tun gibt und er sich anders orientieren wolle. Das hat er so kommuniziert und sich bereit erklärt, weiterhin der Authentica zur Verfügung zu stehen. Das ist dann leider nicht so gekommen. Aber für uns Kleinproduzenten ist es wichtig, dass die Authentica weiterlebt.

Warum?

Ich kann einen Schuhmacher zitieren, der an der letzten Authentica in Appenzell sagte, mit dieser Messe habe er erstmals Kontakte zur Kundschaft knüpfen können. Er produziert jetzt gemeinsam mit anderen Kleinproduzenten im Zunfthaus Appenzell. Man hat mit der Authentica eine Plattform, um Kunden kennen zu lernen und ein Netzwerk aufzubauen, das eine Weiterexistenz als Kleinproduzent überhaupt erst ermöglicht.

Frau Egli, warum sind Sie mit dabei?

Regula Egli: Mir liegen Arbeitsplätze in den Regionen der Schweiz am Herzen. Das sind Kleinunternehmer und Produzenten, die mit Herzblut das Handwerk pflegen und entwickeln. Für das lohnt es sich, mich zu engagieren.

Sie sind Innovationsförderin. Ist die Authentica eine Innovation?

Sie ist ein Mix von Innovation und Tradition.

Beim Namen Authentica kommt mir in den Sinn: der Name sagt, was es ist. Deshalb war es vielleicht auch schwierig, nachzuvollziehen, weshalb Urs Bucher ausgestiegen ist. Als Aussenstehender könnte man auf den Gedanken kommen, dass es um Geld geht. Aber mit der Authentica kann man ja kein Geld verdienen.

Schlager: Nein. Aber die Hoffnung war natürlich da, das muss man auch sagen.

Egli: In einer anderen Vereinstätigkeit habe ich die Beobachtung gemacht, dass es bei solchen Projekten eine Initiierungsphase gibt. Leute haben super Ideen und gleisen etwas auf. Dann kommt ein Übergang. Die Idee muss in einen ordentlichen Betrieb überführt werden. Mich hat der Umbruch in der Betriebsphase der Authentica daran erinnert.

Warum wollten Sie den Namen Authentica unbedingt behalten?

Schlager: Der Name passt, wie gesagt, perfekt zu dem, was wir machen und sind. Das war uns wichtig, als wir den Namen gekauft haben. Zudem haben wir jetzt eine einfachere Struktur. Es gibt nur noch den Verein. Die Hoffnung, Geld zu verdienen, war im Übrigen das eine. Aber das ist nicht die Idee der Authentica, sondern die Förderung des Handwerks, der Kleinproduzenten. Alles Geld kommt nun dem Verein zugute und über den Verein direkt den Mitgliedern. Wir müssen keinen Gewinn erwirtschaften, vielleicht ein Polster, aber keinen Gewinn.

Mit einer Sammelaktion im Internet sind 58'000 Franken zur Rettung der Authentica zusammengekommen. Wer hat gespendet?

Schlager: Das waren wiederum vor allem Kleinproduzenten.

Egli: Das sind natürlich Freunde, Konsumentinnen und Konsumenten sowie Kleinproduzenten. Wir haben es als Ja zur Messe verstanden.

Mit dem Geld wurde der Name gekauft, offene Rechnungen bezahlt und eine neue Website gestaltet. Was ist die versprochene Strukturänderung?

Egli: Wie gesagt, dass wir nur noch den Verein haben und nicht mehr GmbH und Verein. Die Kleinproduzenten GmbH wurde vor kurzem liquidiert. Wir haben einen neuen Vorstand, und das Geschäft wird vom Zukunftsatelier von Sarah Christ geführt.

Jetzt ist der Sitz des Vereins nicht mehr in Solothurn, sondern in Biel. Will Authentica die Region Solothurn mittelfristig links liegen lassen? Ist das die letzte Authentica in der Region?

Egli: Das hoffen wir ganz und gar nicht.

Schlager: Der Verein Authentica ist in erster Linie nicht eine Messe, sondern ein Netzwerk für Kleinproduzenten. Und man führt die Messen durch. Der Ursprung ist in Solothurn. Hier hatten wir immer ein sehr gutes Publikum. Hier hatten wir immer am meisten Besucherinnen und Besucher, die sich für das Handwerk interessierten und gut einkauften. Das kann jeder Produzent bestätigen.

Egli: Zudem haben wir jetzt eine wunderbare neue Location mit dem Schloss Waldegg gefunden.

Und schon für die nächsten Jahre gebucht?

Schlager: Man wird gegenseitig schauen, ob es funktioniert. Aber die Region Solothurn wird sicher in unserer Agenda bleiben.