Ausstellung
Zeitzeichen und Zeichen der Zeit im Schlösschen Vorderbleichenberg

Christof Schelbert und Patricia Maag zeigen aktuell ihr künstlerisches Schaffen im Schlösschen Vorder-Bleichenberg in Biberist.

Eva Buhrfeind
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Patrizia Maag und Christof Schelbert im Schlösschen Vorderbleichenberg.

Patrizia Maag und Christof Schelbert im Schlösschen Vorderbleichenberg.

Hanspeter Bärtschi

Christof Schelberts Bildvokabular ist und bleibt charakteristisch in der Lesart und zeigt sich doch immer neu in der Wandelbarkeit der Bildgeschehen. Er ist ein Zeichner durch und durch, für den letztendlich die Linie als Urform zählt. Und der mit Graphit und verschiedenen Techniken formale Zusammenhänge und situative Beziehungen der Linien, Chiffren und Zeichen zur kompositorisch reflektierten Balance auslotet.

Frei von festen Bedeutungen und doch bedeutungsvoll im wechselseitigen Dialog generiert der Künstler in diesen neuen Arbeiten eine multiple Zeichensprache differenzierter grafischer Vernetzungen. Unerschöpflich scheinen dabei die Variationen, die im Wechselspiel von Form und Antiform, Linie und Fläche, von zeichnerischem Anspruch und zeichenhafter Wirkung ihre Einheit finden.

Bewegung und Gegenbewegung

Zeit und Schrift interagieren dabei als künstlerisch-philosophischer Ausdruck, den Schelbert zunehmend auf wenige, sich repetierende Formen reduziert: Geometrische, plakativ dicht gezeichnete Farbbalken und -schatten im Widerhall filigraner Liniengeflechte, konstruktiver oder kalligrafischer Komponenten, freier linearer Gesten oder dezenter Farbbewegungen, die sich kreuzen, biegen, als schematische Grundform überlagern oder verflechten.

Und die trotz aller inhaltlicher Gemeinsamkeiten abwechslungsreich die wandelbaren Möglichkeiten freier Bildideen bespielen, ob sie sich puzzleartig verrätseln, bildhaft fügen oder sich zu Schriftspuren manifestieren. Wechselseitig skizzieren diese Typen und Archetypen das suggestive Zusammenspiel von Bewegung und Gegenbewegung, strukturierter Ordnung und souveräner Bildbeherrschung.

Und so kann man die hier präsentierten «Zeitzeichen» als imaginative Zeichen verstehen, die, dem Zeichenhaften entnommen, als Graffiti auf das Grafische zurückgeworfen sind und als Chiffren sich selbst chiffrieren.

Runde Bilder wirken wie Bullaugen

Patricia Maag-Barbieris Schaffen äussert sich thematisch wie konzeptuell in malerischen, fotografischen wie installativen Prozessen, wenn sie generelle Fragen zu existenziellen Zuständen und den ambivalenten Wahrnehmungen hinterfragt. Vor allem ihr malerischer Blick assoziiert die komplexen Vernetzungen innerer und äusserer Situationen – von Natur und Architektur, urbaner und landschaftlicher Situationen, von Privatem und Öffentlichem, Verstehen und Vermuten.

In ihren Bildern bezieht sich alles aufeinander: Gegensätzliches, Betrachtungen, Reflexionen, das Virtuelle und das Reale, strukturierte Andeutungen, Überlagerungen und subjektiv zu lesende Verweise, räumliches Schaffen, vielschichtige Malerei. Letztendlich bleibt die Künstlerin offen für allzu konkrete Interpretationen.

Besonders ihre runden Bilder suggerieren die Idee des Guckloches, wirken wie Bullaugen, die eine virtuelle Sicht auf fest umrissene Ausschnitte fokussieren. Unendliche Weiten lassen sich erahnen; gleichzeitig erscheint der Blick von Innen auf ein vermeintliches Aussen als ein Blick von Aussen auf ein Innen. Die kartografische Weltkarte zeigt sich als globale Betrachtung auf die Welt als inneren Ausgangspunkt.

Dann wieder erweitern iconartige Bildtafeln eine anekdotische Sichtung des Digitalen, festgelegte Texturen sind aufgehoben und wirken doch rätselhaft deskriptiv. Während die Pronomina-Tafeln unsere individuelle Wahrnehmung ansprechen.

Himmelsleiter mit runden, blauen Bildtafeln

Patricia Maag-Barbieris Bilder wirken wie Metaebenen, wenn das Innere nach aussen, das Äussere nach innen gekehrt wird. Bis sich die Grenzen der verschiedenen Verortungen auflösen und neue Wahrnehmungen generieren. Die schlichte Bodenarbeit dann aus schmalen, blauen Holzlatten skizziert das architektonische Moment zu einem Schauplatz wechselnder Verortungen. Die zu einer Art Himmelsleiter geknüpften runden, blauen Bildtafeln, die zudem auf die Deckenmalerei verweisen, illusionieren eine imaginative Sicht aus dem realen in den sphärischen Raum.

Bis 5. Dezember. Öffnungszeiten: Mi + Do 16 – 19 Uhr, Sa +So 14 – 18 Uhr. Patricia Maag-Barbieri ist am Sonntag, 21.11., und am Donnerstag, 1.12., Christof Schelbert am Samstag, 20.11. , Sonntag 21.11. und Mittwoch, 1.12. anwesend. Matinée Sonntag 21.11., 11 Uhr.

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