Halten
Ausstellung über Grammphone fasziniert

Im Museum Wasseramt in Halten werden derzeit Abspielgeräte und Schellack-Platten aus der Sammlung von Patrick Meier gezeigt.

Agnes Portmann-Leupi
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Aussteller Patrick Meier lässt das Solothurner Lied aus dem Grammophon erklingen
15 Bilder
Stilleben mit dem Grammophon
Die «Hillbilly Highway Country & Rockabilly-Band
Vernissage von oben gesehen
Alles über die Schellack-Platte von Patrick Meier
Grammophon-Ausstellung im Museum Wasseramt in Halten
Trichtergrammophon von 1910, Autophone-Werke Zürich
Lys Assia, Elektrisches Trichtergrammophon, Thorens St. Croix
Trichtergrammophon Columbia England von 1912
Trichtergrammophon von 1920, Paillard St. Croix
Trichtergrammophon His Masters’s Voice von 1927, im Hintergrund Künstlerkarten
Mikiphone von 1926, der kleinste Grammophone, Hersteller Vadasz GenèveThorens St. Croix
Schwenkarm Grammophon von 1898, Hersteller The Grammophone & Typewriter London, mit Nipper
Home Phonographe von 1904, Hersteller Edison, Amerika
Mammut Münzgrammophon (10 Cent) von 1908, Hersteller Mammut Werke Leipzig

Aussteller Patrick Meier lässt das Solothurner Lied aus dem Grammophon erklingen

Agnes Portmann

Übers Museumsgelände ertönt das Solothurner Lied aus dem Messingtrichter eines Grammophons. Die 100 Besucher der Vernissage sind total fasziniert. Ebenso von den mitreissenden Klängen der aufspielenden «Hillbilly Highway Country & Rockabilly-Band».

Der Aussteller der neuen Wechselausstellung «Musik aus dem Grammophon», Patrick Meier aus Herzogenbuchsee, erzählt dem Publikum über seine grosse Sammlung von Phonographen und Grammophonen aus der Zeit von 1890 bis 1955 sowie über die dazu gehörenden zerbrechlichen Schellack-Platten.

Mit viel Enthusiasmus, denn seit nunmehr 25 Jahren sammelt er leidenschaftlich diese nostalgischen Raritäten und repariert sie auch selber. «Die Begeisterung dafür begann in Grossmutters Stube», sagt der 39-Jährige. Heute ist er auch Gründer und Präsident des Grammophone-Schellack-Clubs. Monatlich treffen sich die 34 Mitglieder aus der ganzen Schweiz, bringen Themen ein und lauschen zusammen alten Klängen.

Von den Anfängen

Im Untergeschoss des Ausstellungsspeichers präsentiert Patrick Meier Phonographen mit Wachswalzen, auf welchen die Musik aufgezeichnet wurde. Erfinder Thomas Edison hat dafür im Jahr 1877 das Patent angemeldet. Daneben sind verschiedenste Grammophone internationaler Herkunft zu bestaunen.

Ihr eigentlicher Erfinder ist der Deutsche und nach Amerika ausgewanderte Emile Berliner, der das Gerät 1895 patentierte. Seine Platten bestanden zuerst aus Hartgummi, wenig später aus Schellack (ab 1895 bis 1959), als Vorläufer der Vinyl-Platten. 80 Prozent Steinmehl und die klebrige Ausscheidung von Läusen ist die Grundsubstanz dieser zerbrechlichen Scheiben. Eingeschwärzt wurden sie mit Russ.

Rund 20'000 Stück besitzt Patrick Meier davon. Die Grammophone faszinieren mit ihren mechanischen Kurbeln, Blech-, Messing- und Holzschalltrichtern, Schwenkarmen sowie speziellen Abstellvorrichtungen. Viele stehen auf entzückenden Möbelchen. An den Wänden hängen ausgesuchte Platten und Bilder. Etwa von Marilyn Monroe oder von den Comedian Harmonists mit ihrem Hit «Mein kleiner grüner Kaktus». Zu sehen ist das Logo «His Master’s Voice» mit Hund Nipper, der in Pose in einen Grammophontrichter lauscht.

Schweizer Hersteller und Händler

In der Schweiz fabrizierte Geräte – Stand-, Tisch-, Koffer- und Kleinstgeräte – erfreuen im Speicherobergeschoss. Es sind Hersteller und Händler wie Thorens und Paillard, beide St. Croix, Autophone Zürich, W. Bestgen Sohn, Bern. Stimmungsvoll in die Vergangenheit führend, tönen die Platten von Hazy Osterwald, den Geschwistern Schmid und von
Marthely Mumenthaler oder eine Rede von Henry Guisan sowie das Lied der «Gilberte de Courgenay».

Patrick Meier hat die Ausstellung mit vielen kleinen Raritäten bereichert. In Döschen liegen Nadeln aus Holz, die nach jedem Gebrauch nachgeschnitten und gespitzt werden müssen.

benso die Metallnadeln, die je nach Dicke die Lautstärke bestimmen. Eine Ecke hat der grosse Fan von Lys Assia, der 92-jährigen Sängerin gewidmet. Vor einem Jahr hat er sie persönlich getroffen. Er besitzt ihre erste Aufnahme – als sie noch von Ruhm träumte – «Hätti nu was i wetti», aber auch das «O mein Papa» fehlt nicht.

Museum Halten, Turm in Halten: 29.Mai bis 19.Juni, jeweils sonntags von 13 bis 17 Uhr. «Nostalgischer Abend» mit Musik aus Jukebox und Grammophon, Mittwoch 8.Juni, 19.30 Uhr, in der Turmstube.