Ausstellung im NäijereHuus
Robert Keusen: Ein Maler, der aus seinem Innern und aus dem Erlebten seiner vielen Reisen schöpft

Das Porträtieren ist seine spezielle Leidenschaft. Robert Keusen präsentiert im Näijerehuus in Hersiwil Malerei, die mit den Ärmsten dieser Welt zu tun hat und damit, dass er einen Ausgleich zu seiner Arbeit gesucht hat.

Vanessa Simili Jetzt kommentieren
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Robert Keusen an der Vernissage im NäijereHuus.

Robert Keusen an der Vernissage im NäijereHuus.

Morris Lüthi

Die Malerei habe ihn nie in Ruhe gelassen, sagt Keusen zu einem zahlreichen Publikum im Näijerehuus. Seine Rede an der Vernissage ist ehrlich und persönlich. Rasch wird klar, Keusen ist ein bedachter Mensch, sorgfältig in der Wortwahl, mit einem grossen Erfahrungsschatz. Und einem immensen inneren Bilderfundus.

Erinnerungen festhalten und verarbeiten

Aus diesem scheint sich dann und wann ein Bild losgelöst zu haben, um sich auf einer Leinwand, auf Papier, auf Leder zur Malerei zu kondensieren. Als würde die Flüchtigkeit einer Erinnerung, eines Gedankens im Medium der Malerei sichtbar gemacht.

Der Blick einer Person ist für Robert Keusen wichtig

Der Blick einer Person ist für Robert Keusen wichtig

Zvg

Der Blick ist zentral in seinen Bildern Es sind Landschaften, Orte, Gesichter, menschliche Figuren, die Keusen festhält. Zentral dabei die Augen, der Blick. Mal fragend, mal erschrocken, manchmal auch in sich ruhend. Als würde ein Bild eine Begegnung festhalten, den Menschen in seiner Ganzheit würdigen. So gilt denn dem Porträtieren seine besondere Leidenschaft.

«Das menschliche Gehirn ist sehr geschickt darin, Gesichter zu erkennen und ihre Mimik zu interpretieren. Die kleinsten Nuancen in der Physiognomie des Gesichts werden sofort als Veränderung des Ausdrucks wahrgenommen.»

Das mache die Entdeckung der Gesichter auf der Malfläche äusserst spannend. Weiss man um seine Arbeit in der internationalen humanitären Hilfe – viele Jahre war Keusen als Koordinator für das IKRK tätig, später auch fürs Deza – erkennt man in seiner Malerei Motive und Elemente aus seiner persönlichen Geschichte. Gesichtszüge, die man als afrikanische, asiatische, europäische erkennt.

Das Interesse am Menschen, aber auch an dessen Kultur, dessen Besonderheiten ist bis in den letzten Pinselstrich erkennbar.

Fremde Kulturen haben Keusens Arbeit ebenfalls beeinflusst.

Fremde Kulturen haben Keusens Arbeit ebenfalls beeinflusst.

Morris Lüthi

Keusen hat immer schon skizziert, gezeichnet und gemalt. Oft hat er seine Eindrücke tagebuchartig auf Kassette gesprochen und in die Schweiz geschickt. Seinem Vater nach Langenthal, seiner heutigen Partnerin, die er seit seiner Schulzeit in Langenthal kennt. Sie war es, die ihn aus Mozambique in die Schweiz zurück «gezügelt» hat, wie er sagt.

Keusen malte eigentlich nur für sich

Seither malt Keusen intensiv, verwendet Acryl, Aquarell, Gouache, Kohle, Pastellkreide und Tusche, aber auch Asche, Karton, Holz, Sand und Textilien. Er hat ein Atelier in Biberist. Seine Partnerin war es auch, die ihn zur ersten Ausstellung ermutigte. «Meine Bilder zu zeigen, daran habe ich nie gedacht.»

Skizzen, Zeichnungen, Gemälde - die Arbeiten sind vielfältig.

Skizzen, Zeichnungen, Gemälde - die Arbeiten sind vielfältig.

Morris Lüthi

Keusen hat über 40 Jahre in 26 verschiedenen Ländern gearbeitet und gelebt. Er ist ein Reisender. Ebola in Westafrika, Erdbeben und Cholera in Haiti, Überschwemmungen in Mozambique, Kriege in Afghanistan – Keusen hat einige der grossen Übel dieser Welt miterlebt. Er lernte die Dankbarkeit der Menschen kennen, die Gewalt von Kriegen und Naturkatastrophen, die Unberechenbarkeit der menschlichen Aggression.

Zur Person

Robert Keusen erklärt seinen Weg zur Malerei:

Robert Keusen erklärt seinen Weg zur Malerei:

«1979, mein erster Einsatz im Albert Schweitzer-Spital in Lambabréné, im tiefsten Afrika, war ein furioses Wechselbad der Gefühle. Die freundlichen Menschen, die bittere Armut. Das tropische Klima, die archaische Kultur. Das fantastische Essen, die schlimmen Krankheiten. Es war eine Reizüberflutung für Körper und Seele. Ein Schweben zwischen ungekannten Glücksgefühlen und tiefer Betroffenheit. Ich war – in den ersten Wochen – hin- und hergerissen zwischen totaler Erschöpfung und konstantem get-up-and-go. Ich brauchte dringend ein passables Mittel, um mir den Staub und die Rührung und die Konfusion von der Seele zu wischen. Ich suchte Orientierung in all dem Fremden, Traurigen und Schönen. – Momente des Innehaltens – Zeitfenster zur Reflexion – Wege zur Gelassenheit – Inspiration durch Transparenz. All das fand ich in der Malerei.»

Ehrfurcht vor dem Leben

Was er gesehen hat, hat sich tief in die Erinnerung eingebrannt. Dass die tief schürfenden Eindrücke auch Jahre nach seiner Rückkehr in die Schweiz einen Ausdruck suchen, erstaunt wenig. In der Malerei, der Zeichnung, wird Keusen seiner inneren Fülle gerecht, ohne je vom Schrecken, von der Not zu erzählen. Es ist die Liebe zum Menschen, die Ehrfurcht vor dem Leben an sich, die in Keusens Werken stets spürbar ist.

Die Ausstellung im Näijerehuus ist bis zum 10. April zu sehen. Öffnungszeiten unter www.n-h.ch.

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