Es flimmert und flackert wie in einer Disco. Grelle Gelb-, Blau- und Grüntöne erleuchten die Industriehalle. Doch es sind keine Stroboskope, die da ihre Farbblitze schiessen, sondern LED-Panels. Ein Techniker öffnet hinten die Abdeckung und prüft, ob alle 14 000 Pixel auf der Vorderseite aufleuchten. Es wäre zu ärgerlich, wenn auf der Anzeigefläche statt heller Lampen schwarze Punkte zu sehen wären. Schon kommendes Wochenende werden die LED-Banden aus Zuchwil wieder rund um die Spielfelder der grossen Schweizer Fussballstadien aufgereiht sein und Stadionbesuchern wie Fernsehzuschauern bunte Reklameblöcke mit animierten Inhalten zeigen.

Die LED-Banden sind einer der drei Geschäftszweige der Swisscom Event & Media Solutions im Riverside Business Park. Kaum jemand weiss, dass die Tochterfirma des Telekom-Unternehmen in der früheren, riesigen Lagerhalle für Webmaschinen-Ersatzteile auf dem ehemaligen Sulzer-Areal in Zuchwil ein Lager hat. Anlässe in der ganzen Schweiz und in Europa werden von Zuchwil aus mit der digitalen Welt verbunden. Die Spiele im Basler St. Jakobspark, im Zürcher Letzigrund oder im Stade de Suisse in Bern sind nur drei von Dutzenden Anlässen, die beliefert werden. «Mit unseren ganzheitlichen Lösungen verlängern wir die Event-Erlebniskette, von der Generalversammlung bis zum grossen Open Air», sagt Tina Bürgi, die bei Swisscom Event & Media Solutions für Marketing und Kommunikation zuständig ist.

Minuziöse Planung

Kaum ist ein Fussballspiel abgepfiffen, werden die 250 Laufmeter LED-Panels abgebaut und ohne Umweg ins nächste Stadion gefahren – oft auch im Ausland. «Eine minuziöse Planung der Logistik ist dafür sehr wichtig», sagt der Betriebsleiter der Swisscom Event & Media Solutions, Klaus Haussener. Besonders delikat wird es bei Spielen der Champions League, zum Beispiel in Dortmund, Athen oder Madrid. Drei Tage vor den Matches müssen die Banden vor Ort sein. «Da sind effiziente und verlässliche Systeme unabdingbar», so Haussener. Wenn es hilft, setzt sich der Kaufmann gleich selbst ans Steuer eines 40-Tönners und sorgt dafür, dass das Material rechtzeitig ankommt. Stolz zeigt er ein Foto eines Swisscom-Trucks vor dem Stadion im südspanischen Almeria, wo die Bandensysteme in der Primera Division zum Einsatz kamen.

In einem Nebenraum der grossen Halle sitzt ein Mitarbeiter vor Dutzenden Handys. Ein Gerät nach dem anderen setzt er auf die Werkseinstellung zurück. Das ist nötig, damit die Telefone bald wieder einsatzbereit sind, etwa bei einer Konferenz eines Kunden. Die Vermietung digitaler Hardware, neben Telefonen auch Laptops, Drucker oder WLAN-Geräte, ist ein weiteres Standbein des Betriebs. So wurden schon das OSZE-Ministerratstreffen in Basel oder Wintersportevents und Musikfestivals ausgerüstet, damit dort in mobilen Büros Internet und Telefonie reibungslos funktionierten.

«Kommenden Sommer werden wir die Kommunikations-Infrastruktur am Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest in Estavayer bereitstellen», verrät Haussener. Vor Ort arbeitet die Swisscom-Tochter mit Freelancern zusammen. «Für das Schwingfest bauen wir sozusagen ein kleines KMU auf», sagt Tina Bürgi. Bis zu 20 Mitarbeiter werden dann beschäftigt. Fest angestellt in Zuchwil sind sechs Mitarbeiter.

Neben den grosszügigen Platzverhältnissen spreche für Zuchwil die zentrale Lage in der Schweiz, so Haussener. «Gerade, weil wir auch in der Romandie unterwegs sind.»

Ein rollendes Einfamilienhaus

Den grössten Eindruck in der Halle hinterlassen zweifellos die Event-Trucks, der dritte Geschäftszweig des Betriebs. Etwa der «Media Liner», ein umgebautes, zweistöckiges Postauto. Darin sind 20 klimatisierte Arbeitsplätze und eine Lounge installiert. Oder der «Event Star», eine Art rollendes Einfamilienhaus mit ausfahrbaren Flächen, Küche, Oberdeck und Terrasse. «Es ist der einzige Truck dieser Art in der Schweiz», weiss Eventprofi Haussener.

Als Mediencenter am Gurten-Festival, als Handy-Tankstelle bei einem Openair, oder an der Air14 in Payerne war das Gefährt bereits im Einsatz. Die diversen weiteren Last- und Lieferwagen, die von Zuchwil aus betrieben werden, fahren unter anderem als mobile Swisscom-Shops in abgelegene Gebiete.

Neben internen Anlässen setzt Swisscom Event & Media Solutions vor allem auf externe Kunden. «Es ist ein Wachstumsmarkt», sagt Klaus Haussener. Entsprechend dürfte der Platzbedarf im Riverside Business Park wachsen. Der ganze erste Stock in der Halle ist noch leer und wartet darauf, genutzt zu werden.

Der Riverside Business Park ist ein wichtiges Arbeitsplatzgebiet

Der Riverside Business Park, das ehemalige Sulzer-Areal, ist mit 170 000 Quadratmetern Fläche ein wichtiges Arbeitsplatzgebiet für Zuchwil. 2012 kaufte die Swiss Prime Site SPS um den Feldbrunner Markus Graf das Areal für 90 Millionen Franken von der britischen Investorengruppe Nirvana International Ltd.

In den diversen Gebäuden sind Dutzende Firmen eingemietet. Die grösste Arbeitgeberinnen sind Schaerer Kaffeemaschinen und der italienische Webmaschinenhersteller Itema. Dazu kommen kleine und mittlere Betriebe und das Theater Mausefalle. Künftig möchte SPS auf dem Areal Wohnungen bauen und weitere Gewerbebetriebe ansiedeln. (crs)