Mühledorf

Aus Sicht der Flüchtlinge - Infoveranstaltung bringt uns die Situation der Flüchtlinge näher

Von links: die drei Referierenden Markus Dick (Operativer Leiter des Asylkreises Unterbucheggberg), Anne Birk (Amt für soziale Sicherheit) und Hans Neeracher (Gründer Asylantenschule)

Von links: die drei Referierenden Markus Dick (Operativer Leiter des Asylkreises Unterbucheggberg), Anne Birk (Amt für soziale Sicherheit) und Hans Neeracher (Gründer Asylantenschule)

Schicksale von Flüchtlingen sind uns oft gar nicht bekannt. Die Infoveranstaltung in Mühledorf führt zu einigem Gesprächsstoff und zeigt die Situation der Flüchtlinge und Asylbewerber im Bucheggberg.

Ein Flüchtling engagiert sich für die eigene Integration, lernt Deutsch, ist in einem Verein und arbeitet. Doch fünf bis acht Jahre auf den Entscheid über sein Gesuch zu warten, führt dazu, dass er sich anfängt zu isolieren. Bei einem negativen Entscheid verstehen engagierte Asylanten oft die Welt nicht mehr und haben Suizidgedanken.

Situationen, die Menschen, die mit Flüchtlingen im Buchegg in Kontakt stehen, gut kennen. Am Freitagabend wurden viele solche Schicksale erzählt, sowohl aus dem Publikum, als auch von den Referierenden. Die Informationsveranstaltung zum Thema Flüchtlinge gab den dreissig Anwesenden die Möglichkeit, sich anhand dreier Kurzreferate, einem runden Tisch und einer Fragerunde über das Thema Flüchtlinge im Buchegg zu informieren und Tipps einzuholen. Initiiert wurde der Anlass von Hans Neeracher, dem Gründer der freiwilligen Asylschule unterer Bucheggberg.

Seit einer Woche schnellere Gesuchbearbeitung

Im Bucheggberg sind 25 Flüchtlinge in 6 Unterkünften zu Hause, vor drei Jahren waren es 42. Waren 2015 noch fast 40 000 Flüchtlinge in der Schweiz, so ist die Zahl 2018 auf 15 255 gesunken. Anne Birk vom Amt für soziale Sicherheit zeigte in ihrem Kurzreferat die Lage im Kanton auf. «Seit dem 1. März ist das durch den Volksentscheid beschlossene Schnellverfahren in Kraft. Künftig werden die Gesuche innert 140 Tage bearbeitet und die grösste Zahl der Flüchtlinge erst dann auf die Gemeinden verteilt, wenn sie eine Aufenthaltsbewilligung haben. Die Situationen der jahrelangen Ungewissheit werden also von nun an abnehmen.»

Man war sich am Anlass einig: Eine gute Integration ist das A und O. Neben Schulbildung, Spracherwerb und der Unterkunft in einer Schweizer Familie seien auch kleine Gesten zielführend. «Zum Beispiel könnte man den Kontakt zu Asylanten suchen und etwas mit ihnen unternehmen», beschrieb Birk. Gleichzeitig wurde aber deutlich, dass das Zusammenleben nicht nur erfüllend, sondern auch wegen der kulturellen Unterschiede schwierig sein kann.

Markus Dick, der rund um die Uhr für die Asylanten zur Verfügung steht, sprach in seinem Referat von seinen Erfahrungen als operativer Leiter des Asylkreises Unterbucheggberg und über die entsprechenden Herausforderungen. «In den Heimatländern der Asylanten ist die Norm, dass die Mutter den Wohnraum sauber hält, deswegen sind viele Asylanten in Sachen Sauberkeit überfordert», nennt er ein Beispiel.

Später bei der Fragerunde kommt er auf die unterschiedlichen Perspektiven zu sprechen, die zu Konflikten führen könnten. «Wir ziehen es vor, uns auszubilden, um danach ein höheres Einkommen zu erhalten. Aber die meisten Asylanten wollen keine Lehre, sondern schnell zu Geld kommen. Auf eigenen Beinen zu stehen, gibt ihnen gesetzlich die Möglichkeit, die Familie nachzuziehen.»

Staatsrecht und Religionsfreiheit

Am runden Tisch diskutierten die drei Referierenden mit den Vertretern der reformierten und katholischen Kirchgemeinden des Bezirks, Linda Peter und Stefan Keiser, verschiedenste Themen kritisch, so auch die «Handschlagaffäre». Ging es um Anpassung, so herrschte in der Runde Konsens: «Als Gast muss sich der Flüchtling den Gepflogenheiten des Landes anpassen. Religionsfreiheit ist wichtig, aber wir haben auch das Staatsrecht und darüber darf die Religion nicht stehen», so Peter.

Gegen Extrempositionen

Der Anlass sollte Schranken abbauen und die Bevölkerung zur Mithilfe animieren. Auch sollte eine Aufforderung an die Politik gestellt werden. «Die Politik soll sich von den Extrempositionen Mauerbau und grenzenlose Öffnung distanzieren», sagte Neeracher im Anschluss an sein Referat über seine Asylschule. «Wir könnten den Flüchtling durch ein Formular verpflichten, sich an die Regeln in der Schweiz zu halten und sobald als möglich in sein Heimatland zurückzukehren.

Durch unsere Unterstützung in der Bildung kann der Flüchtling schliesslich die Umstände im Heimatland verbessern. Die hiesige Bevölkerung spielt eine wichtige Rolle in der Förderung des Flüchtlings, indem sie ihn begleitet.»
Im Anschluss an die Veranstaltung konnten die Besucherinnen bei einem Imbiss aus dem Küttigkofer Bioladen weiter diskutieren.

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