Biogen-Park in Luterbach
Aus der Kläranlage entsteht eine Biobadi

Vor dem Neubau der US-Biotechfirma Biogen, der derzeit im Eiltempo hochgezogen wird, entsteht in Luterbach eine Freizeitzone, so gross wie 8 Fussballfelder. Die Kläranlage soll zur Biobadi umfunktioniert werden.

Christof Ramser
Drucken
Teilen
Visualisierungen des Uferparks von Biogen in Luterbach: Ein grüner Streifen belebt das Aareufer.
4 Bilder
Der 56'000 Quadratmeter grosse Park zieht sich vom Emmenspitz bis zur alten Kläranlage mit den Schwimmteichen. Das Biogen-Betriebsgelände bleibt frei zugänglich.
Uferpark Biogen
Der öffentliche Platz neben der ehemaligen Attisholz-Kantine.

Visualisierungen des Uferparks von Biogen in Luterbach: Ein grüner Streifen belebt das Aareufer.

zvg

Nichts weniger als der grösste öffentliche Park zwischen Biel und Schönenwerd entsteht in Luterbach.

Vom Emmenspitz bis zur ehemaligen Kläranlage der Zellulosefabrik Attisholz werden Angestellte, Anwohner und Erholungssuchende flanieren, Velo fahren, essen, trinken und baden. Heute Freitagabend werden die Pläne in Luterbach vorgestellt (siehe Kasten).

Von der Grösse her sei der Park vergleichbar mit dem Strandboden in Biel. «Das ist ein Novum für die Region», sagt der stellvertretende Chef des Hochbauamtes, Guido Keune. Der Grüngürtel ist das Resultat einer Testplanung nach der Schliessung der Borregaard. Im Februar 2015 wurde der Teilzonen- und Erschliessungsplan «Attisholz-Süd» bewilligt. Danach ging es schnell. Fünf Landschaftsarchitekturbüros beteiligten sich an einem Studienauftrag. Eine Jury kürte das Büro Mavo aus Zürich zum Sieger.

Wie geht es weiter?

2018 fertiggestellt

- Heute Donnerstagabend um 19.30 Uhr findet in der Schulhaus-Aula in Luterbach eine Informationsveranstaltung statt. Danach sind die Pläne auf der Internetseite der Gemeinde abrufbar.

- Bis zum 9. Mai findet die öffentliche Mitwirkung statt. Wer will, kann zum Projekt Stellung nehmen.

- Vom 18. August bis 19. September werden die Pläne nach einer Vorprüfung noch einmal öffentlich aufgelegt.

- Nach dem Regierungsratsbeschluss wird die Parkanlage bis Mitte 2018 gebaut. 2019 nimmt Biogen den Betrieb auf.

Fachleute hielten ein Auge darauf, dass Fragen des Umwelt- und Gewässerschutzes, aber auch der Fischerei berücksichtigt werden. Im Hochbauamt hofft man, dass es nicht zu viele Einsprachen gibt. «Wir möchten möglichst schlank durch, damit wir den Park bis Ende 2018 bauen können», sagt Kantonsbaumeister Bernhard Mäusli.

Ein neuer, urbaner Platz

Auf und rund um aufgeschüttete kleine Inseln in der Aare werden Wasservögel und Fische Rückzugsmöglichkeiten finden. «Die Natur soll sich selber entwickeln«, sagt Mäusli. Direkt am Ufer entlang führt ein Trampelpfad, etwas versetzt die Promenade, die auch eine nationale Veloroute ist. Sie ist von Pappeln gesäumt und bildet so eine optische Grenze zum Betriebsgelände der Biogen, das nicht umzäunt wird.

Im dicht bewachsenen Ufergehölz geben Schneisen den Blick frei auf die Aare und erhellen den heute düsteren Uferweg. Im Bereich dieser «Fenster» führen Holzstege direkt ans Wasser. Zusätzlich dienen diese Rodungen dem Hochwasserschutz. Sollte die Emme ein Jahrhunderthochwasser führen, kann das Wasser abfliessen. Mäusli verweist auf die gute Qualität des Siegerprojektes. «Es ist eine grosse Aufwertung für den Uferbereich und macht den Aareraum in allen Facetten erlebbar.»

Etwas flussabwärts wird die ehemalige Dependance, ein Nebengebäude der Zellulosefabrik, abgerissen. Ein grosszügiger, urbaner und beleuchteter Platz entsteht. Eine Treppe führt zum Wasser hinunter, wo das Öufi-Boot anlegt und zwischen Altstadt und Attisholz pendelt. Gleich daneben mündet das wieder an die Oberfläche geholte Bächlein Speckgraben in die Aare. Die ehemalige Kantine bleibt als Brückenkopf bestehen. Davor wünschen sich die Bauherren einen Gastronomiebetrieb. «Zum Beispiel einen Biergarten.» Im Gebäude könnte ein Pächter Bier brauen oder einen Gasthof einrichten. «Für die mehreren Hundert Arbeitsplätze wäre das eine Alternative zu den Kantinen.»

Schiff Das «Öufi»-Boot: Die Stadtführungen per Schiff zeigen die Bedeutung der Aare für die Solothurner damals und jetzt. 

Schiff Das «Öufi»-Boot: Die Stadtführungen per Schiff zeigen die Bedeutung der Aare für die Solothurner damals und jetzt. 

Solothurner Zeitung

Der grosse «Schwimmteich»

Einen weiteren Bezug zum Wasser bildet die alte Kläranlage. Sie wird zum Naturbad, einer Art bewachsenem Schwimmteich umfunktioniert. Die Mauern zwischen den Becken bleiben als Zeitzeugen bestehen und werden mit Aarewasser vollgepumpt, das dann zurück in den Fluss fliesst. «Natürlich braucht es dafür einen Betreiber. Aber ist das Bad einmal eingerichtet, ist der Aufwand klein», weiss Mäusli.

Das Kostendach für den öffentlichen Uferpark beträgt 6 Millionen Franken. «Den Steuerzahler kostet es aber nichts, mit Ausnahme der Kantons- und Bundesbeiträge für die Renaturierungsmassnahmen», sagt der Kantonsbaumeister. Die Firmen, die vom Kanton Land kaufen oder im Baurecht erhielten (wie Vigier und CTX), beteiligen sich an den Kosten. Später soll das Areal der Gemeinde übergeben werden. Sie würde den Unterhalt besorgen.

Guido Keune malt sich bereits plastisch aus, wie ein Sommerferientag in Luterbach schon bald aussehen könnte. «Eine Familie radelt von Solothurn auf der nationalen Veloroute ins Attisholz, stellt die Velos am neuen Platz ab. Sie bräteln im Park, gehen ins Biobad, ‹sünnelen› auf dem Holzdeck und blinzeln später in die Abendsonne. Dann übernachten sie im Gästehaus und fahren am nächsten Tag weiter.» Man kann nachvollziehen, wenn Keune feststellt, dass der Uferpark Attisholz über die Region hinausstrahlen wird.