Jahresrückblick 2016
Aus alt mach neu: Boomtown Attisholz – das war nur ein Thema unter vielen die dieses Jahr bewegten

Südlich und nördlich der Aare bei Luterbach und Riedholz entsteht ein neues wirtschaftliches und kulturelles Zentrum des Kantons, mehrere Poststellen mussten 2016 schliessen, es gab Freude und Ärger über verschiedene Strassensituationen – kurz es liegt ein turbulentes Jahr hinter uns.

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Das Jahr 2016 in Kürze Lebern/Buchegg/ Wasseramt
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Aeschi: Ausstieg aus der gemeinsamen Schule Ende Juni überrascht der Gemeinderat mit dem Entscheid, aus der gemeinsamen Schule mit Bolken, Drei Höfe, Etziken und Hüniken auszusteigen. Die Gemeindeversammlung unterstützt den Entscheid. Mit einer eigenen Schule könnte Aeschi Einsparungen von 260 000 Franken pro Jahr erreichen. Die anderen Gemeinden sind nicht bereit auf Schulstandort zu verzichten, wie vom Kanton vorgeschlagen. Nun hat man aber eine Einigung gefunden, ohne dass Schulstandorte aufgegeben werden müssen. (uby)
Biberist: Asylunterkunft brennt vollständig nieder Ende August brennt in Biberist die Asylunterkunft vollständig nieder. Das Feuer wird durch einen technischen Defekt verursacht. Die ausgebrannte Holzbaracke wird abgerissen, ein Neubau ist nicht geplant. Die 16 Asylsuchenden werden auf dem Bleichenberg einquartiert. Die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger von Biberist haben klar Ja gesagt zu einem Kredit von 8,7 Mio. Franken für die Sanierung der Schulanlage Bleichematt. (crs)
Bellach: Der schwierige Rückbau einer Turnhalle Eigentlich sollte der Rückbau der alten Turnhalle in den Sommerferien erfolgen. Doch Anwohner wollten sich ihre Sommerferien auf dem Balkon nicht vermiesen lassen. Wegen Einsprachen verzögerte sich der Rückbau. Er wurde in der Schulzeit durchgeführt. (uby)
Buchegg: Letzter Wiehnachtsmäret in Aetigkofen Am Wochenende vom 2. bis 4. Dezember endete die 20-jährige Tradition des Wiehnachtsmärets der Familie Isch und Wyss in Aetigkofen. Unsere Korrespondentin schrieb: «Werner Isch heizte nochmals den Molkebottich ein. Traditionsgemäss stiegen drei Biberister Frauen in die dampfende, gelbliche Flüssigkeit.» Tempi passati. (uby)
Bucheggberg: Seit 625 Jahren solothurnisch Sie galten immer auch ein bisschen als Berner. Sei es aufgrund ihrer Religion, ihres Dialekts oder ihrer Feiertage. Dabei gehören die Bucheggberger seit 625 Jahren zu Stadt und Kanton Solothurn. 1391 wurde der Bezirk der Stadt Solothurn verkauft. Im Juli wird auf Schloss Buchegg ausgiebig gefeiert. Und Stadtpräsident Kurt Fluri bekräftigt, dass man den Kauf noch nie habe bereuen müssen. (crs)
Derendingen: Das Frauenfussballteam SC Derendingen steigt auf Der Aufstieg des SC Derendingen in die höchste schweizerische Liga kommt in letzter Sekunde und völlig überraschend. Aktuell steht der Verein zwar an letzter Stelle der Tabelle, aber gespielt ist erst die Hinrunde. Die Gemeindeversammlung stimmt dem Pavillon-Neubau für die schulergänzenden Tagesstrukturen zu. Der Pavillon kostet total 1,3 Mio. Franken. Im Frühling wird der erste Garten im Derendinger «Elsässli» saniert. Die durch Teerplatten kontaminierte Erde musste ausgetauscht und entsorgt werden, bezahlt von den Grundeigentümern. Anfangs Dezember feiert die Dorfbevölkerung das 725-Jahr-Jubiläum der Gemeinde. (uby)
Horriwil: Gemeindepräsident verlässt Posten entnervt Im April glänzt Horriwil mit der Ausrichtung des Solothurner Nachwuchs-Schwingertages. Im September überrascht Gemeindepräsident Franz Schreier, der aufgrund von Unstimmigkeiten im Gemeinderat den sofortigen Rücktritt gibt. (uby)
Kammersrohr: Gemeindepräsident gefunden Die kleinste Solothurner Gemeinde will souverän bleiben. Kurz vor Weihnachten im Vorjahr verstirbt Gemeindepräsident Terry Spillmann unerwartet. Seine Nachfolge übernimmt im April Landwirt Ueli Emch. (uby)
Kriegstetten: Gemeinde kehrt Schulverband den Rücken Im Mai beschliesst der Gemeinderat von Kriegstetten, aus dem Schulverband Halten-Oekingen-Kriegstetten (Hoek) auszutreten. Im Juni bestätigt die Gemeindeversammlung den Entscheid. Der Gemeinderat von Kriegstetten will so wieder mehr Einfluss auf die Finanzen nehmen. Das System der Schulgemeindeversammlung sei überholt. Stattdessen sollen Delegierte ohne Beteiligung der Stimmbürger über das Budget entscheiden. Auch Halten will einen Wechsel zum Delegiertensystem. In Oekingen kommt das nicht gut an. (crs)
Langendorf: Schulraum für 17,5 Mio. Franken Die Gemeindeversammlung stimmt im Dezember der umstrittenen Schulraumvorlage deutlich zu. (uby)
Lohn-Ammannsegg: Hochhaus kann gebaut werden Die Schulhausstrasse beschäftigt die Bevölkerung stark. Noch im Dezember kann an einer Feier die sanierte Strasse den Verkehrsteilnehmern wieder zurückgegeben werden. Gleichzeitig erhält Unternehmer Andreas Wyss die Baubewilligung für sein Hochaus beim Bahnhof Lohn-Lüterkofen. (uby)
Lommiswil: Rücktritt von Natalie Schneitter Der Rücktritt der Mountainbikerin Natalie Schneitter gilt zwar nicht gänzlich. Aber im Weltcup Cross Country will sie nicht mehr mitmischen. Im Herbst genehmigt der Souverän die Schulhaussanierung mit Kosten von 1,538 Mio. Franken eher knapp. (uby)
Lüsslingen-Nennigkofen: Das «Rössli» geht an die Kirschblütler Im Juli kauft die Kirschblüten-Gemeinschaft den Gasthof Rössli in Nennigkofen, inklusive der angebauten Curlinghalle. Viele Dorfbewohner sind verärgert, einige versuchen den Verkauf gar zu torpedieren. Vergebens: Die umstrittene Gemeinschaft um Psychiater Samuel Widmer erhält den Zuschlag und kann im ehemaligen Restaurant Wohnraum und Platz schaffen für ihre landwirtschaftliche Genossenschaft. Die Curler dürfen bis 2020 bleiben. (crs)
Luterbach: Die Dorfgemeinschaft stärken Der Plan von Gemeindepräsident Michael Ochsenbein geht auf. Um mehr Leute in die Dorfpolitik zu involvieren, schlägt er eine Vergrösserung des Gemeinderats von 9 auf 19 Mitgliedern vor, was die Bevölkerung unterstützt. Und auch die Idee, das Restaurant Rössli beim Gemeindeplatz zu kaufen, findet beim Souverän Gehör. (uby)
Oberdorf: Weiterhin mit Hallenbad und Wasserrad Das restaurierte Wasserrad wird wieder an seinem angestammten Platz an der Weissensteinstrasse montiert. Saniert wird auch das Hallenbad. Dies ist der nächste Schritt, nachdem die Bevölkerung sich an der Urne klar für den Erhalt des Bades ausspricht. (uby)
Recherswil: Geld für Sanierung und Ausbau Schule Auch die Recherswilerinnen und Recherswiler genehmigen einen Kredit für die Schulanlagen. Mit 4,845 Mio. Franken soll die Schulanlage saniert und ausgebaut werden. Dem Projekt erwächst in den Tagen vor der Urnenabstimmung Opposition. Dem Gemeinderat wird unter anderem Intransparenz vorgeworfen. (uby)
Rüttenen: Jenische Familie muss den Platz räumen Im Februar wird der Standplatz der Familie Huber beim Steinbruch Bargetzi abgeräumt. Damit nimmt die jahrzehntelange Niederlassung der Jenischen in Rüttenen ein jähes Ende. Die Bürgergemeinde Solothurn braucht den Platz für eigene Zwecke. Der Platz, den der Kanton im Schachen Deitingen zur Verfügung stellt, kommt für Hubers nicht infrage. Das Mobilehome wird in einer Halle eingelagert. (crs)
Selzach: Streit um Aareinseli und Schulverband Belose Wie stark soll die Familie Antener auf dem Aareinseli ausbauen dürfen? Diese Frage ist aktuell Juristenfutter. Nachdem der Kanton anfangs Oktober grünes Licht für die geplante Erweiterung (Gastronomie und Baumschule) gibt, folgen sogleich Beschwerden von Umweltverbänden sowie der Gemeinde Selzach vor Verwaltungsgericht. Der Streit um die Umsetzung des Kostenverteilers im Schulverband Belose (Bellach/Lommiswil/Selzach) scheint beigelegt. Nachdem die Bellacher Gemeindeversammlung ihren Gemeinderat zurückgepfiffen hat, wird statt gekündigt nochmals diskutiert und ein für Selzach günstiger Konsens gefunden. Selzach muss künftig mehr bezahlen, aber die Anpassung soll über vier Jahre verteilt erfolgen. (uby)
Subingen: Stricklers Raubtierpark ist immer noch da Totgeglaubte leben länger: Schon vor Monaten hat ein Solothurner Gericht die Räumung des Raubtierparks angeordnet. Die Vollzugsbehörde hat aber Mühe, geeignete Plätze zu finden, an denen sie die Löwen und Tiger versorgen könnte. Da kommt anfangs November die Mitteilung überraschend, dass man sich nach wie vor um den Kauf des Areals in Subingen bemühe. Man sei aber auch gewillt, einen Plan B zu finanzieren, wenn es mit dem Landkauf in Subingen nicht klappt, nämlich den Umzug zur Siky Ranch in Crémines – inklusive deren Ausbau. (uby)
Zuchwil: Die Widi wird nun doch verkauft Das Neubauquartier auf dem Riverside-Areal macht einen grossen Schritt vorwärts. Im Juni entscheidet die Gemeindeversammlung von Zuchwil, das Widi-Areal für 6,6 Millionen Franken an die Swiss Prime Anlagesiftung zu verkaufen. Noch 2014 hatte eine Mehrheit der Stimmberechtigten den Verkauf abgelehnt. Vor allem die Fussballer hatten sich damals vehement gegen einen Wegzug von ihrem geliebten Sportplatz gestemmt. Bis in 20 Jahren soll an der Aare bei der ehemaligen Sulzer ein Wohnquartier mit grossstädtischen Strukturen entstehen. (crs)

Das Jahr 2016 in Kürze Lebern/Buchegg/ Wasseramt

Hanspeter Bärtschi

Eine der grössten Baustellen im Kanton ist das Attisholzareal zwischen Riedholz und Luterbach. Die Entwicklungen auf dieser riesigen Fläche, unterteilt durch die Aare, waren im vergangenen Jahr gross. Hier pulsiert aktuell die Bauwirtschaft und bald Industrie und Wirtschaft.

Und in ihrem Gefolge boomen Immobilienmarkt, Kunst und Freizeitindustrie. Es ist, als hätten just zum gleichen Zeitpunkt alle möglichen Player diesen Flecken Erde entdeckt, denn das zu betrachtende Gebiet lässt sich locker erweitern bis zur Kantonsgrenze im Osten.

Das vormals mächtige kahle Gebäudegerüst der Biotechnologiefirma Biogen hat mit der Fassade ein gefälliges Kleid erhalten. Hier entstehen Hunderte hochwertiger Arbeitsplätze. Menschen kommen, die hier nicht nur arbeiten werden, sondern auch wohnen und leben wollen. Täuscht es?

Der Markt für Kaufimmobilien ist in der Region schon jetzt wie ausgetrocknet. Mit Sicherheit hat die Präsenz des amerikanischen Biotechnologieriesen dazu beigetragen und auch die Entwicklung auf der anderen Seite der Aare beflügelt. Am 8. Oktober vermeldete diese Zeitung, dass Attisholz Nord, das Areal der ehemaligen Zellstofffabrik Attisholz, diese einzigartige Ansammlung von Industriegebäuden mit Turm und Kamin einen Käufer gefunden hat.

Die Zürcher Immobiliengesellschaft Halter AG hat das 16 Hektaren grosse Gebiet von der Attisholz Infra AG gekauft. Dazu gehört auch das umgebende Landwirtschaftsland mit den stattlichen Höfen und Fabrikantenvillen. In diesen Tagen wurde der Kauf im Amtsblatt offiziell. Das Areal wird nicht im nächsten Sommer zum neuen Riedholzer Quartier mit Wohnen und Gewerbe. Das dauert Jahrzehnte.

«Zwischennutzung» lautet das geflügelte Wort. Eine Zwischennutzung, beinahe unbemerkt von der Öffentlichkeit, was von den Organisatoren bewusst angestrebt worden sei, fand mit dem Kunstanlass «Kettenreaktion» statt. Während dreier Monate haben Kunstschaffende mit dem Vorhandenen Neues geschaffen. Zur Eröffnung des abschliessenden Anlasses kamen gar drei Regierungsräte des Kanton Solothurns.

Weiter östlich plant der gleiche Kanton die Erweiterung der bestehenden Inertstoffdeponie. Sie soll nicht wieder verwendbare Altbaustoffe aufnehmen. Eine Bürgerbewegung stellt sich
dagegen.

Auf der Südseite der Aare schritt der Biogen-Bau munter voran. Daneben wurden weitere Weichen gestellt, wortwörtlich. Am 8. Dezember erfolgte der Spatenstich für eine riesige Halle des CT-X Rail Services mit diversen Gleisanschlüssen. Die Firma ist eine Unterhaltswerkstätte für Bahn-Güterwagen.

Nördlich davon plant die Firma Vigier ein sogenanntes Cleantechcenter, einen Betrieb für Recycling-Dienste, Rohstoffbewirtschaftung, Produktion von Sekundärbrennstoffen und Betonherstellung. Hier hat der Kanton die Nutzungsplanung genehmigt. Auch westlich des Areals läufts rund. Elektronikkomponenten-Herstellerin Schaffner AG hat gerade ein Baugesuch für einen Neubau Hauptsitzgebäude publiziert.

Zum Spielball der Interessen ist der geplante Park am Südufer der Aare geworden. Dort sollen künftig die Freizeitinteressen der Bevölkerung zum Tragen kommen. Aktuell aber balgen sich Kanton, Umweltverbände und Gemeinde darüber, wie natürlich Natur zu sein hat.

Einen Golfschlag davon entfernt, Richtung Osten über die Jurastrasse, ist ein anderes Konzept von Natur zu begutachten. Dort feierte der Golfplatz Wylihof am 29. August die Erweiterung auf 27 Loch. Der Platz ist eine der grössten Anlagen der Schweiz.

Das geschah sonst noch 2016:

Eröffnungsfest Blumenhaus Im Sommer feierte das Blumenhaus in Buchegg die Eröffnung des neuen Wohnheims. Der Neubau für Menschen mit Behinderungen schlug mit 10,2 Millionen Franken zu Buche. Dank einer Solidaritätswelle wurden über 6 Millionen gespendet. Die Institution ist mit 200 Mitarbeitenden die grösste Arbeitgeberin im Bucheggberg. Dutzende Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit einer geistigen und mehrfachen Behinderung finden in der Sonderschule, in der geschützten Werkstatt und den neu zwei Wohnheimen ein Zuhause. (crs)

Eröffnungsfest Blumenhaus Im Sommer feierte das Blumenhaus in Buchegg die Eröffnung des neuen Wohnheims. Der Neubau für Menschen mit Behinderungen schlug mit 10,2 Millionen Franken zu Buche. Dank einer Solidaritätswelle wurden über 6 Millionen gespendet. Die Institution ist mit 200 Mitarbeitenden die grösste Arbeitgeberin im Bucheggberg. Dutzende Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit einer geistigen und mehrfachen Behinderung finden in der Sonderschule, in der geschützten Werkstatt und den neu zwei Wohnheimen ein Zuhause. (crs)

Michel Luethi