Riedholz

Aufregung beim ersten Mal live im Äther

Zum ersten Mal befindet sich das Studio des alternativen Radios «Radiologisch» nicht in der Stadt Solothurn, sondern auf dem Areal Attisholz Nord.

Noch 30 Sekunden. Die Nervosität steigt. «Oh Gott, ich kann das nicht», ruft Franca und greift nach der Hand ihrer Kollegin Adriana. Die Musik verklingt, und die beiden jungen Frauen sind live auf Sendung.

Zum neunten Mal in Folge schickt «Radiologisch» diesen Oktober seine Schallwellen durch den Äther. Jeder und jede kann sich während des einen Monats, in dem das alternative Lokalradio auf Sendung ist, als Radiomacher bewähren.

«Wir möchten allen die Möglichkeit bieten, selbst aktiv Radio zu machen», sagt Pascal Humbert, im Team von «Radiologisch» zuständig fürs Marketing. Etwas anderes als Radio 32 oder SRF solle ihr nicht kommerzieller Sender sein: «Wir möchten lokale Bands fördern und Radiobegeisterte ansprechen.»

Das Programm sei nicht eingeschränkt und jede Idee willkommen. Am meisten zu hören sind Musiksendungen, es gibt aber auch Satire, Reportagen oder Band-Jams live im Studio. Die einzigen Hürden zur eigenen Sendung sind eine auf der Internetseite auszufüllende Anmeldung und die Orientierung auf dem Gelände der ehemaligen Zellulosefabrik im Attisholz.

Zum ersten Mal bei Radio Radiologisch

Zum ersten Mal bei Radio Radiologisch

Pascal Humbert erklärt auf was beim Radio-Machen zu achten ist.

Radio und Kunst im Austausch

Denn dort, in einem nicht gerade grossen Raum im ersten Stock des Ex-Verwaltungsgebäudes, befindet sich dieses Jahr das Studio. «Das Kunst- und Kulturprojekt Kettenreaktion, das auf dem Areal stattfindet, hat uns hierher eingeladen und uns den Raum zur Verfügung gestellt», sagt Humbert.

Aus Kunst und Radio ergäben sich viele interessante Kombinationen, so der PR-Leiter. «Radiologisch» überträgt nebst dem eigenen Programm Lesungen und Konzerte, die im Rahmen von «Kettenreaktion» stattfinden. «Lokalität und Atmosphäre hier sind extrem cool», so Humbert.

Das Studio befindet sich zum ersten Mal nicht in der Stadt Solothurn selbst. Entstehen dadurch nicht weniger Begegnungen und Kontakte mit den Hörerinnen und Hörern? «Zum Glück hat sich diese Befürchtung nicht bewahrheitet», sagt Humbert.

Bis jetzt gibt es rund 40 Sendungsformate, gleich viele wie in den Jahren zuvor. «Wir wissen nun, dass der Standort zweitrangig ist. Wir haben unsere Stamm-Radiomacher, die immer eine oder mehrere Sendungen machen, aber es gibt zugleich jedes Jahr neue Stimmen.»

Die vierzehnjährige Franca und die ein Jahr ältere Adriana machen ihre erste Sendung. Die beiden jungen Frauen sind durch die Jugendarbeit Solothurn auf «Radiologisch» aufmerksam geworden.

Für ihre Sendung haben sie in einer Strassenumfrage die Solothurner zu Männer- und Frauenklischees befragt. Bevor sie «on air» gehen, sprechen sie den Ablauf noch einmal haarklein durch. Wer sagt was, und wann wird Musik abgespielt? «Und pass auf, dass wir uns nicht ins Wort fallen!» Pascal Humbert unterstützt die beiden, hilft bei Unterbrüchen auf die Sprünge und regelt den ganzen technischen
Ablauf.

Dauerradio keine Option

Wie Humbert arbeiten alle 15 Aktivmitglieder des Vereins «Radiologisch» freiwillig und unentgeltlich. Mit dem finanziellen Zustupf von rund 10 000 Franken von Stiftungen und Gönnern decken sie gerade mal die Ausgaben für Infrastruktur und Werbematerial ab. Dies ist mit ein Grund, weshalb «Radiologisch» weiterhin nur einen Monat im Jahr sendet.

«Der Oktober bedeutet für uns immer enormen Aufwand. Jedes Vereinsmitglied hat neben ‹Radiologisch› einen 100-Prozent-Job», erzählt Humbert. Für einen durchgehend betriebenen Sender bräuchte es mehr Leute und mehr finanzielle Mittel. «Und es ist auch nicht sicher, dass wir die Konzession bekommen würden», ergänzt er.

Für nur einen Monat Sendezeit bekomme man eine 30-tägige Konzession ohne Probleme. Schade sei bloss, dass man nicht jedes Jahr dieselbe Frequenz bekomme: «Das Sendegebiet hängt von der Frequenz ab. Wir wissen deshalb nie wirklich, wo wir überall empfangen werden können.»

Humbert schätzt die Reichweite dieses Jahr auf ein Gebiet zwischen Grenchen, Bätterkinden und Wangen an der Aare. Auf FM 106.8 oder Kabel 101.6 kann man jederzeit in «Radiologisch» hineinhören.

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