Luterbach

«Auffangbecken»: Ehemalige Obernarren engagieren sich für die Dorffasnacht

Luterbacher Obernarrenvereinigung feiert 30 Jahre Jubiläum. Sie sind engagieren sich seither für die Luterbacher Fasnacht. Jürg Schläfli erinnert sich daran.

Die Luterbacher Obernarrenvereinigung (LOV) feiert das dreissigjährige Jubiläum. Gründungsmitglied Jürg Schläfli erinnert sich, wie es damals dazu kam. «Ich war per Zufall der erste Obernarr, und zwar 1988 mit 26 Jahren», sagt er. 1990 seien sie dann bereits zu dritt gewesen und fragten sich deshalb, ob man nicht «ein Auffangbecken der ehemaligen Obernarren» gründen könnte. Gesagt, getan – bereits in ihrer ersten Saison haben die drei ehemaligen Obernarren Otto Müller, Konrad Fluri und eben Jürg Schläfli einen Wagen für den Umzug gebaut. Damals sei dies ein Thron gewesen, auf dem dann der vierte Obernarr Platz nehmen durfte. Auch dieser habe sich dann nach der Fasnacht zur Vereinigung bekannt.

Einige Traditionen sind bis heute geblieben

So nahm die Geschichte ihren Lauf und die fasnächtliche Kreativität wurde immer tiefer ausgeschöpft. Vom Apfelschuss im Restaurant Bahnhof über Playback-Imitationen von Deep Purple bis hin zur kleinen Niederdorfoper war alles dabei, erinnert sich Schläfli. Letztere hat er in besonders guter Erinnerung. Mit drei Damen aus dem Turnverein zur Unterstützung sowie Begleitung am Klavier habe man an der Fasnacht eine gekürzte Version aufgeführt. «Das bleibt einfach unvergesslich.» Später wurde dann die Hilari Overdriveband engagiert: Das waren vor allem Leute aus der Guggenmusik, welche den Gesang der Vereinigung am Hilari mit ihren Instrumenten unterstützten. «Der Fluch unserer Vereinigung ist nämlich: Jedes Jahr kann man nur einen Obernarren – oder eine Obernärrin – neu aufnehmen. Leute, die Instrumente spielen, waren deshalb immer ein bisschen rar.»

Die Obernarrentradition in Luterbach sieht so aus, dass die Strümpflizunft eben seit 1988 jedes Jahr eine Person aus dem Dorf für dieses ehrwürdige Amt sucht. Heute sind die ehemaligen Obernarren ebenfalls für diese Suche verantwortlich. «Die meisten bleiben nach der Fasnacht irgendwo hängen, sei es in anderen Fasnachtsgruppen, in der Zunft oder eben in unserer Vereinigung.» Momentan sind elf ehemalige Obernarren in der LOV aktiv, zudem gibt es noch sechs Altmitglieder.

Während ein Teil der Gruppe unter dem Namen «LOV die Chline» dann jahrelang mit Schnitzelbänken an der Fasnacht aufgetreten sei, kam 2002 ein weiteres Highlight fix in den Jahresplan. Anlässlich der Luterbacher 950-Jahr-Feier hat man nämlich den musikalischen Nachwuchsevent «Together» ins Leben gerufen, welcher während vieler Jahre ein Fixpunkt im Kalender geblieben ist.

Das diesjährige Luterbacher Fasnachtsmotto LOVe BeACH ist – wie unschwer zu erkennen – anlässlich des LOV-Jubiläums erkoren worden. «Weil wir Jubiläum feiern, durften wir das Motto wählen.» Analog zu Luterbach war zuerst von LOV-Bach die Rede, daraus wurde dann LOVe-BeACH konstruiert.

Jubiläumsanlass mit Wagenvernissage

An Hilari tritt die Vereinigung heute nicht mehr auf, dafür aber natürlich am Umzug. Diese Tradition, einen Wagen für den Umzug zu bauen, hat man bis heute beibehalten. Früher fanden die Bauarbeiten auf dem Flückiger-Bauernhof statt, später im Tenn des Restaurants Rössli, welches dann den Flammen zum Opfer fiel. «Das war ein Einschnitt, da wurde auch unsere grosse Fasnachtslampe zerstört», so Schläfli. Seit dem Brand wird der Wagen der LOV nun alljährlich im Werkhof gebaut, wo Schläfli arbeitet. Zudem organisiert die Vereinigung momentan auch die Kinderchesslete und betreibt während der Beizenfasnacht eine Bar in der ehemaligen Molkerei.

Das Jubiläum der Luterbacher Obernarrenvereinigung wurde mit der Wagenvernissage gefeiert.

Das Jubiläum der Luterbacher Obernarrenvereinigung wurde mit der Wagenvernissage gefeiert.

Jürg Schläfli freut sich, dass die Dorffasnacht in Luterbach noch lebt. Dies sei zu grossen Teilen sicher der Zunft, aber auch der LOV zu verdanken. «Schön wäre, wenn noch ein, zwei Schnitzelbankgruppen dazukämen», sagt er. Als Teil der Schnitzelbankgruppe Papperlapapp ist er überzeugt, dass es weitere Schnitzelbankgruppen bräuchte, damit die Beizenfasnacht in Luterbach weiterhin florieren kann.
Am Samstag fand ein Jubiläumsanlass statt. Dabei wurde der Fasnachtswagen präsentiert, Kinder konnten Chesslerinstrumente bauen, Raclette wurde serviert und gemütliches Beisammensein war angesagt. Viele Fotos und eine Powerpoint Präsentation von alten Zeiten waren zu sehen, so dass man nochmals richtig in die letzten 30 Jahre eintauchen konnte.

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