Ein Storch klappert von seinem Nest hinunter. Eine Amsel singt ihr Lied im Dickicht. Auf solche Geräusche warteten die «Birdracer» am ersten «Jugend Bird Race» (JBR) der Schweiz. In der Witi in Altreu versuchten verschiedene Teams, in drei Stunden möglichst viele Vogelarten zu zählen. Hörte oder sah eine Gruppe eine Art, so notierte sie sie gleich auf ihrer Liste.

«Es ist schwierig einzuschätzen, wie viele Arten die Teams zählen werden», sagte Theo Walser im Vorfeld. Als Mitglied des Vogelschutzverbandes des Kanton Solothurn (VVS) war er mitverantwortlich für den Anlass, der beim Infozentrum Witi startete.

Bei einem Selbstversuch habe er 41 Arten beobachtet. Die Aussichten für den Nachwuchs sähen nicht schlecht aus: «Ich bin froh, dass es heute nicht windet. Sonst würden sich die Vögel verstecken.»

Walser hat bereits an einem Schweizer «Bird Race» teilgenommen. Der Anlass entspricht dem JBR, einfach in grösserem Rahmen. Am «Bird Race» nehmen Gruppen aus der ganzen Schweiz teil, die während eines ganzen Tages Vögel aufspüren.

Von daher wusste Walser, dass es in der Region einige Vogelbeobachter gibt. «Letzten Herbst waren zwei Solothurner Teams am Schweizer Bird Race dabei», berichtete er. In zwei weiteren Teams seien auch Mitglieder aus Solothurn gewesen.

«In der Region scheint es einige Birdracer zu geben. Wir dachten uns, dass ein Anlass hier gut hinpassen würde», fügte er an. Das bestätigen die Anmeldungen. Elf Teams machten sich auf Vogeljagd.

Der Anlass hatte ihr Interesse geweckt. «Vielleicht packt das Vogelbeobachten den einen oder anderen ja so, wie es mich gepackt hat.» Dann könne man nächsten Herbst womöglich sogar ein Solothurner Jugendteam für das Schweizer «Bird Race»
aufbieten.

Aareufer zieht Vögel an

Die Uferzone war ein beliebter Platz für Vögel und Beobachter, etwa für die Gruppe Mauersegler aus Balsthal. Die Brüder Frederic und Cederic, ihr Kollege Swen und ihr Begleiter Rolf Meyer richteten ihre Ferngläser auf die Baumwipfel entlang des Flusses. Sie diskutierten, welcher Vogel in den Ästen sass.

Die «Angry Birds» aus Selzach bewegten sich in der Nähe des Campingplatzes nahe am Wasser. «Wir haben schon mal Vögel beobachtet, als Hausaufgabe», erzählte Giuliana. Das Team benutzte für ihre Suche einen besonderen Trick: Sie streuten Körner auf den Boden, um Vögel anzulocken.

«Hört ihr die jungen Graureiher?», fragte Anton etwas weiter südlich in der Witi seine Enkelkinder. Sofort konzentrierte sich das Team Wiedehopf aus Aedermannsdorf auf die Schreie, die aus dem Schilf drangen. An diesem Tag begegneten sie nicht nur zahlreichen Vögeln: «Wir haben auch schon sechs Rehe gesehen!», berichtete die neunjährige Valentina.

Dann setzte die Gruppe ihren Streifzug fort. «Eigentlich wäre es gut, an einem Ort zu warten und von dort aus Vögel zu zählen», sagte Pavla, die Begleiterin der «Regenpfeifer» aus Selzach. Aber an diesem Morgen sei es dazu ein wenig zu kalt gewesen. Das Team wanderte bis zum Bettlacher Aareufer. «Gustav ist unser Experte», sagte Pavla. Der Zehnjährige hatte sich zuvor in der Schule mit Vögeln befasst.

«Ich war der Einzige, der an dem Test eine Sechs schrieb!», fügte er stolz hinzu. Experten waren an diesem Tag auch aus dem Schwarzbubenland nach Altreu gereist. Bis zur letzten Minute waren die «ThierSteinAdler» aus Nunningen unterwegs. Nino und Iwan nahmen alle paar Schritte das Fernglas hervor und tauschten ein, zwei Sätze aus. Dann notierten sie eine weitere Art auf ihre Liste.

Jeder wird belohnt

Nach dem Rennen kehrten alle Teams pünktlich zum Infozentrum Witi zurück. Dort begann sogleich reger Austausch unter Experten: «Wie viele Arten habt ihr gezählt?» «Habt ihr eine Blaumeise gesehen?» Schliesslich kam es zur Rangverkündigung.

Zur Erinnerung: Theo Walser sichtete bei einem Selbstversuch 41 Arten. Dieses Resultat wurde vor dem Nachwuchs nicht nur erreicht, sondern auch übertroffen. Team Wiedehopf holte sich den Sieg mit 44 Arten.

Für diese Leistung erhielt die Gruppe eine Siegerurkunde. Schokolade, Gutscheine oder Sackmesser gab es für alle Teilnehmer. Mitnehmen dürften die Teams auch eine grosse Portion Stolz für ihre Artenlisten und für ihr Durchhaltevermögen, das sie am JBR bewiesen.