Wird man einmal in ferner Zukunft diese Beispiele für verdichtete Bauten als Spiegel unserer Zeit wahrnehmen? Einer Zeit, die geprägt ist von Zuwanderung und wirtschaftlichem Optimismus bei gleichzeitigem Willen, den Landverschleiss durch Einzonungen einzudämmen. Und wie wird über diese, unsere Zeit geurteilt werden?

Ein Beispiel ist der Bachacker, das Gebiet beim nördlich der Bahnlinie Solothurn-Oensingen gelegenen Kreisel. Hier wollte schon Lidl bauen, danach die Landi. Der Gemeinderat hat angesichts der Entwicklung im benachbarten Attisholz Süd geschaltet und vor zwei Jahren eine Planungszone über das Areal verhängt. Im Gebiet «Bachacker» sollten keine baulichen Veränderungen vorgenommen werden, die der laufenden Ortsplanungsrevision entgegenstehen. Ziel war es, das kostbare Land nicht nur für Gewerbe, sondern auch für Wohnen zu nutzen.

Bachacker West und Ost

An der gemeinsamen Sitzung des Gemeinderates und der Gemeinderatskommission wurden nun zwei neue Gestaltungspläne, Bachacker West (GB Nr. 2511) und Bachacker Ost (GB Nr. 2611) vorgestellt. Im Westen soll die Grundeigentümerin Landi einen ihrer bekannten Läden hinstellen dürfen. Bald soll es dort aussehen wie bei der Landi in Grenchen. Dazu gehören der Laden, die Tankstelle, ein Tankstellenshop und ein Bistro. Geplant ist auch eine Waschanlage. Die Verkehrsmenge liegt bei geschätzten 1360 Fahrten pro Tag.

Im Osten wird mit dem zweiten Gestaltungsplan eine reine Wohnnutzung definiert. Entstehen soll eine Überbauung, die sich in der Höhe an die nördlich anschliessende Überbauung ausrichtet. Gebaut werden soll bis 22,5 Meter hoch. Angedacht ist an der Kantonsstrasse ein 4-geschossiger Kubus mit Balkonen auf der von der Bahnlinie abgewandten Seite. Damit wird die bestehende Lärmvorbelastung entlang der SBB-Bahnlinie und der Kantonsstrasse berücksichtigt. Auf der anderen Seite des Innenhofes ist ein 7-geschossiger Kubus (inklusive Attika) angedacht. Insgesamt sind 70 Wohneinheiten geplant. Die Dichte zum Ausdruck bringt das Parkkonzept. Neben einer Tiefgarage mit 60 Parkplätzen soll auch im Erdgeschoss in einem grösseren Teil des Innenhof in einer Einstellhalle (30 Parkplätze) parkiert werden können. Der begehbare Innenhof wird damit teilweise auf Höhe Erdgeschoss und auf Höhe 1. Stock, auf dem Dach der Einstellhalle, liegen.

Nutzungstransfer ist erlaubt

Damit im Bachacker viele Wohneinheiten entstehen können, braucht es eine Teilzonenplanänderung von der Zone Gewerbe mit Wohnnutzung zu einer Wohnzone mit speziellen Vorschriften. Dazu gehört eine Gestaltungsplanpflicht. Die neuen Zonenvorschriften der Mischzone «Bachacker» ermöglichen im Rahmen von Gestaltungsplänen einen Nutzungstransport zwischen den beiden Parzellen, der sich jeweils am Bonus bei Gestaltungsplänen von 20 Prozent zu orientieren hat. Der Gemeinderat genehmigte die Vorprojekte der Gestaltungspläne und gab diese damit zur Mitwirkung sowie zur Vorprüfung beim Kanton frei.

Der Gemeinderat genehmigte auch das Vorprojekt des Gestaltungsplans Mattenweg Nord, in Gehdistanz zum Bahnhof. Dies ist ein weiteres Beispiel für verdichtetes Wohnen, aber in einer 2-geschossigen Zone (plus Attika). Mattenweg Nord hat eine exponierte Lage direkt an der Bahnlinie Solothurn-Oensingen. Darauf muss Rücksicht genommen werden bei der Anordnung von lärmempfindlichen Räumen. Laut Gestaltungsplan sind zwei Mehrfamilienhäuser mit 20 Wohnungen sowie eine Reihenhaussiedlung mit 5 Wohneinheiten geplant. Die Parzelle GB Nr. 2522 umfasst insgesamt eine Fläche von 3250 Quadratmeter. Davon ist ein Teilstück im Umfang von 388 Quadratmeter im westlichen Bereich nicht eingezont. Diese Fläche soll arrondiert und der Wohnzone W2 zugewiesen werden. Das Landstück dient als Grünbereich für die Überbauung auf dem Rest der Parzelle. Für die Mehrfamilienhäuser sind insgesamt 25 Abstellplätze und für die Reiheneinfamilienhäuser 10 vorgesehen. Der Investor rechnet nicht damit, dass die Überbauung rasch realisiert wird, und setzt auf eine Zwischennutzung mit Wohnen in Containern. Das sei nicht einfach realisierbar, erklärte Planer Reto Affolter, müssten doch trotzdem sämtliche Vorschriften erfüllt sein.

Steuersenkung in Aussicht

Sehr erfreulich präsentiert sich das vom Gemeinderat verabschiedete Budget 2019. Obwohl an der Sitzung noch ein unerwarteter Aufwandsposten in der Höhe von 45'000 Franken für Verkehrsmassnahmen auf der Nordstrasse auftauchte, ist mit einem Ertragsüberschuss in der Höhe von 85'000 Franken bei einem Gesamtaufwand von 16,792 Mio. Franken zu rechnen. Erfreulich für den Steuerzahler ist, dass das Budget für die 2. Lesung mit einem um drei Punkte tieferen Steuersatz (127 statt 130) gerechnet wurde. «Bitter ist, dass wir wegen hohen Investitionskosten dennoch Schulden machen müssen», erklären Finanzverwalter Reto Frischknecht und Ressortleiter Kurt Hediger unisono. Gemeindepräsident Michael Ochsenbein fand 127 Steuerprozente mutig. Frischknecht hob aber hervor, dass Luterbach in den letzten Jahren positive Rechnungen aufwies. Dazu kommen vom Gemeinderat beschlossene Senkungen der Verbrauchsgebühren. So wird der Kubikmeter Wasser 50 Rappen günstiger und kostet neu 1 Franken. Der Kubikmeter Abwasser wird 70 Rappen billiger und liegt neu bei 1.20 Franken. Und die Abfallgebühr sinkt von 130 auf 115 Franken pro Jahr.