Subingen
Auf Hochglanz geputzt: Simon Stampfli führt einen Reinigungs-Betrieb mit 2000 Mitarbeitern

Es hat nicht viel gefehlt, und Simon Stampfli wäre zum Unternehmer des Jahres gekürt worden. Im bedeutungsträchtigen Wettbewerb der global tätigen Wirtschaftsprüfungsfirma EY Ernst & Young erreichte Simon Stampfli in seiner Kategorie das Finale mit zwei weiteren Unternehmern. Insgesamt war er einer von 14 Finalisten.

Urs Byland
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Im Headcenter im Gewerbegebiet in Subingen hält Simon Stampfli die Zügel der Stampfli AG fest in den Händen.

Im Headcenter im Gewerbegebiet in Subingen hält Simon Stampfli die Zügel der Stampfli AG fest in den Händen.

H. Bärtschi

Das war nicht zu erwarten, denn der 43-jährige Simon Stampfli ist in einer Branche tätig, die wenig Ansehen geniesst. Das Putzen und Reinigen sowie der Unterhalt wird delegiert und in den Randstunden erledigt. Das Reinigungspersonals bleibt meistens diskret im Hintergrund, oder man bekommt es nicht einmal zu sehen.

Dass ein Unternehmer aus dieser Branche zu den glänzenden Beispielen der Wirtschaft gezählt werden will, ist daher ungewöhnlich. Simon Stampfli passiert es auch heute noch öfters, dass das Gegenüber ihn der früheren Firma Stampfli Reinigungen zuordne. Aber das ist Geschichte. Heute heisst die Firma einfach Stampfli AG. «Weil wir mehr anbieten als die Reinigung. Es ist aber relativ schwierig, den neuen Namen ins Bewusstsein der Leute zu rücken.»

Immer noch Familienbetrieb

Simon Stampfli ist seit 23 Jahren im Unternehmen tätig, das sein Vater 1988 gründete. «Ich habe die Firma mitaufgebaut.» Trotz der Grösse der Firma ist Stampfli AG ein Familienbetrieb geblieben. Neben Simon Stampfli arbeiten auch seine Brüder in der Firma. Jeremias Stampfli ist Leiter Finanzen und Noah Stampfli ist im IT-Bereich der Firma tätig. Vor dreieinhalb Jahren hat Simon Stampfli der Firma im Subinger Gewerbegebiet einen neuen Auftritt verpasst. Dazu gehörte der neue Name und die stärkere Vermarktung der angebotenen Dienstleistungen. «Die Reinigung ist das Hauptaktionsgebiet. Aber wir machen viele andere Arbeiten, auf die wir bisher nicht speziell hingewiesen haben.»

Zusammen gefasst wird alles unter dem Begriff Facility Services. Dazu gehören neben dem Reinigen die gesamte Palette von Arbeiten rund um den Unterhalt von Gebäuden: Hauswartung, Umzüge, Reinigung, Entsorgung, Sicherheitsberatung, Wachdienste, Projektmanagement und, und, und. Der neue Auftritt zeigt Wirkung. Die Umsatzzahlen würden nach oben zeigen, wie Stampfli stolz erzählt.

Mitarbeiter aus 71 Nationen

Spricht man mit Simon Stampfli, geht es nicht um die Materialqualität eines Putzlumpens, sondern um Strategie, Anpassung oder Managementabsichten. «Die Strategie des Wachstums und der Expansion wird von der ganzen Firma verfolgt», sagt er. Von der Zentrale in Subingen aus dirigiert Simon Stampfli ein Unternehmen, das diverse Dienstleistungen in der ganzen Schweiz anbietet. Angeboten werden umgerechnet über 600 Vollzeitstellen. «Wir beschäftigen gegen 2000 Menschen aus 71 Nationen.» In Teilzeit arbeiten 1733 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Vollzeit sind es deren 153.

Die Konkurrenz ist gross und hart. Es existieren viele Kleinstunternehmen. «Die Eintrittsbarriere ist tief. Man kann relativ schnell starten. Wer keinen Unternehmergeist entwickelt, bleibt bei seinem Kleinstunternehmen.» Wer aber wachsen will, muss einige Hürden überwinden. Simon Stampfli muss nicht mehr selber reinigen gehen, wie die Kleinstunternehmer. Er ist ein Unternehmer, Geschäftsführer und Manager, der in einer Tiefpreisbranche einen Betrieb mit vielen Mitarbeitenden führt. Trotz eines starken Wachstums könne das Unternehmen die anstehende Arbeit bewältigen. «Wir sind kontinuierlich gewachsen.»

Lob ist in diesem Geschäft rar

Simon Stampfli will künftig die weiteren Dienstleistungen neben der Reinigung stärken. Das ehrenvolle Resultat im Wettbewerb um den Unternehmer des Jahres könnte ihm dabei helfen. Er sei nicht angefragt worden, weil er auch nicht Kunde von Ernst & Young ist, erzählt er. «Mich interessierte der Wettbewerb und zu verlieren hatte ich nichts.» Worauf er eine Bewerbung einreichte, die nach umfangreichen vorgegebenen Kriterien erstellt werden musste. In der ersten Runde wurde er von EY-Mitarbeitern interviewt, die das Material an die unabhängige Jury weiterreichten.

Diese traf eine Auswahl, und besuchte diese Unternehmer ebenfalls. Unter diesen wurden in den vier Kategorien die Finalisten ausgewählt.
Simon Stampfli ist stolz auf die Firma, wie sich diese entwickelt hat. «Vielleicht kann ich so unsere Mitarbeiter etwas ins Rampenlicht bringen.» Denn Lob sei in diesem Business rar. «Unser Geschäft ist halt ein Nebengeschäft, nicht wie beispielsweise das in einem Industriebetrieb oder einer Bank.»

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