Bellach
Auf der Lommiswilerstrasse wird der Rechtsvortritt aufgehoben

Der Gemeinderat Bellach führte eine emotionale Diskussion zum Entscheid des Amtes für Verkehr und Tiefbau, auf der Lommiswilstrasse den Rechtsvortritt aufzuheben.

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Der Rechtsvortritt wird abgeschafft.

Der Rechtsvortritt wird abgeschafft.

Hanspeter Bärtschi

Eisig war die Atmosphäre, als die Vertreter des Strassenbauamtes den Gemeinderatssaal verliessen. Ihr Entscheid, auf der Kantonsstrasse Richtung Lommiswil den bestehenden Rechtsvortritt aufzuheben, trieb einige Gemeinderäte fast zur Weissglut.

Dabei hat es für Daniel Wassmer und Peter Portmann vom Amt für Verkehr und Tiefbau (AVT) zwischendurch nicht schlecht ausgesehen. «Die Analyse von Begegnungen an den Einmündungen auf die Lommiswilerstrasse zeigen, dass bei der Hälfte die geltenden Regeln nicht beachtet werden. Ich bin erschrocken über die Anzahl der Regelbrüche», erklärte Beat Späti (FDP). In Bellach gilt grundsätzlich Rechtsvortritt, aktuell auch noch auf der Lommiswilerstrasse. Das kantonale Amt hat, nach einer bereits längeren Auseinandersetzung mit dem Gemeinderat, eine vertiefte Analyse mit Videoaufnahmen und Messungen durchgeführt und präsentierte die Resultate im Gemeinderat, damit dieser den Entscheid nachvollziehen kann.

Der Gemeinderat hat

- die Vorschläge der Fraktionen für die Legislaturziele gesammelt und einen Antrag der FDP gutgeheissen. Eine Arbeitsgruppe mit Mitgliedern der Fraktionen soll die Ziele bündeln und priorisieren und einen Vorschlag zur Weiterbehandlung ausarbeiten;

- die Arbeiten für die Sanierung der Zivilschutzanlage Kaselfeld vergeben;

- den Antrag, das Stipendienreglement aufzuheben, zur genaueren Abklärung zurückgewiesen;

- ist auf das Traktandum «Vergabe von Feuerwerksbewilligungen» nicht eingetreten;

- hat diverse Mängel im Schulhaus 1 zur Kenntnis genommen und beschlossen, die akuten Mängel zu beheben, aber die ganze Problematik rund um das Schulhaus 1 in einen Bereich der Legislaturziele zu integrieren;

- die Überprüfung der Bushaltestelle auf Behindertentauglichkeit zur Kenntnis genommen. Bauverwalter Jürg Vifian rechnet in einem ersten Massnahmenpaket für die Jahre 2019 bis 2023 mit Ausgaben von 875 000 Franken;

- die Weisungen für den Winterdienst genehmigt;

- die Leistungsvereinbarung mit dem Kinderhaus Momo erneuert und für die Jahre 2019 und 2020 je 115 000 Franken gesprochen. (uby)

Die Messungen des AVT ergaben in der Hälfte der 70 erfassten Begegnungen an den Knoten, dass der Rechtsvortritt nicht gegeben wurde, und es zu diversen gefährlichen Situationen kam. Besonders ein Video, das die Vollbremsung wegen Rechtsvortrittes eines abwärts fahrenden Velos zeigt, ist Beat Späti eingefahren. Aber auch die Situation mit den Kindern, die vortrittsberechtigt auf die Lommiswilstrasse einbiegen wollen, aber vom begegnenden, schnell fahrenden Autofahrer ignoriert werden, lässt erahnen, dass der Rechtsvortritt auf der Lommiswilstrasse die Geschwindigkeiten nicht wie vermutet automatisch dämpft.

«Das Geschwindigkeitsniveau ist eher hoch angesichts des Rechtsvortrittes», so das Fazit von Peter Portmann. Die nackten Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Täglich benutzen etwa 3000 Fahrzeuge die Strasse. Messungen unten und oben auf der nach Lommiswil ansteigenden Strasse zeigen, dass 85 Prozent der Fahrzeuglenker zwischen 48 und 55 kmh schnell unterwegs sind. Beim unteren Messpunkt sind abwärts 35 Prozent und aufwärts 6 Prozent der Lenker zu schnell unterwegs, beim oberen sind 41 Prozent aufwärts und 14 Prozent abwärts zu schnell.

Mit Video registriert wurden 70 Begegnungen, wovon in der Hälfte der Rechtsvortritt nicht gewährleistet wurde. «Diese Häufung ist mit der schlechten Sichtbarkeit zu erklären. Abrupte Bremsmanöver sind die Folge», erklärte Portmann. Und Daniel Wassmer ergänzte: «Mit unsicheren Situationen kann man nicht Sicherheiten schaffen.» Komme es zu einem Unfall, dann sei bei den Fahrzeugen ein Blechschaden zu erwarten. «Aber wirklich gefährlich wird es für die schwächsten Verkehrsteilnehmer.» Rechtsvortritt sei auf der Lommiswilerstrasse die falsche Massnahme.

«Der Unmut ist gross»

Im Gemeinderat war man sich uneins. Felix Glatz-Böni (Grüne) entpuppte sich als Verfechter des Rechtsvortrittes. Er schlug vor, bei den Knoten bessere Sichtbarkeit zu erreichen. Daniel Meier (FDP) ärgerte sich, dass der Gemeinderat nicht mitreden könne und den Entscheid des Kantons einfach hinnehmen müsse, und forderte, dass die Strasse wenigstens mit Fussgängerstreifen bestückt wird. «Der Unmut ist gross», sagte auch Heli Schaffter (SP) und unterstützte die Forderung von Meier nach Fussgängerstreifen. Aber auch hier hatten Wassmer und Portmann kein Gehör: «Entscheidende Kriterien für den Bau eines Fussgängerstreifen sind die Menge der Fahrzeuge und die Menge der querenden Fussgänger sowie die Sichtbarkeit. Hier ist nichts davon gegeben», so Portmann.

Und Wasmer ergänzt: «Fussgängerstreifen wiegen die Kinder in falscher Sicherheit, das zeigen viele Unfälle.» Sie erhielten Unterstützung von Lea Schluep-Stüdeli (FDP): «Meine Kinder laufen besser über die Strasse, wenn es keinen Fussgängerstreifen hat. Dann verlassen sie sich auf ihr Gehör und ihre Augen. Aber die Sichtbarkeit ist ein Problem.» Fazit der Information: der Entscheid des Kantons steht. Im Gemeinderat ist der Ärger deswegen gross. (uby)