«Aus meiner Sicht ist passiert…» – der erste Schritt auf der Friedensbrücke ist einfach. Die beiden nächsten erweisen sich schon als schwieriger: Mit den abschliessenden Stufen «Ich wünsche mir…» und «Ich schlage vor...» soll der Konflikt mit einer konstruktiven Lösung beendet werden.

Dreinreden sowie böse Worte sind dabei tabu. Es gelten die Regeln der Kommunikation: Augenkontakt und ein freundlicher Ton. «Die Friedensbrücke ist ein einfaches Konfliktlösungsmodell», sagt Schulsozialarbeiterin Barbara Wyss im Gerlafinger Lehrerzimmer. Tatsächlich gebe es in der Schulsozialarbeit viele solcher Modelle. Sie alle seien nach demselben Schema des schrittweise Aufeinanderzugehens aufgebaut.

«Als eine Schule mit vielen verschiedenen Kindern ist es umso wichtiger, das Gemeinschaftsgefühl zu fördern», begründet der Gesamtschulleiter Pascal Hunziker den Bau der hölzernen Friedensbrücke auf dem Pausenplatz des Gländ zwei. Die Idee sei vor rund einem Jahr mit der umbaubedingten Umstrukturierung der Schule entstanden, ergänzt Wyss. Zuerst habe man geplant, die Brücke im Werkunterricht mit den Kindern zu bauen. Aus Organisationsgründen wurde dieses Vorhaben jedoch wieder verworfen und die Schulleitung betraute einen Schreiner aus dem Dorf mit dieser Aufgabe.

Unvermeidbarkeit der Konflikte

Zusammen mit einer sechsten Klasse stellte Wyss am 26. Oktober das metaphorische Bauwerk im Rahmen einer Eröffnungsfeier allen 350 Primarschülerinnen und Primarschülern vor. «Eine Gruppe führte zwei fiktive Streitfälle vor, um zu demonstrieren, wie die Konfliktlösung vonstattengeht», sagt die Schulsozialarbeterin. Konflikte seien unumgänglich im Leben, so der Gesamtschulleiter. «Wenn man keine Konflikte hat, hat man nichts miteinander zu tun», lacht er.

Deshalb sei es sinnvoll, so früh wie möglich zu üben, wie man diese friedvoll beilegen könne. Ziel sei, dass die Klassen während ihrer Schulkarriere regelmässig Trainingslektionen zur Streitschlichtung absolvieren sollen, sodass die Friedensbrücke fester Bestandteil der Schulkultur werde. Die Hoffnung, dass es wegen der neuen Brücke in Zukunft weniger Streitereien geben werde, hat Hunziker allerdings nicht.

Dennoch ist er guter Dinge, da dieses Modell auch schon vorher vereinzelt durch Schulsozialarbeiterin Barbara Wyss angewandt worden sei - einfach ohne physisch vorhandene Friedensbrücke. «Die Kinder spielen auf der Brücke, sie sitzend darauf, und ab und zu benutzen sie sie auch», antwortet Wyss auf die Frage, ob das neue Angebot der Friedensschlichtung selbstständig von den Kindern genutzt werde. «Die Friedensbrücke hat einen spielerisch einfachen Platz im Schulalltag der Kinder.»