Auf das riesige Fabrikareal der 2011 geschlossenen Papierfabrik in Biberist kehrt Schritt für Schritt Leben zurück. Nicht nur sind inzwischen rund 15 Prozent der gesamten Nettonutzfläche mit Mietern belegt (siehe Kasten) und die grösste Papiermaschine mit zahlreichen weiteren Anlagen verkauft worden. Jetzt wird das im vergangenen Winter angekündigte Projekt der Hiag Data AG konkret. Die Tochter der Hiag Holding AG – die Basler Arealentwicklerin kaufte 2012 das Grundstück – will spätestens im Sommer 2018 in der ehemaligen Walzenhalle ein Rechenzentrum in Betrieb nehmen.

«Wir sind ursprünglich spezialisiert auf die Entwicklung von Gewerbe- und Industriearealen. Wir bieten unseren Mietern von Flächen sozusagen die analoge Infrastruktur an», erklärt Hiag-Arealentwickler Michele Muccioli auf einem Rundgang durch das Fabrikgelände. Künftig wolle man mit der Tochterfirma Hiag Data AG auch «digitale Infrastrukturen» anbieten. Es sei eine realistische Annahme, dass in wenigen Jahren zur Miete von Büro- oder Gewerbeflächen auch virtuelle Speicher – also Clouds – gehörten. «Das wertet ein Areal massiv auf, ist ein Mehrwert für interessierte Firmen und wird uns helfen bei der Ansiedlung neuer Firmen», glaubt Muccioli.

Nervenzentrum in Biberist

Vereinfacht sieht das Geschäftsmodell so aus: Hiag baut die Infrastruktur für das Rechenzentrum, Hiag Data betreibt das Datacenter. Der Kunde mietet diejenige Rechner- und Speicherleistung, die er jeweils gerade braucht. «Unsere Aufgabe ist es, die Daten in Clouds zu lagern, zu transportieren, zu schützen und zu verbinden», erläutert Hanspeter Tinner, operativer Chef der Hiag Data. Er sieht darin einen grossen Markt, insbesondere wenn es um hochsensible Daten gehe.

Aber das Lagern von Daten in einem Speicher, eben der Cloud, ist heutzutage doch bereits Normalität. Tinner widerspricht nicht. «Aber wir bieten eine durchgängige hohe Sicherheit an.» Man arbeite dazu mit einem privaten, internetunabhängigen Glasfasernetz, welches dereinst die geplanten Hiag-Data-Ankerstandorte Zürich, Menziken, Lugano und eben Biberist verbinde.

«Im Gegensatz zu Clouds, welche über das öffentlich zugängliche Internet funktionieren, ist unser Datenverkehr unsichtbar und damit von aussen nicht angreifbar», sagt Tinner. Hackerangriffe wie beispielsweise jüngst im britischen Gesundheitswesen seien unmöglich. Die Erschliessung der Rechenzentren von aussen erfolge über gemietete Glasfaserkabel.

Ist dort also ein Zugriff von Dritten möglich? Theoretisch schon, so Tinner. Aber da es nur einen Zugangspunkt zum Private Network gebe, könne dieser verlässlich geschützt werden.
In Biberist komme das «Nervenzentrum» der gesamten digitalen Infrastruktur zu stehen.

Der Standort sei sehr zentral gelegen, in der Mitte des «volkswirtschaftlichen Highways» zwischen Genf und Zürich. Hiag Data arbeite nicht direkt mit den Endkunden zusammen, sondern mit IT-Firmen (sogenannte Systemintegratoren), welche für ihre Kunden wie etwa aus dem Gesundheitswesen, der Finanzindustrie oder der Medienbranche Rechner- und Speicherkapazitäten mieten. «Wir sind so gesehen ein klassischer Zulieferer, analog etwa der Zulieferindustrie für die Autobauer», meint Tinner.

Bis zu 20 neue Arbeitsplätze

Noch deutet nichts darauf hin, dass in der Walzenhalle auf dem «Papieri»-Areal dereinst digitale Hightechanlagen laufen werden. Noch ist das Gebäude verstaubt und überstellt mit Walzen und Paletten. Bis spätestens im Sommer 2018 aber sollen hier vorerst 100 Racks (Serverschränke) platziert sein und enorme Datenmengen verarbeiten.

Ein Ausbau der Kapazitäten sei problemlos möglich, versichert Tinner. Die Aussenhülle bleibt unverändert, der Innenbereich wird aber komplett ausgehöhlt. Bereits weiter sind die Arbeiten im Verwaltungsgebäude, wo derzeit Büroräume für den Aufbau eines Testlabors umgebaut werden.

Die Immobilienentwicklerin Hiag lässt sich den Aufbau des Rechenzentrums einiges kosten. «Wir werden in Biberist einen zweistelligen Millionenbetrag investieren», sagt Michele Muccioli. Und Hanspeter Tinner geht davon aus, dass 15 bis 20 neue Arbeitsplätze für den Betrieb und Unterhalt des hochsicheren Datencenters geschaffen werden. «Es wird ein breiter Mix an Fachkräften brauchen, vom Elektriker, Mediamatiker bis hin zum hoch spezialisierten Ingenieur.»