Derendingen
Auf das Bed and Breakfast mit indischem Flair soll ein Take-away folgen

Vier Jahre lang betrieben Regula und Sebi Singh-Steinemann neben dem Restaurant auch das Srignags Guesthouse. Mitte August ist nun Schluss. Das Ehepaar blickt mit Freude auf die Zeit zurück und hat bereits jetzt Pläne für die Zukunft.

Marina Stalder
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Regula und Sebi Singh-Steinemann schliessen ihr Guesthouse.

Regula und Sebi Singh-Steinemann schliessen ihr Guesthouse.

Hanspeter Baertschi

Serie Bed and Breakfast im Dorf nebenan

Oft lautet die Frage bei der Ferienplanung, ob man in der Schweiz bleiben oder doch lieber ins Ausland reisen will. Aber haben Sie sich schon einmal Gedanken über Urlaub im Nachbardorf gemacht? In einer Serie stellen wir Ihnen die «Bed and Breakfasts» in der Region vor und die Menschen, die dahinter stecken. Den Auftakt machte Eva Beck mit ihrem Gästehaus Sonne. Es folgte der Aarhof der Familie Lüthi-Probst in Bellach und das BnB von Gaby Rossmann in Rüttenen. (cnd)

Nachdem sie den ehemaligen Derendinger Bahnhof kauften, mietete sich in der oberen Etage des Hauses eine Organisation für begleitetes Wohnen ein. Nach deren Auszug übernahmen die beiden Restaurantbetreiber die bereits als Einzelzimmer genutzte Infrastruktur selber und so entstand die Idee für ein eigenes Guesthouse mit fünf Zimmern eher zufällig. Zufällig heisst aber nicht, dass die beiden kein Konzept hatten. Sie wollten vor allem die Gastfreundschaft, die sie durch ihr Restaurant bereits zum Ausdruck brachten, auch auf länger anwesende Gäste ausdehnen.

Dauermieter in der Überzahl

Dies war vor vier Jahren, mittlerweile ist viel Zeit verstrichen. Im Verlauf dieser Zeit gingen in ihrem Guesthouse Dutzende unterschiedliche Gäste ein und aus. «Das waren zu Beginn vor allem Velotouristen, die auch die Infrastruktur unseres Restaurants nutzten. Mit der Zeit wurden es aber vermehrt Dauergäste, die einwöchige Weiterbildungen in der Region besuchten oder mehrere Monate bis zu zwei Jahren hierblieben und arbeiteten», sagt Sebi Singh-Steinemann.

Insgesamt war die Vielfalt der Gäste und der Länder, aus denen sie stammten, sehr gross. «Wir hatten Gäste aus Portugal, Spanien, England, Tschechien, Polen und natürlich auch aus der Schweiz. Wir vermieteten aber nicht nur an Arbeiter und Touristen, sondern auch an das Sozialamt, wenn auf die Schnelle eine Wohnungslösung hermusste», erzählt Sebi Singh-Steinemann. So waren die beiden Betreiber schnell nicht mehr auf eine vermittelnde Plattform angewiesen, sondern konnten durch den direkten Kontakt mit Arbeitgebern aus der Region oder dem Sozialamt ihre Zimmer stets besetzen.

Mit der wechselnden Klientel wurde zwar der Aufwand kleiner, die Harmonisierung mit dem Restaurant wurde aber zunehmend schwieriger. «Viele Gäste kamen nie in unser Restaurant essen und dann gab es auch einige, die nur in Unterwäsche rumliefen, das war uns schon unangenehm. Einmal mussten wir sogar ein Zimmer renovieren, weil alles so schmutzig und kaputt hinterlassen wurde, das ist halt nicht so toll», erzählt Regula Singh-Steinemann.

Nun ist Schluss

Die schlechten Erfahrungen seien aber nicht der Hauptgrund, wieso das Srignags Guesthouse nun am 15. August schliessen wird. Die beiden beschwichtigen. «Wir hatten auch viele tolle Erlebnisse und haben interessante Leute kennen gelernt.» Da war zum Beispiel eine Schweizer Familie, die in diesen vier Jahren dreimal vorbeikam. «Nach Derendingen zu kommen bedeutete für ihre Kinder Ferien.»

Das Ehepaar Singh-Steinemann hat vielmehr neue Pläne, die die Schliessung erfordern. Sie werden in Kürze ein Take-away eröffnen und selber in die Zimmer ihres Guesthouses ziehen, damit sie die Synergien zusammenlegen können. Denn nebst dem Restaurant und dem Guesthouse arbeiten die beiden als Caterer und führen immer wieder Kochkurse und andere Veranstaltungen durch.

«Ein Bed and Breakfast würden wir jederzeit wieder führen. Es bereitet viel Freude, wenn man alles miteinander harmonisieren kann und auch gerne putzt», lacht Regula Singh-Steinemann. «Das nächste Mal würden wir das Guesthouse aber an einem anderen Ort und nicht oberhalb des Restaurants führen.» Denn die Übereinkunft von Restaurant- und Guesthouseklientel sei eine Herausforderung, die, wie sich gezeigt habe, nur schwer zu meistern ist. «Deshalb würden wir versuchen, die Zimmer an Gäste zu vergeben, die während ihres Aufenthalts auch unsere sonstige Infrastruktur nutzen.»