«Wir können nicht früh genug anfangen, die Eltern über unsere Bildungslandschaft zu informieren», betonte Thomas Jenni. Er leitet das Berufsmarketing des kantonalen Gewerbeverbandes und referierte am Behördenseminar über das Bildungssystem. Viele Eltern kennen das Bildungssystem nämlich zu wenig gut, selbst wenn sie ihre Ausbildung in der Schweiz absolviert hätten.

Deshalb sei es wichtig, die Eltern bereits zu informieren, wenn ihre Kinder noch die Primarschule besuchen. So könne man Druck abbauen und aufzeigen, wie durchlässig und offen das Bildungssystem ist. «Auch jemand aus einer tieferen schulischen Stufe kann zu Höhenflügen ansetzen», so Jenni. Immer wieder gebe es Beispiele, in denen an die EBA-Ausbildung (zweijährige Ausbildung) auch noch die Berufsprüfung und andere Weiterbildungen angeschlossen werde. Gerade dafür gebe es in unserem System nämlich viele Anreize – «kein Abschluss ohne Anschluss», laute dabei die Devise, so Jenni. Und: «Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.»

Und schliesslich sei die Sek P auch bei sehr guten Leistungen nicht immer die optimale Lösung. Wenn klar wird, dass der oder die Jugendliche eher eine Berufslehre anstreben möchte, als den akademischen Weg einzuschlagen, dann kann die Einstufung in die Sek E eine grosse Chance sein. Und verloren sei dank der Durchlässigkeit sowieso nichts, beispielsweise weil man aus der dritten Sek E bei entsprechenden Leistungen immer noch prüfungsfrei ans Gymnasium wechseln kann.

Dass die Eltern früh ins Boot zu holen seien, das betonte auch Andreas von Felten, Koordinator Übertritt und Schulleiter der Kreisschule Halten/Oekingen/Kriegstetten. Bereits die Eltern der Primarschüler werden über die Durchlässigkeit informiert. «Man kann problemlos auch aus der Sek B einen sehr guten Weg einschlagen», so von Felten. Alle Türen stehen offen.

Stellen zu früh ausgeschrieben

Aber nicht nur Eltern, sondern auch Lehrbetriebe und Berufsbildner müssen laut Jenni informiert werden. «Viel zu viele Betriebe schreiben ihre Stellen zu früh aus, wenn die angehenden Lernenden erst in der achten Klasse sind», so seine Beobachtung. Das Bewerben stehe aber erst in der neunten Klasse auf dem Programm. In der achten Klasse gehe es darum, die Berufswelt zu erkunden. So komme es dazu, dass sich Jugendliche zu früh bewerben müssen, weil Firmen ihre Stellen zu früh ausschreiben.

Auch die Schulleiter der Oberstufe Wasseramt Ost (OWO), Adrian van der Floe (OZ DeLu) und Stefan Flückiger (OZ 13) verdeutlichten, dass das Thema Berufsorientierung in der Schule eine grosse Bedeutung habe. Dies reiche von wählbaren Profilfächern und Projektarbeit über Schnupperwochen, Betriebsbesichtigungen und diverse Lehrstellenmessen bis hin zum Projekt Lift und Berufsorientierungsunterricht. Wichtigste Partner der Jugendlichen seien aber dennoch – und das erklärte auch Thomas Jenni – die Eltern. «Obwohl die Schule einen riesigen Anteil leistet, tragen die Eltern die Hauptverantwortung, und zwar bis das Lehrverhältnis abgeschlossen ist», so Jenni.

Denkanstösse lieferte Markus Neuenschwander, Leiter des Zentrums Lernen und Sozialisation der Fachhochschule Nordwestschweiz. Er präsentierte Erkenntnisse aus der Bildungsforschung und regte spannende Diskussionen an, indem er darauf hinwies, dass die bei uns stattfindende Selektion im internationalen Vergleich rückständig sei. Durch die Gliederung in Niveaus entstünden Chancengleichheitsprobleme, dies auch im Vergleich mit Nachbarkantonen. Seine Vision besteht deshalb vielmehr in einer modularen Wahl von Leistungskursen, welche die herkömmliche Stufeneinteilung ersetzen sollte.

Die verschiedenen Inputs führten zu angeregten Diskussionen beim Apéro. Matthias Pfeiffer, Schulleiter der Primarschule Derendingen, freute sich, dass das Interesse am Behördenseminar jedes Jahr sehr gross ist und auch dieses Mal wieder rund 60 Personen anwesend waren. Der Austausch finde statt und das sei auch wichtig. «Wir als Schulleitende wollen in Begegnung bleiben mit Behördenmitgliedern, denn nur wenn man einander kennt, kann man auch miteinander Schule entwickeln», so Pfeiffer.