Luterbach
Auch andere Kantone buhlten um Biogen

Welche Kantone ausser Solothurn um die Ansiedlung von Biogen kämpften, gibt das Unternehmen nicht bekannt. Drei Kantone haben sich nun aber geoutet.

Franz Schaible
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Biogen entscheidet sich für Luterbach.
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«Südostschweiz» berichtet über Biogen
Artikel über Biogen der «Neuen Luzerner Zeitung»

Biogen entscheidet sich für Luterbach.

zvg

«Die Steuern waren nicht der Grund» und «An einer Milliarde vorbeigeschrammt» – so titelten am Donnerstag die Tageszeitungen «Neue Luzerner Zeitung» und die «Südostschweiz». In beiden Fällen geht es um die Ansiedlung des US-amerikanischen Biotechkonzerns Biogen in Luterbach.

Die Zeitungen haben nachgefragt, warum Biogen nicht in ihrer Region, sondern im Solothurnischen ein Produktionswerk mit 400 Arbeitsplätzen bauen und dafür eine Milliarde Franken investieren will. Die Antworten der entsprechenden Wirtschaftsförderungsstellen sind aufschlussreich – auch für den Wirtschaftsstandort Solothurn.

Steuerlast nicht entscheidend

Im Fall von Zug und Luzern geht klar hervor, dass die Steuerbelastung keine Rolle spielte. Nirgends in der Schweiz ist die Unternehmensbesteuerung so tief wie im Luzernischen, der Kanton Zug liegt nur knapp dahinter. Der Kanton Solothurn liegt bei diesem Standortindikator auf dem viertletzten Platz. Dazu passt, dass nach übereinstimmenden Aussagen von Biogen und dem Kanton Solothurn keine «steuerliche Spezialwurst» ausgehandelt wurde, die über das übliche Ausmass bei Neuansiedlungen hinausgeht (wir berichteten).

Hinzu kommt, dass Zug einen einzigartigen Trumpf ausspielen konnte. In Zug ist nämlich der Hauptsitz von Biogen International (zuständig für alle Geschäfte ausserhalb den USA) und die Ländergesellschaft Biogen Switzerland mit knapp 400 Arbeitsplätzen angesiedelt.

Was in beiden Kantonen fehlt, war ein fertig erschlossenes Industrieareal von 22 Hektaren. «Wir konnten leider kein Areal, das innert der erhofften Zeit erschlossen werden kann, anbieten», wird der Zuger Volkswirtschaftsdirektor Matthias Michel zitiert.

Kein Land, keine Ansiedlung

Auch im Kanton Graubünden trauert man der gescheiterten Ansiedlung von Biogen nach, weil man offenbar gut im Rennen lag. «Wir konnten uns in der Rangliste ganz vorn klassieren», sagt in der «Südostschweiz» Eugen Arpagus, Leiter des Bündner Amtes für Wirtschaft und Tourismus. Der Milliardendeal sei vor allem deshalb gescheitert, weil auf dem Arbeitsmarkt Graubünden nicht genügend qualifizierte Berufskräfte vorhanden seien oder ausgebildet würden. Wie für Luzerner und Zuger ist auch für Arpagus klar, dass «für eine erfolgreiche Ansiedlung ein genügend grosses Angebot von Industrie- und Gewerbeland vorhanden sein muss».

So gesehen bewies der Kanton Solothurn bereits 2010 und 2011 eine gute Nase, als er etappenweise 35 Hektaren des Borregaard-Areals kaufte. Dabei wurden zwei grosse Baufelder für Grossprojekte reserviert. «So sind wir bereit, wenn ein internationales Unternehmen einen Standort in der Schweiz sucht», sagte im Januar 2013 an einer Präsentation der Areal-Umnutzungspläne der damalige Baudirektor Walter Straumann. Wie nah er damit der Realität war, konnte er nicht ahnen.

Ordnungshalber sei erwähnt, warum sich Biogen offiziell für die Schweiz respektive Solothurn entschieden hat. «Kriterien waren stabile und wirtschaftsfreundliche Rahmenbedingungen, eine gute Infrastruktur und Zugang zu gut ausgebildeten Arbeitskräften. Und Luterbach deshalb, weil wir hier ein sehr gut geeignetes und genügend grosses Grundstück gefunden haben», erklärte Biogen-Schweiz-Chefin Natascha Schill im Interview mit dieser Zeitung.