Deitingen

Asylzentrum im Schachen: Zünftler sehen ihr Refugium gefährdet

Hier soll das Asylzentrum gebaut werden. Das Gelände liegt nicht weit entfernte vom Deitinger Schachenquartier. Dort regt sich Opposition.

Hier soll das Asylzentrum gebaut werden. Das Gelände liegt nicht weit entfernte vom Deitinger Schachenquartier. Dort regt sich Opposition.

Die Schachenzunft wehrt sich gegen das in Deitingen geplante kantonale Asylzentrum. Die Zünftler sehen ihre Idylle gefährdet und befürchten diverse Konflikte.

Es ist ein beliebter Platz zum Grillieren: das grosse Weinfass mit dem Brunnen im Deitinger Schachenwald. Gepflegt wird der lauschige Ort an der Aare von der Schachenzunft Deitingen. Alle drei Jahre findet das Schachenfest statt. Für die Zunft ist der Platz um das Fass das «Herzstück» ihrer Aktivitäten. Nun sehen sie ihre Idylle durch das geplante kantonale Asylzentrum gefährdet.

«Der Schachen ist für die Deitinger ein Naherholungsgebiet und seit bald 40 Jahren ein Refugium der Schachenzunft.» Das Fass sei nur 700 Meter von der Unterkunft entfernt. «Für uns ist es wichtig, dass der Platz erhalten bleibt», sagt Zunft-Präsident Roger Bürgy. Zusammen mit 18 Mitgliedern bildet er die Schachenzunft. Alle wohnen im Gebiet nördlich des Ortskerns oder sind dort aufgewachsen.

In einer öffentlichen Stellungnahme listen die Zünftler Argumente gegen das Bauvorhaben des Kantons auf. Das Zentrum könne der Gemeinde Deitingen mit 2200 Einwohnern nicht zugemutet werden. Problematisch sei die Grösse der Anlage. Ein Durchgangszentrum mit anschliessender Verteilung der Asylbewerber erfordere stets von Neuem die Eingliederung der ankommenden Menschen. Kritisiert wird zudem der geringe Einfluss der Gemeinde Deitingen. Das Gebiet gehört politisch zur Gemeinde Flumenthal, diese sei für Bewilligungsverfahren zuständig.

Mehrere Gruppen opponieren

Bereits Anfang Juni hatte eine Interessensgemeinschaft aus Deitingen eine Unterschriftensammlung gegen das Asylzentrum lanciert. Eine anonyme Gruppe namens Pro Deitingen hatte zudem im Internet scharf gegen die Anlage geschossen. Das löste auf der Gegenseite Unmut aus. Diese Aktivitäten wurden mittlerweile eingestellt.

Die Mitglieder der IG sind mehrheitlich «Schächeler». Die IG selbst ist laut Bürgy aber unabhängig von der Schachenzunft. Die Aktionen gegen das Zentrum würden nicht koordiniert.

Konfliktpotenzial sieht die Zunft, die seit 1976 aktiv ist, bei den beiden Autobahnrastplätzen. Am Rastplatz Deitingen Nord, der neben dem geplanten Zentrum liegt, werde es zu Ansammlungen von Flüchtlingen kommen. Eine mögliche Konsequenz sei, dass die Rastplätze durch die Betreiber abgeriegelt werden und der Zugang für Deitinger nicht mehr gewährleistet sei. Erwartet wird ein vermehrter Einsatz von Polizei, Feuerwehr und Ambulanz sowie ein Aufkommen «rechtspopulistischer Kreise». Ausserdem könne die attraktive Wohnlage des Schachens leiden. «Dies würde sich auf die Immobilienpreise auswirken.» Man nehme gerne Asylbewerber im Dorf auf, hält die Zunft fest. Aufgrund der sich abzeichnenden Konflikte lehne man jedoch das Asylzentrum im Schachen ab.

«Entwicklung genau beobachten»

Weiteres Konfliktpotenzial sehen die Zünftler zwischen Asylsuchenden und Fahrenden, die sich demnächst im Schachen niederlassen sollen. Auch die Justizvollzugsanstalt selbst könne zum möglichen «Brennpunkt» werden. Die Zunft listet weiter den Modellflugplatz, den Militärübungsplatz, den Golfplatz Wylihof, den Bahnhof Deitingen und das Dorfzentrum als «Anziehungspunkte» oder Orte auf, an denen es Spannungen geben könne. Wie berechtigt all diese Befürchtungen sind, lässt sich derzeit nicht beantworten.

Man werde die Entwicklung beobachten und konkrete Forderungen an den Kanton und die Gemeinden Deitingen und Flumenthal stellen, hält die Zunft fest. «Zuerst wollen wir den Informationsanlass am 29. Juni abwarten», sagt der Präsident. «Wir wollen wissen, was geplant ist und welche Flüchtlinge kommen.»

Was, wenn sich die Asylsuchenden auf dem Platz beim Fass aufhalten werden? Die Leute können sich grundsätzlich frei bewegen. «Wenn dies in geordneten Verhältnissen geschieht, haben wir nichts dagegen», sagt Roger Bürgy.

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