Balm bei Günsberg
Asylunterkunft im Kurhaus läuft besser als erwartet

Die Gemeinde Balm bei Günsberg betreut auf dem Balmberg Asylsuchende aus dem Kanton Solothurn. Es laufe gut, hiess es an der Gemeindeversammlung.

Gundi Klemm
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Die Gemeindeversammlung in Balm bei Günsberg war themenreich

Die Gemeindeversammlung in Balm bei Günsberg war themenreich

Hanspeter Bärtschi

«Wir waren in grosser Bedrängnis, als die Flüchtlingszahlen derart hochschnellten», berichtete Claudia Hänzi, Chefin des Kantonalamtes für Soziale Sicherheit. Nachdem im letzten Jahr 1'411 Asylsuchende dem Kanton zur Betreuung zugewiesen wurden, mussten die vorhandenen 300 Plätze in Kürze auf 700 aufgestockt werden. Seit Dezember ist deshalb das Kurhaus in Betrieb und beherbergt vor allem Frauen und Familien mit Kindern sowie Einzelpersonen beiderlei Geschlechts. Im Juli wird in Nutzung aller Stockwerke die volle Kapazität für 100 Schutzsuchende erreicht.

Obwohl der Zustrom gegenwärtig aus mehreren Gründen rückläufig sei, könne keine wirklich aussagefähige Prognose über die weitere Entwicklung abgegeben werden, unterstrich Hänzi. Gleichzeitig sind seit langer Zeit im ehemaligen Gewerkschaftsferienheim auf dem Balmberg männliche Asylbewerber untergebracht, die keine Schutzgründe geltend machen können und die ausreisen müssten, wenn ihre Heimatländer sie wieder aufnehmen würden. «Dies ist eine ganz andere Klientel als im Kurhaus», so Hänzi.

Ein täglich deutliches Bild beider Häuser vor Augen hat der auf dem Balmberg wohnende Landwirt Toni Niederberger, der in der Versammlung auf nicht legale Vorgänge im Heim verwies und mehr Einbindung der Kurhausbewohner in die täglichen Arbeiten anregte, grundsätzlich aber unterstrich: «Hier klappt es gut».

Claudia Hänzi stellte mögliche Alternativen zur Unterbringung der Ferienheim-Bewohnerschaft vor und sah in einer Unterbringung im vorgesehenen Ausreise-Bundeszentrum im Deitinger Schachen eine realistische Möglichkeit. «Wir tragen diese Last schon lange», sprach sich Gemeinderat Christoph Siegel für eine baldige Ablösung aus. Hänzi dankte der Gemeinde Balm für die Geduld und das am Tag der Offenen Tür im Kurhaus gezeigte Verständnis. «Aller Anfang für ein friedliches Zusammenleben ist Begegnung», bekräftigte sie.

Besuchstag in der Asylunterkunft auf dem Balmberg: Die Besucher waren sehr interessiert, und so mancher verliess den Ort nachdenklich.
29 Bilder
Die Asylsuchenden servieren tibetische Spezialitäten.
Die jungen Tibeter bewirten die Gäste.
Claudia Hänzi, Chefin des kantonalen Amt für soziale Sicherheit, überbringt «handglismeti» Socken.
Besucher und Bewohner
Manchmal ist es schwierig hier oben.
Kleine Gwundernase
Die vielen fremden Gesichter sind dem Kind nicht geheuer.
Spielen und zeichnen mit den Kindern.
Zeichnen mit den Kindern.
Berge an Spielsachen sind durch die Spendenaktion der Gemeinden Balm und Günsberg zusammengekommen.
Grosse Freude über die gespendeten Spielsachen.
Was da wohl alles versteckt ist? Ein Karton mit gespendeten Plüschtieren
Die Freude ist gross
Ein Plüschtierchen hatte dieses Mädchen wohl schon lange nicht mehr.
Blick in eine ungewisse Zukunft...
Blicke nach draussen in den Schnee...
Die Kleinsten versuchen sich am Töggelikasten.
Warten auf Nachrichten aus der Heimat.
Der Schlafsaal für acht kinderreiche Familien.
Zehn Familien wohnen im ersten Stock auf engstem Raum.
Beengte Verhältnisse für die jungen Familien.
Rucksack eines Hilfswerks: Erinnerung an die Flucht.
Besuchstag in der Asylunterkunft auf dem Balmberg
Vorbereitung: Gleich geht's in den Schnee.
Den Besuchern öffnen sich Türen in eine andere Welt.
Vor kurzem noch auf der Flucht: Auch die Kleinsten haben grosse Strapazen hinter sich.

Besuchstag in der Asylunterkunft auf dem Balmberg: Die Besucher waren sehr interessiert, und so mancher verliess den Ort nachdenklich.

Michel Lüthi

Besser als erwartet

Finanzverwalterin Annette Feller erläuterte alle wichtigen Positionen im Jahresabschluss 2015. Die auf 916'000 Franken lautende Laufende Rechnung ergab mit ordentlichen und zusätzlichen Abschreibungen von rund 86'000 Franken ein besseres Bild als budgetiert. Den resultierenden Ertragsüberschuss von 3'700 Franken übertrug die Versammlung (10 Prozent der 191-köpfigen Balmer Bevölkerung waren anwesend) auf das Eigenkapital. Erfreulich ist hier die Vermögenszunahme auf 852 Franken pro Einwohner, womit gegenüber Vorjahren eine markante Steigerung ersichtlich ist.

Diskutiert wurde kurz die erfolgte Anstellung eines externen Bauverwalters, der etwas mehr kostet als die bisherige Baukommission. «Wir brauchen seine fachliche Kompetenz und vor allem die Rechtssicherheit», begründete Gemeindevizepräsident Sascha Valli dieses Mandat.

Gemeindepräsidentin Pascale Von Roll verwies darauf, dass viele behördliche Aufgaben in der Gemeinde ohne externen Hilfe bewältigt werden – und dies ohne Zusatzkosten. Wie überall beansprucht das Bildungswesen mehr als ein Drittel des Haushalts. Investiert wurden netto 39'000 Franken, wobei die Gemeindepräsidentin ihre Genugtuung über die rechtzeitige Sanierung der alten Balmbergstrasse mit Blick auf den aktuellen Dauerregen unterstrich.

Grosses Projekte

Die sieben Gemeinden umfassende Gemeinschaftswasserversorgung Unterer Leberberg GWUL ist zu Umlegungen ihrer Wasserleitungen vom Pumpwerk Luterbach Richtung Berggemeinden genötigt, weil diese Werke tangiert sind von der Grossbaustelle Biogen in Attisholz-Süd.

Christoph Siegel stellte das Vorhaben, das neben allen baulichen Massnahmen eine finanzielle Regelung zwischen dem Kanton und der GWUL beinhaltet, ausführlich vor. «Wir erhalten im dortigen Gebiet dann neue, gut dimensionierte Leitungen.» Die finanziellen Lasten verteilen sich auf 2.6 Mio. für den Kanton und 908'500 Franken für die GWUL. Gemäss Aufteilung nach Einwohnerschlüssel sind dies 17'068 Franken für Balm. «Diese Summe bezahlen wir und schreiben sie sofort ab», so ein Anwesender.

In Beantwortung eines Auftrags der letzten Gemeindeversammlung legte Siegel eine detaillierte Studie zur möglichen Wiedernutzung der Quellfassung Oberer Balmberg vor. Der Initiant hatte seinerzeit bemängelt, dass die Gemeinde GWUL-Wasser beziehe und die eigene Quelle auf dem Balmberg nicht nutze. Die Expertise ergab, dass der Wasserausstoss der unter dem Skilift befindlichen Quelle im Jahresverlauf äusserst unregelmässig ist und im Sommer sogar auszutrocknen droht.

Eine Wiederinbetriebnahme würde in Erneuerung aller technischen Einrichtungen mehr als eine halbe Million kosten. Zudem sei damit auch die Frage einer gesetzlich vorgeschriebenen Schutzzone nicht geklärt. «Wir wollen uns nicht in weitere Abenteuer stürzen», unterstützte die Versammlung einhellig.

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