Es ist, als hätte dieser Anlass dem Bucheggberg noch gefehlt. Rund um die Mehrzweckhalle Eyacker in Lüterkofen-Ichertswil waren Parkplätze und gar Wiesen mit Fahrzeugen überstellt. Zum Eingang schritt das festlich gekleidete Publikum über einen roten Teppich. Stehtische mit weissen Tüchern lockten bereits für den Schmaus nach der Veranstaltung. Eingeladen hatte die Spar- und Leihkasse Bucheggberg (SLB) zu ihrem ersten Wirtschaftsforum.

Die Bucheggbergerinnen und Bucheggberger und nicht wenige «Fremde», darunter Kantonsratspräsident Ernst Zingg oder Derendingens Gemeindepräsident Kuno Tschumi, folgten der Einladung. Beinahe 400 Personen wollten sich die Show um das liebe Geld nicht entgehen lassen, lockten doch mit Sascha Ruefer ein beliebter Fernsehmoderator aus der Region und mit Klaus W. Wellershoff eine Wirtschafts-Koryphäe.

Wahre Freunde

Sascha Ruefer und SLB-Bankdirektor Thomas Vogt sind wahre Freunde und haben beispielsweise gemeinsam die erfolgreichen Grenchner Zeiten des Uhrencups geprägt. So war auch am Wirtschaftsforum «mehr» zu erwarten als Business as usual. Ruefer erfuhr von Vogt, dass dieser Ende Jahr keinen Bonus zu erwarten hat. Aus dem einfachen Grund, weil die Bank grundsätzlich keine Boni verteilt, was in den Zentren der Finanzwelt nur zu grossen, ungläubigen Blicken führen würde: «Die Banker dort können sich das gar nicht mehr vorstellen», so Thomas Vogt. Ruefer brachte Vogt auch dazu, seine Schwäche für Regierungsrätin Esther Gassler zu outen. 

Die kantonale Wirtschaftsministerin beleuchtete, anfangs mit geröteten Wangen – wegen der schmeichelnden Worte Vogts und Ruefers – die wirtschaftliche Lage des Kantons. Kurz und prägnant wies sie auf die Faktoren im Umfeld hin, die sich in ihren Worten eher düster präsentieren. Stichworte wie grenzüberschreitende Wirtschaft, Export, Euro, Flüchtlingsströme oder labile Wirtschaften der Schwellenländer fallen. Dennoch sei sie zuversichtlich wegen eines aufnahmefähigen Arbeitsmarktes, tiefer Arbeitslosigkeit und innovativer Solothurner Unternehmen. Klar sei für sie, dass die Währung stark bleibe und die Wirtschaft nur Erfolg habe, wenn ständig die Nischen gesucht werden und die Produkte eine hohe Qualität aufweisen würden.

Kein Rauswurf aus dem Saal

Klaus W. Wellershoff ist nicht nur der Prototyp eines eingeschweizerten Deutschen, den jede Schwiegermutter gerne vorzeigen würde. Er ist auch brillanter Redner und Wirtschaftstheoretiker. Die Kombination davon sowie sein von ihm hervorgestrichenes Querdenkertum reichen allemal, ein Publikum zu faszinieren. Zudem warnte er immer wieder, dass seine nächste Aussage die Zuhörenden dazu verleiten werde, ihn aus dem Saal zu schmeissen.

So weit kam es Gott sei Dank nicht. Im Gegenteil. Immer wieder waren nach Feststellungen Wellershoffs zustimmende Seufzer vornehmlich von Frauen in den Reihen zu hören. Entweder liessen sie sich blenden vom gut aussehenden Wellershoff oder hatten eine Ahnung von Finanzen – oder es traf gar beides zu.

Mit aktuellen Diagrammen und Tabellen zeigte Klaus W. Wellershoff auf, dass der Franken beinahe zwangsläufig sich wieder der Kaufkraft des Euros annähern muss, also an Stärke verlieren wird. Das Pendel sei mit der Aufgabe der Frankenstützung durch die Schweizerische Nationalbank gar heftig auf die eine Seite ausgeschlagen. Eine Gegenbewegung müsse erfolgen, wir seien mittendrin. Der Referent prophezeite schliesslich gar ein Überschwappen über den Trendkurs von 1.20 auf 1.30 bis 1.40 Franken für einen Euro.

«Uns geht es gut»

Wellershoff zeigte sich bewusst positiv eingestellt. «Uns geht es gut.» Das Gerede von der Inflation belaste ihn nicht. «Soll es mir schlechter gehen, wenn ich billiger einkaufen kann?» Einige wenige würden leiden, «aber uns allen geht es besser». Dennoch erwarte er einen rapiden Anstieg der Inflation im ersten Halbjahr 2016, sobald ähnliche Preise im Jahresvergleich konkurrieren.

Die Bauindustrie werde darben, weil die nicht mehr wachsende Zuwanderung nicht im gleichen Masse wie in den letzten Jahren für eine Nachfrage an Wohnbauten sorgen könne. Sein Wirtschaftsausblick für die Schweiz in den nächsten zwei, drei Jahren sei grundsätzlich positiv. Die Konjunktur sollte der Schweiz helfen über den Aufwertungsschock des Franken hinwegzukommen.