Er überraschte alle, Speaker, Fotografen und Zuschauer. Zwei Minuten bevor man den ersten Läufer erwartet hätte, stürmte Adrian Lehmann durchs Ziel des Abendlaufs und nur wenig später folgte ihm mit Fabian Kuert der nächste Langenthaler dicht auf den Fersen. «Ich hörte ihn das ganze Rennen hinter mir», hatte Lehmann im Zielraum eine gute Erklärung für sein rasantes Rennen. «Etwa beim Kilometer sieben konnte ich ein paar Meter absetzen, aber es gelang mir nie, ihn abzuhängen.»

Die noch etwas ungewohnte Sommerhitze brachte die Teilnehmer mächtig ins Schwitzen. «Aber wir sitzen alle im gleichen Boot», meinte die Oltnerin Arlette Maurer, die schnellste Frau des Abends. «Ich hatte Mühe, es war ein Temperaturschock, der das Rennen erschwerte. Umso mehr freue ich mich jetzt, dass ich gewonnen habe.»

Derendingen statt Rio de Janeiro

Trotzdem gab es eine Art Streckenrekord: Adrian Lehmann gewann mit einer sensationell guten Zeit von 31 Minuten und 56 Sekunden. Aber weil die Strecke leicht geändert werden musste, ist der direkte Vergleich mit den Resultaten der vergangenen Jahre nicht möglich. Dass er, der frischgebackene Schweizer Meister über 10'000 Meter, den Derendinger Abendlauf gewann, das war weniger eine Überraschung als seine Teilnahme an sich. Warum startet ein Läufer mit hohen Zielen an einem Hobbyrennen? «Ich habe den Derendinger Abendlauf nicht fix im Kalender. Aber statt alleine zu trainieren ist es viel motivierender mit einer Startnummer auf dem Bauch zu laufen, wenn man Gegner wie Fabian Kuert hat, die einen jagen.»

Auf die Erfüllung seines Kindheitstraums muss Lehmann noch vier Jahre warten. Er konnte sich nicht für die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro qualifizieren, obwohl er den Marathon schon in zwei Stunden und 15 Minuten gelaufen ist. Jetzt ist Tokio 2020 sein grosses Ziel. Er ist gerade erst aus einem vierwöchigen Trainingslager in St. Moritz zurück. «Wir hatten sogar einmal Schnee», erklärt er, «der Temperaturschock war gross, aber gerade deshalb habe ich mich kurzfristig für den Derendinger Abendlauf angemeldet. In zwei Wochen stehen die Europameisterschaften in Amsterdam auf seinem Programm. Dort könnte es heiss werden und das wollte ich hier simulieren.»

Der Plausch stand im Zentrum

Das Ziel der Organisatoren ist es, möglichst viele Kinder und Jugendliche für den Laufsport zu begeistern. Deshalb zählt der Derendinger Abendlauf auch für Rönners Team Trophy den Rönners Kids Cup 2016. Der Gruppenwettbewerb, der vom FC Subingen vor der Jugi Luterbach und der Schule Horriwil gewonnen wurde, zählt ebenfalls diesen motivierenden Aktionen.

Der Abendlauf durfte auch schon 800 Teilnehmer vermelden, aber vermutlich hielt die plötzlich eingetroffene Sommerhitze nach dem sonst so kühlen Frühling viele Läufer von einem Start ab. Diesmal starteten 551 Personen. Genaugenommen 551,5, denn unter der Startnummer 701k war ein dicker Bauch nicht zu verstecken. Der Abendlauf wurde so fast zu einer Episode «Two and a half Women» mit der coolen Tante Stefanie... «Ich bin die kurze Strecke zusammen mit meiner Schwester marschiert, weil das Rennen schwierig geworden ist», sagte Karin Bosshard, die ihr Baby im August bekommen wird.

Dann ging es ins Derendinger Dorfzentrum zum freundschaftlichen Zusammensein. Der nächste Derendinger Abendlauf ist bereits wieder auf den letzten Freitag im Juni programmiert. Allerdings könnte der wegen Bauarbeiten im Dorf (Entstehung des neuen Dorfzentrums) und an der Emme (Hochwasserschutz) deutlich anders aussehen.