Deitingen
Ärger wegen vorgezogener Reglements-Änderung

Die geplante Änderung des Zonenreglements in Deitingen erfolgt einzig wegen einer Baute. Anstösser wehren sich.

Urs Byland
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Auf der Parzelle Nummer 350 in Deitingen stehen noch die Profile eines früheren Projekts, das nicht realisiert wurde.

Auf der Parzelle Nummer 350 in Deitingen stehen noch die Profile eines früheren Projekts, das nicht realisiert wurde.

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Der Gemeinderat informierte kürzlich zu den fünf Einsprachen gegen die Änderungen des Zonenreglements. Die Einsprecher würden befürchten, so der Gemeinderat, dass mit der Möglichkeit der inneren Verdichtung von bestehenden Bauparzellen die Lebensqualität in Deitingen vermindert wird.

Ein Einsprecher, der nicht namentlich erwähnt werden will, ist mit dieser Sichtweise nicht einverstanden. «Wir wehren uns gegen missbräuchliches Verhalten von Grundbesitzern unter Mithilfe von kommunalen Behördenvertretern aus Profitdenken zulasten von Anwohnern und Gemeindebewohnern, welche sich an geltendes Recht halten und gehalten haben», schreibt er in einer Mail an die Redaktion. Die Änderung des Zonenreglements werde einzig schon jetzt angestrengt, um eine Baute auf seinem Nachbargrundstück Parzelle Nummer 350 zu ermöglichen, die mit dem aktuellen Zonenreglement nicht möglich wäre.

Strategiewechsel

«Wenn dort ein Klotz hingestellt wird, dann habe ich keinen Blick mehr auf den Jura», ärgert sich der Einsprecher. Mit seiner Kritik sei er nicht alleine. Jeder der Anstösser könne Gründe anführen, weshalb der «Klotz» nicht auf die Parzelle gebaut werden soll. Schon zwei Mal versuchte der Besitzer der Liegenschaft, einen Neubau auf der Parzelle 350 zu errichten. Dies nachdem das darauf stehende Haus abgerissen wurde. Die Behörden erlaubten den Abbruch, obwohl das Gebäude in der Ortsbildschutzzone liegt.

Zum ersten Projekt führte der Anstösser Einsprache und erhielt beim Kanton Recht. Seither liegt das Areal brach. Eine zweite Variante wurde nach einer Voranfrage beim Kanton von der Bauherrschaft wieder schubladisiert.

Der Anstösser vermutet, dass die Bauherrschaft die Strategie wechselte und nun über den Behördenweg, eben mit dieser Änderung des Zonenreglements, die Voraussetzungen für einen überdimensionierten Bau schaffen will. Aktuell läuft in Deitingen eine Ortsplanungsrevision. Vorgezogen, so der Anstösser, soll jetzt das Zonenreglement eine Änderung erfahren. Statt auf die Ausnützungsziffer (in Deitingen 0,4/Verhältnis Bruttogeschossfläche zu Grundstücksfläche) soll mit einer Überbauungsziffer (0,35 Prozent der Grundstücksfläche) operiert werden.

Diese Anpassung komme sowieso mit der Ortsplanungsrevision und entspreche dem Willen des Kantons, des Bundes und dem Räumlichen Leitbild der Gemeinde Deitingen, erklärt Gemeindepräsident Bruno Eberhard. «Wir wollen, dass die laufenden Bauprojekte bereits von dieser Änderung profitieren können.»

«Von langer Hand geplant»

Dem Vorwurf der Einsprecher, die Planungskommission, deren Präsident der Architekt des geplanten Neubaus auf der Parzelle 350 ist, wolle diese Änderung aus Eigennutz, widerspricht der Gemeindepräsident. «Die Änderung ist von langer Hand geplant und wurde von der Ortsplanungskommission vorangetrieben. Dort hat der Präsident der Planungskommission keinen Einsitz.»

Profitieren von der Änderung des
Reglements wird am Ende nur das aktuelle Projekt auf der Parzelle 350. Das andere laufende Projekt in Deitingen betrifft die Liegenschaft mit dem alten Kinderheim. Dort ist ein Bau geplant, der auch nach alten Reglement genehmigungsfähig wäre, wie Bauverwalter Markus Schwarzenbach ausführt.

Verzögerung ist wahrscheinlich

Mit den Einsprachen wird ein Neubau auf der Parzelle 350 mit Sicherheit verzögert. Es ist anzunehmen, dass das Zonenreglement erst mit der Genehmigung der eigentlichen Ortsplanungsrevision angepasst wird.

Ein weitere Hoffnung haben die Einsprecher aufgrund der Ortsbildschutzzone. Parzelle Nr. 350 liegt in der noch gültigen Ortsbildschutzzone der Gemeinde, «deren Bestimmungen für die Realisierung dieser zonenfremden Baute störend wäre», so der Einsprecher. Er vermutet deshalb, dass die Ortsbildschutzzone im Laufe der Ortsplanungsrevision abgeändert wird, oder hofft eben, dass dies nicht der Fall sein wird. Dann könnte er auch gegen das dritte Projekt der Bauherrschaft einsprechen.