Zuchwil
Ärger über Energieverschwendung im Werkhof – Wie hoch fällt die Steuersenkung aus?

Der Zuchwiler Gemeinderat empfiehlt eine Steuersenkung von 2 Prozent und ärgert sich über Energieverschwendung beim Werkhof Langfeld.

Urs Byland
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Über 203 000 kWh wurden im Werkhof Langfeld in die Luft verfeuert. Das ist in etwa der Jahresverbrauch von 20 Einfamilienhäusern.

Über 203 000 kWh wurden im Werkhof Langfeld in die Luft verfeuert. Das ist in etwa der Jahresverbrauch von 20 Einfamilienhäusern.

Urs Byland

Der Steuerfuss von 127 Prozent ist dem Gemeinderat Zuchwil schon länger ein Dorn im Auge. In den letzten Jahren konnte mehrere Male die Rechnung positiv abgeschlossen werden. Teilweise in Millionenhöhe. Die letzte Steuererhöhung um 2 Prozent wurde als vorübergehend deklariert und ab 2013 wirksam. «Ich war damals mit dabei, als wir die Steuererhöhung beschlossen. Wir müssen die 2 Prozentpunkte wieder zurückgeben», sagte Philippe Weyeneth (FDP).

Er schloss sich damit dem Vorschlag von Daniel Grolimund (CVP) an. «Wir haben damals die 2 Punkte erhöht, um in einer Krisenzeit einer allfälligen Zwangsverwaltung zu entgehen. Wir konnten Eigenkapital aufbauen. Jetzt müssen wir die 2 Punkte wieder abgeben», erklärte Grolimund. Es sei nicht gut, wenn die öffentliche Hand im Geld schwimme. «Sie muss sich zwingen, wenig Geld zu haben.» Weitere Faktoren, die aus seiner Sicht für die Senkung sprechen, sind der kontinuierlich steigende Steuerertrag der natürlichen Personen sowie die aktuell positive Wirtschaftslage. Mit 2 Prozentpunkten würde die Gemeinde 460'000 Franken weniger Steuererträge haben.

Der Gemeinderat hat

- die Pensenplanung der Schule genehmigt;

- den FC Zuchwil von der Hälfte seines noch abzuzahlenden Gemeindedarlehens für das Klubhaus Widi befreit, was 15 000 Franken ausmacht;

- den neuen Zeitplan für die Rückführung der Mandate im Kinder- und Erwachsenenschutz genehmigt. Die Rückführung soll bis Ende 2018 erfolgen, dabei handelt es sich nur um die Mandatsführung. Die Abklärungen werden auch weiterhin auswärts vergeben. (uby)

«Die Gemeinde leidet»

Auf der anderen Seite fühlt sich eine Steuersenkung nicht wirklich gut an angesichts einer anbegehrten Investition von gut 8 Millionen Franken in die Sanierung des Freibads und weiteren Investitionen. «Mit dem Budget 2018 investieren wir 13 Millionen Franken. Von diesem Gesichtspunkt aus betrachtet, müssten wir die Hand von einer Senkung lassen», sagte Daniel Grolimund. Bei ihm überwog aber der Goodwill für den Bürger.

Patrick Marti (SP) ging das zu weit. «Wir haben noch grosse Investitionen in unsere Primärinfrastruktur vor uns. Diese wurde in den letzten Jahren vernachlässigt.» Er störte sich auch an der Holdingsteuer von 50 Prozent, wollte dazu aber keinen Antrag stellen, diese aber in naher Zukunft aufs Tapet bringen. Er sprach sich gegen die Steuersenkung aus. «Die Gemeinde leidet, aber der Einzelne spürt kaum etwas davon.» Marti wies auch darauf hin, dass einzelne Posten im Budget von der Erfolgsrechnung in die Investitionsrechnung verschoben wurden. «Ohne diese Massnahmen hätten wir in der Erfolgsrechnung einen Aufwandüberschuss.»

Michael Marti, Leiter Finanzen, wies in seinem Bericht zum Budget darauf hin, dass mit zwei Massnahmen – zusätzliche Abschreibungen schon im 2016 zu verbuchen und Beiträge ans Sportzentrum zu den Investitionen zu schieben – die Erfolgsrechnung um 0,947 Millionen Franken entlastet werden konnte. Das Budget 2018 prognostiziert einen Überschuss von 0,910 Millionen Franken.

«Was über 100 ist, ist zu viel»

Die SVP wiederum ist aus fundamentalen Gründen für eine Steuersenkung, aber um 3 Prozentpunkte. «Alles was über einem Steuerfuss von 100 ist, ist zu viel», erklärte Silvio Auderset. Carlo Rüsics störte sich an der von ihm selber diagnostizierten Ausgabefreudigkeit des Gemeinderats und schloss sich deshalb dem Antrag seines Parteikollegen an. In der Schlussabstimmung sprach sich der Gemeinderat mit 7 Stimmen für 125 Prozentpunkte aus. Die 4 Gemeinderäte der Linken stimmten für 127 Prozent.

Der Steuerfuss wird an der Gemeindeversammlung abschliessend entschieden. Das Budget, nun mit einem Überschuss von 445 950 Franken, wurde genehmigt. Die SP stimmte gegen die Erfolgsrechnung und damit gegen den neuen Steuerfuss. Die SVP und ein FDP-Gemeinderat lehnten die Investitionen ab.

Viel zu hoher Energieverbrauch

Die Betroffenheit war im Gemeinderat gross, als über einen Nachtragskredit von 19 000 Franken für Wasser, Energie und Heizmaterial im Werkhof Langfeld gesprochen wurde. Das alte Gebäude wird von diversen Nutzern, unter anderem auch für den Fasnachts-Wagenbau genutzt. Die Energiekosten waren bisher sehr unterschiedlich. 2015 lagen sie bei 15 924 Franken, 2016 bei 6748 Franken. Die Heizanlage wurde 2016 von Öl auf Biogas umgestellt.

Nun berechnete der Energieversorger 33'533 Franken. Etwas unter ging der Hinweis von Benjamin Studer (Grüne), dass die Umstellung von Öl auf Biogas die Mehrkosten verursachte. Rechnet man die Mehrkosten auf den Verbrauch aus, kommt man auf über 16 000 Franken.

Denn der Heizenergieverbrauch war mit 203'353 kWh exorbitant. Wie Peter Baumann, Leiter Bau, ausführte, war die Heizung schlecht eingestellt und der Thermostat wurde manipuliert. «Es ist auch bekannt, dass die Halle eine schlechte Isolierung aufweist. Die Wärme geht praktisch eins zu eins hinaus.» Der Gemeinderat entschied, ein Reglement auszuarbeiten, den Verbrauch monatlich abzulesen und eine Beteiligung der Nutzer an den Nebenkosten zu prüfen.

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