Mobilfunkanbieter
Antennenstandort: Lommiswil steht plötzlich unter Zugzwang

Mit dem einen Mobilfunkanbieter wollte sich der Gemeinderat gütlich über einen Antennen-Standort einigen, nun prescht ein anderer vor.

Urs Byland
Drucken
Teilen
Im Bild sieht man das Werkhof-Feuerwehrgebäude und dahinter die Mehrzweckhalle von Lommiswil, dahinter kaum sichtbar das Schulhaus. Die Swisscom fragt die Gemeinde für einen Antennenstandort auf diesem Areal an.

Im Bild sieht man das Werkhof-Feuerwehrgebäude und dahinter die Mehrzweckhalle von Lommiswil, dahinter kaum sichtbar das Schulhaus. Die Swisscom fragt die Gemeinde für einen Antennenstandort auf diesem Areal an.

Oliver Menge

Die Firma T-Line hat im Auftrag der Swisscom die Gemeinde orientiert, dass sie auf der Suche nach einem Antennenstandort in Lommiswil ist. Sie erachtet als neuen Standort die Liegenschaften Schulhausstrasse 14 bis 20 auf GB 212 als geeignet. Dort befinden sich das Schulhaus, die Mehrzweckhalle und das Werkhof- / Feuerwehrgebäude. Falls dieser Standort realisiert werden könnte, würde Swisscom mit der Gemeinde einen langjährigen Mietvertrag abschliessen.

Schon vor mehreren Jahren wurde in Lommiswil ein Antennenstandort gesucht. Wegen zahlreicher Einsprachen konnte dieses Vorhaben bis heute nicht realisiert werden. Inzwischen sei der Unmut in der Bevölkerung über den schlechten Handy-Empfang stark gestiegen, so der Gemeinderat. In diesem Sinne müsste die Gemeinde nach Möglichkeit für die Verbesserung des Empfangs Hand bieten. Andererseits sei man erstaunt, dass die Firma auf dem Schulhausareal eine Antenne stellen möchte. Obwohl man wisse, dass am Fuss einer Antenne die Strahlung am geringsten ist, seien Einsprachen auf dem Schulhausareal vorprogrammiert. Weniger Opposition sei bei einem Standort bei der Zivilschutzanlage Maulwurf zu erwarten, wie die Kommission für Anlagen, Infrastruktur und öffentliche Bauten dem Gemeinderat beantragte.

Der Gemeinderat diskutierte aber weitere Ideen. «Es herrscht in Bezug auf 5G Verunsicherung», meinte Gemeindepräsident Norbert Häberle an einer Sitzung, an der das Thema traktandiert war. Er schlug
vor, ein Versorgungskonzept mit Trennung der Innen- und Aussenraumversorgung anzustreben. Um die beschränkt verfügbare Mobilfunkkapazität nicht überzustrapazieren, sei alles dafür zu tun, dass datenintensive Videostreamings im Innenbereich via WLAN, Festnetzanschluss und Glasfasernetz stattfinden. Das Mobiltelefon könne im Innenbereich mittels WLAN-Telefonie hohe Übertragungsqualität sicherstellen. «Die Aussenraumversorgung kann mit deutlich reduzierten Sendeleistungen der Basisstationen sichergestellt werden. Mit Hilfe von Klein-Funkzellen – mehrere Standorte mit sehr kleinen Antennen – ist die Strahlenbelastung gleichmässiger über das Siedlungsgebiet verteilbar.»

Im Gespräch mit Swisscom eine Lösung suchen

Um diesen Vorschlag umzusetzen, bräuchte es eine Planungszone für drei Jahre. In dieser Zeit könnte man im Gespräch mit der Swisscom und im Einklang mit der laufenden Ortsplanungsrevision eine Lösung suchen. Die Planungszone sei nicht dazu gedacht, Mobilfunkantennen zu verhindern. Sie könne nur erlassen werden, wenn daraus ein konkretes Planungsvorhaben resultiert. «Das heisst, dass die Resultate, welche die Planungsbehörde und die Mobilfunkbetreiber gemeinsam erarbeiten, dann auch umzusetzen sind, vorbehältlich Einsprachen und Rechtsweg», so Häberle. Mit einer Standortplanung soll dann die Mobilfunkversorgung der Bevölkerung sichergestellt werden und dem Ortsbildschutz und der Wohnqualität genüge getan werden. Dies soll in konstruktiver Zusammenarbeit mit den Mo-bilfunkanbietern erfolgen.
In der Diskussion im Gemeinderat von Lommiswil wurde insbesondere die Frage einer Planungszone kritisch beurteilt. Dennoch wurde Norbert Häberles Antrag angenommen bei einem Stimmenverhältnis von 3 Ja-Stimmen, 2 Nein-Stimmen und 1 Enthaltung.

Zuerst noch Publikation der Planungszone verschoben

Wegen der Coronakrise wurde aber eine Publikation der Planungszone verschoben. Der
Gemeinderat war sich nicht sicher, ob alle Einwohnerinnen und Einwohner eine Möglichkeit hätten, die Publikation anzuschauen.

Diese Publikation soll nun aber trotzdem in der heutigen Ausgabe des «Azeigers» erfolgen. Denn die gewünschte «konstruktive Zusammenarbeit mit den Mobilfunkanbietern» findet vorerst nicht statt. Auf dem Tisch liegt ein konkretes Baugesuch eines weiteren Mobilfunkanbieters für die Errichtung einer Antennenanlage. Der Gemeinderat hat nun an seiner letzten Sitzung die Publikation einer Planungszone einstimmig beschlossen, erklärt Gemeindepräsident Häberle.

Aktuelle Nachrichten