Widerstand gegen Natelantennen ist heutzutage selten. Anbieter und Kontrollbehörden haben ihre Lehren aus früheren Widerstandsaktionen gezogen und wählen geeignete Standorte für die Antennen. Könnte man meinen.

In Günsberg haben Betreiber und Kontrollbehörden einen Standort gewählt, der das öffentliche Empfinden stört. Die Antenne wurde erst kürzlich an der Ecke des Schul- und Sportplatzes bei der Primarschule errichtet. Und in Günsberg ist der Widerstand noch wach.

Der Verein Günsberg ohne Mobilfunkantenne auf dem Schul- und Sportplatz (Gomas) ist auch nach zwölf Jahren Kampf gegen diese Antenne aktiv.

Denn eigentlich ist der Bau der Antenne nur eine Etappe. Wie Gemeindepräsident Thomas Jenni an der Aktion vom Dienstag von Gomas auf dem Schul- und Sportplatz erklärte.

Er kam als Vertreter der Gemeinde und beantwortete die Frage eines Gomas-Mitgliedes nach dem Rückbau der Antenne wie folgt: «Die Betreiber haben die Möglichkeit, den Mietvertrag 2017 für das Antennenareal um weitere fünf Jahre bis 2022 zu verlängern. Dann wird der Gemeinderat den Mietvertrag auflösen. Was danach passiert, kann ich heute nicht sagen.»

Die Kündigungsabsicht sei dem Antennenbetreiber auch vor dem Antennenbau schriftlich mitgeteilt worden.

«Der Gemeinderat ist nach wie vor der Meinung, dass dies auch gemacht wird. Denn wir haben nach wie vor den Auftrag der Einwohner, uns gegen die Antenne einzusetzen.»

Jenni bezieht sich auf die Urnenabstimmung 2009, als sich zwei Drittel der Günsberger für eine Kündigung des Antennenareals, das der Gemeinde gehört, aussprachen.

Ein Ort der empfindlichen Nutzung

«Die Antenne steht zwar, aber wir haben von unseren über 200 Vereinsmitgliedern an der letzten Vereinsversammlung den Auftrag erhalten zu informieren und zu sensibilisieren», erklärte Vereinspräsident Patrik Galli in einer kurzen Rede auf dem Schul- und Sportplatz.

Gekommen war gut ein Dutzend Gomas-Mitglieder. Fast alle sind seit der ersten Stunde mit dabei. «Der Platz und auch der Naturkindergarten bilden ein sogenanntes Omen, einen Ort mit empfindlicher Nutzung. Gemäss Nis-Verordnung, die Verordnung für nichtionisierende Strahlung, geniesst der Standort demnach einen besonderen Schutz.» Für Omen gelte maximal 5 Voltmeter Strahlung, für sonstige Antennen in bewohnten Gebieten seien es 6 Voltmeter.

Gefahrenradius abgesteckt

2010 hat der damalige Gemeinderat eine Studie anfertigen lassen, um die Intensitäten der Antenne zu ermitteln. Gomas hat nochmals im Juni 2015 mit einem Flugblatt aufgrund dieser Studie die Bevölkerung von Günsberg informiert.

Nun steht die Antenne, weshalb Gomas mit roten und orangen Plakaten am Zaun die Zonen mit den stärksten Strahlungen markiert hat. Rund 33 Meter von der Antenne entfernt, würden immer noch rund 5 Voltmeter gemessen.

Innerhalb des Radius von 18 Meter um die Antenne seien es gar mindestens 6 Voltmeter. «Was wir nicht verstehen, ist, dass dieser Standort nicht als Omen taxiert worden ist.»

Diverse Standorte gelten als Orte mit empfindlicher Nutzung. Dazu gehört auch das Schulgelände, das als Pausenplatz genutzt wird. «Und das ist auf diesem Platz der Fall.»

300 Meter weiter westlich wäre laut Gomas der ideale Standort für die Antenne gewesen. «Nun geht es uns einfach darum, den hier spielenden Kinder aufzuzeigen, dass sie nicht bei der Antenne spielen sollten, sondern gegenüber», erklärt Galli der Versammlung.

Die Installation der farbigen Plakate und einiger Informationstafeln wurde mit der Gemeinde abgesprochen.

Gomas sei im Grundsatz nicht gegen Mobilfunk. «Aber der Standort sollte nicht gerade in der Nähe der Schule sein», sagt Patrik Galli. Zumal Antennen innerhalb der Bauzone dazu dienen sollten, die Bauzone abzudecken.

Und Antennen ausserhalb der Bauzone sollten das Gebiet ausserhalb der Bauzone abdecken. «Hier für die Umgebung würden 1000 Watt Leistung reichen, hier braucht es nicht 10 000 Watt. Laut einem Bundesgerichtsurteil in einem anderen Fall müsste diese Antenne auch etwas weiter entfernt stehen und nicht in der Bauzone.»

Kampf geht weiter

An diesem Nachmittag ist das Betreten des Schul- und Sportplatzes verboten. Die Schulkinder spielen nebenan auf dem Hartplatz und fragen sich vielleicht, warum die Erwachsenen den Rasen betreten dürfen.

Diese diskutieren noch einige Minuten über die Antenne und über ihren inzwischen zwölf Jahre dauernden Kampf gegen den Bau der Antenne an diesem Standort. Sie werden auch in 7, 8 Jahren wieder hier stehen und den Rückbau der Antenne verfolgen, wenn alles so verläuft, wie sie es sich erhoffen.