Die offizielle Kasse ist nicht besetzt, das Tor zum Raubtierpark steht aber offen. Vereinzelt spazieren «Demonstranten» in den Park. Die angekündigte öffentliche Demonstration entpuppt sich als Saisonstart eines geschlossenen Raubtierparkes, der am vergangenen 31. Dezember das Areal schon längst hätte geräumt haben müssen.

Organisatorin Barbara Schäfer hat unter den Freunden des Tierparkes kräftig die Werbetrommel gerührt. Sie begrüsst die Besucher einzeln.

«Ich bin froh, dass ich nicht im Stich gelassen wurde.» Ihre Facebook-Gruppe für den Raubtierpark hat inzwischen über 2000 Anhänger. Sie habe keinen Einblick in die Finanzen von René Strickler und engagiere sich, weil die Dezimierung der Tiger ihr grosse Sorgen bereiten. «2022 schreiben Studien, wird es keine frei lebenden Tiger mehr haben.»

Sie rechne mit 10 bis 150 «Demonstranten», die «einen Freund besuchen», so Barbara Schäfer. Am Ende werden es etliche mehr sein, die ihrem Aufruf gefolgt sind. Viele sind schon am Morgen zur «Demonstration» gekommen.

Schlagersänger Simon Broch, der seine CD «Tigerland» mit seinem Raubtierparksong verkauft, versteht sich nicht als Demonstrant. «Ich will ein Zeichen für das Weiterbestehen des Parkes geben.»

Demo für Raubtierpark

Demo für Raubtierpark

200 Tierfreunde bekunden ihre Solidarität für René Stricklers Raubtierpark. Dieser muss das Gelände bis Mitte Juli geräumt haben.

Wegweiser leiten die Besucherinnen und Besucher ins Informationszentrum. Dort kann man die Petition für den Erhalt des Raubtierparks unterschreiben, dem wieder reaktivierten Verein Jungle World beitreten und den Parkeintritt bezahlen, nein natürlich spenden. Kinder dürfen Tiger Noah malen oder sich schminken lassen.

Die meisten drehen eine Runde im Raubtierpark und sehen wie René Strickler beim Tigerkäfig interviewt wird. Neugierig betrachten die Besucher das Spektakel, das Strickler den Kameras bietet. Er steigt ins Freigehege, krault einen weissen Tiger unter dem Kinn, bitte Tiger Noah zu sich, denn der streift dort am Gitter entlang hin und her, wo die Kameras stehen.

«Ich habe nichts organisiert, das waren treue Raubtierparkbesucher. Ich habe nur den Park für die Kundgebung geöffnet», erklärt René Strickler. Seit einiger Zeit sei er damit beschäftigt eine Aktiengesellschaft zu gründen. «In einem Monat wird diese gegründet.» Er hoffe auf noch weitere solche «Demonstrationen».

Viele Besucher waren noch nie demonstrieren. Dabei wird es wohl bleiben. Aber das Schicksal von Strickler beschäftigt sie. «Die Tiere sollte man erhalten, und ich finde es tragisch, dass der Bund nichts unternimmt», sagt Susanne Fitze. «Dass die Tiere hier wegmüssen oder eventuell eingeschläfert werden, ist für mich unvorstellbar», erklärt die Laupenerin Marianne Brönnimann. Ein früherer Zirkusmitarbeiter aus dem Emmental kommt, weil ihn den Park von Strickler interessiere. Demonstrant sei er aber nicht. Am Vortag zufälligerweise gesehen hatte den Aufruf eine Ostschweizerin.

«Schönes Wetter, jetzt gehen wir bei dieser Gelegenheit mal den Park anschauen, haben wir uns gesagt.» Einen Ausflug mit den Kindern unternimmt die Familie Schlauri aus Busswil. «Meine Frau sagte auch, Strickler könnte das Land verlieren, aber wir sind vor allem wegen den Kindern hier.» Man müsse für die Rechte der Tiere einstehen und ebenso für die Rechte von kleinen Privaten, erklärt Melanie Grauwiler aus Sissach.

Beim Eingang heftet Barbara Schäfer handgeschriebene A4-Blätter mit Reisszwecken an die Absperrungen: 15.30 Uhr Vorführung von René Strickler. «Man kann dort René Strickler Fragen stellen.» Die «Demonstranten» freuen sich. Die Freunde von René Strickler sind nicht vergebens gekommen.