Die Kreisschule Recherswil-Obergerlafingen braucht neuen Schulraum. Zudem müssen die Gebäude saniert werden. Am 27. November stimmt die Stimmbevölkerung über den Neubau des Doppelkindergartens sowie die Sanierung des Schulhauses und die Aufstockung des Zwischentraktes an der Urne ab. Kostenpunkt: 4,8 Millionen Franken.

Gut eine Woche vor der Abstimmung macht eine sogenannte IG Recherswil Stimmung gegen das Projekt. Am Donnerstag wurde mit dem Anzeiger in alle Haushalte ein Flugblatt verteilt, das für ein Nein an der Urne wirbt. Der Kindergarten sei ein Luxusbau «mit vergoldeten Wasserhahnen», das gesamte Projekt Wunschdenken von Personen, die sich «im Rampenlicht sonnen» wollten. Damit stellen sich die Autoren gegen den Gemeinderat, der hinter dem Bau steht.

Es sei nicht Aufgabe der Gemeinde, schreiben die anonymen Autoren, einen «Kinderhütedienst mit Raum für Mittagstisch und Tagesstrukturen» zur Verfügung zu stellen. Zudem sind die Verfasser überzeugt, dass eine Steuererhöhung vor 2019 «unausweichlich» sei.

«Dem Rat eins auswischen»

Gemeindepräsident Hardy Jäggi (SP) vermutet, wer hinter dem Flugblatt steckt. An der letzten Informationsveranstaltung hätten zwei Personen exakt jene Fragen geäussert, die nun auch im Pamphlet gestellt werden. Den Vorwurf der intransparenten Finanzierung lässt Jäggi nicht gelten. Die Prognose, dass bis 2019 keine Steuererhöhung nötig sei, stellte die Finanzkommission.

Die Visualisierung des neuen Verbindungstraktes ab 2019 Schulhaus Recherswil

Die Visualisierung des neuen Verbindungstraktes ab 2019 Schulhaus Recherswil

«Das ist eine Fachkommission, die unabhängig vom Gemeinderat arbeitet.» Diese würde gewissenhaft planen. Auch die Kostenschätzung von 1,3 Millionen Franken für den Kindergarten habe man seriös angestellt. Auf die Frage, warum nicht jenes Architekturbüro angefragt wurde, das bereits die bestehende Schulanlage geplant habe, entgegnet Jäggi, dass noch gar kein Architekt für die Planung bestimmt worden sei.

«Lediglich den Auftrag für die Machbarkeitsstudie haben wir vergeben. Und den erhielt das günstigste Büro.» Man habe so transparent wie möglich geplant und mehrere Informationsveranstaltungen durchgeführt.

Er könne die Verfasser des Flugblattes nicht ernst nehmen, wenn diese nicht mit ihrem Namen hinstünden. «Ich gehe davon aus, dass man dem Gemeinderat eins auswischen will.» Jäggi hofft, dass der neue Schulraum am 27. November bewilligt wird. «Ansonsten diskutieren wir in einigen Jahren wieder über einen Ausbau, oder wir stellen Container hin.»

«Es wird viel gebaut»

Kritisiert wird im Flugblatt schliesslich die Entwicklung der Schülerzahlen, die nach «Gutdünken» erstellt worden sei und «aus dem Bauchgefühl» komme. Gegenwärtig zählt man in Recherswil-Obergerlafingen 224 Schüler und 32 Lehrer. Schulleiter Rolf Caccivio betont, dass diese Darstellung nicht «aus dem Bauch heraus» komme.

«In den beiden Gemeinden wird viel gebaut, die Zahlen zeigen ein stetiges Wachstum.» Als Grundlage für die Planung diene die Anzahl Kinder im Vorschulalter, die bereits in den beiden Gemeinden leben. Demnach steigt die Schülerzahl bis zum Schuljahr 2019/20 auf 254. Caccivio betont, dass es sich dabei um Schätzungen handelt.

Bereits heute seien die Platzverhältnisse eng. Alle Räume seien besetzt, nächsten Sommer fehle ein Raum. Der Gruppenunterricht finde derzeit im Gang statt, was «suboptimal» sei. Ein grosses Bedürfnis, gerade von den Kindergärtnerinnen, sei ein eigener Kindergarten. Der Kindergartenunterricht finde derzeit in einer umgebauten Fabrik und im Schulhaus statt. Zeitgenössische Strukturen würden fehlen.

Gerne hätte die Redaktion die Urheber des Flugblattes Stellung nehmen lassen. Sie waren am Donnerstag nicht erreichbar.