Metzgereien

«Angst und bange vor Ostersamstag»: Riesenansturm auf Metzgereien erwartet

Gestern Nachmittag um 14 Uhr: Kunden (und auch Begleitende) warten in gebührendem Abstand voneinander vor der Metzgerei Fischer in Langendorf darauf, dass sie das  Geschäft betreten und ihre Waren einkaufen können.

Gestern Nachmittag um 14 Uhr: Kunden (und auch Begleitende) warten in gebührendem Abstand voneinander vor der Metzgerei Fischer in Langendorf darauf, dass sie das Geschäft betreten und ihre Waren einkaufen können.

Gründonnerstag und Ostersamstag werden für viele Detailhändler zu einer Herausforderung. Eine ganz besondere für die Metzgereien – sie erwarten für das kommende Wochenende einen gewaltigen Ansturm.

«Grillwetter ist angesagt, die Leute sollten zu Hause bleiben, einkaufen im Ausland ist nicht möglich und auswärts essen auch nicht», sagt Remo Meier, von der Metzgerei Fischer in Langendorf. Vor dem kommenden Wochenende werde ihm ganz angst und bange.

Im Normalfall steht an solchen Feiertagen die gesamte Belegschaft zur Verfügung. Wie etwa an Weihnachten. Die Kunden wüssten, dass sie die gewünschten Waren bei ihm rechtzeitig, zum Teil Wochen im Voraus bestellen müssen. So könne er dann mit der nötigen Vorlaufzeit und Informationen alles für den Tag X bereitstellen. Die Probleme in diesem Jahr würden sich aber aus anderen Gründen ergeben. «Wenn wir beispielsweise an einem Ostersamstag mit zehn Personen Verkaufspersonal und Buffetnachfüller arbeiten, können zwischen 300 bis 400 Kunden bedient werden. In diesem Jahr dürfen wir aber nur mit deren drei bedienen.» An den Vorgaben des Bundes, die er als richtig empfinde, will er nicht mäkeln.

«Es ist schön, dass etwas läuft»

«Wir nehmen, was kommt, und schauen, dass die Abstände eingehalten werden», schaut Urs Zürcher in Messen die Sache pragmatisch an. In seinem Geschäft dürfen drei Kunden gleichzeitig einkaufen. Er freue sich, wenn die Nachfrage gross ist, man habe schliesslich auch Verluste hinnehmen müssen.

«Es ist ja schön, dass etwas läuft», sagt André Scholl, Metzger in Selzach und Präsident des kantonalen Metzgermeisterverbands. «Aber wer am Samstag spontan Fleischwaren einkaufen will, muss wahrscheinlich warten.» In seinen Laden dürften sich nur vier Kunden gleichzeitig aufhalten. «Am letzten Samstag warteten die Kunden gegenüber am ‹Mürli›. Zeitweise sonnten sich dort zehn Leute.»

In Luterbach dürfen aktuell nur zwei Kunden gleichzeitig in die Metzgerei von Peter Bisig. «Wir versuchen einfach, alles zu bewältigen», erklärt Bisig.

Teilweise markanter Umsatzrückgang

Auch Meier will nicht jammern. Im Gegenteil: «Wir sind alle glücklich, dass wir noch offen haben dürfen und Arbeit haben.» Denn auch die Metzgereien kämpfen mit einem Umsatzrückgang, weil die Gastrolieferungen praktisch weggefallen seien. «Das kann je nach Betrieb 30 bis 50 Prozent des Gesamtumsatzes ausmachen.» Jeder Betrieb sei nun natürlich sehr froh, dass er dieses Minus mit einer Umsatzsteigerung im Laden etwas wettmachen kann. Aber man sei an einem Punkt angelangt, wo das Verständnis für die bis jetzt kleinen Einschränkungen am kommenden Wochenende fortschmelzen könnte. «Schon am letzten Wochenende war es teilweise abartig.» Er habe auch den Fleischautomaten mehrfach nachfüllen müssen. Es sei praktisch unmöglich, dass es nicht zu einer Schlange vor dem Geschäft komme, damit müssten die Kunden rechnen.

Metzger versuchen, den Laden zu erweitern

Schnell eine Entlastung herbeizuführen, sei unmöglich. Einen zweiten Ausgabekanal generieren? «Wer hat schon zwei Eingänge und Ausgänge in den Laden?» Es müssten separate Räumlichkeiten sein. Schnell ein zweites mobiles Kartenzahlterminal kaufen? «Alles ausverkauft, seit Wochen», so Meier.

André Scholl überlegt sich, einen zweiten Raum bereitzustellen. «Nur für die Bestellungen. Aber ohne Vorbestellung macht das keinen Sinn.» Gedanken stellte auch Peter Bisig an. «Ich werde draussen einen Tisch bereitstellen, 20 Meter vom Laden entfernt. Dort können die bestellten Waren abgeholt werden. So wird der Laden nicht blockiert.» Urs Zürcher hat ebenfalls vorgesorgt. Nicht nur bei den Fleischwaren, wo er einen grösseren Absatz erwartet als normalerweise, sondern auch logistisch. «Wer Bestellungen abholt, kann dies bei uns beim Nebeneingang tun. Das ist die einzige Möglichkeit, damit es am Samstag der Verkauf im Laden funktioniert.»

Die Sache entschärfen könnten nur Vorbestellungen, sind sich alle Metzger einig. «Bei uns sind drei Personen, ‹gegroundete› Kollegen vom Gewerbeverein und ein Velokurier dafür im Einsatz», erzählt Meier. Er werde auch am Karfreitag die Bestellungen vorbereiten müssen.

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