Messen

Andreas Berger lädt zum Nachdenken ein

Andreas Berger hat das Werk «In der Nacht» als Bewältigung eines schmerzlichen Erlebnisses geschrieben. (Archiv)

Andreas Berger hat das Werk «In der Nacht» als Bewältigung eines schmerzlichen Erlebnisses geschrieben. (Archiv)

Autor und Regisseur Andreas Berger bringt seine Textkomposition «In der Nacht» in Messen zur Aufführung.

Mit «In der Nacht», seiner Textkomposition für drei Stimmen, tritt Autor und Regisseur Andreas Berger nach auswärtigen Gastspielen nun in seinem Wohnort Messen an die Öffentlichkeit. Geschrieben hat er
dieses Werk als Bewältigung eines schmerzlichen Erlebnisses, das ihm als plötzlich schwer Erkrankten die Endlichkeit des Lebens vor Augen führte.

Drei Stimmen, die in ihren gesprochenen Texten ihre jeweils eigenen Wirklichkeiten aufzeigen, laden Zuhörende zum Nachdenken ein. Die freischaffende Schauspielerin Silvia Jost lässt in ihren gelesenen
Beiträgen wie in Wanderungen durch eine imaginäre Stadt episodisch Aktualitäten der Zeit- geschichte vor dem inneren Auge entstehen. Beat Albrecht, Schauspieler, schildert die Sicht des Kranken, der in Routine und Fürsorge des Medizinalbetriebs eingebunden ist. Andreas Berger gibt den Blick frei auf den französischen Philosophen Michel de Montaigne (1533–1592), dessen in liebenswürdig altertümlicher Sprache zitierte Aussagen Sterben und Tod ins Leben einbeziehen: «Das Ziel unseres Laufes ist der Tod.»

«Wir fühlen uns kaum selbst betroffen»

Die moderne Welt mit all ihren Möglichkeiten, mit ihrer Reizüberflutung und mit enormem technischen und medizinischen Fortschritt verdränge aus unserem Bewusstsein das Lebens- ende, das schicksalhaft und unerwartet hereinbrechen könne, sagt Berger. «Wir hören zwar von Katastrophen in aller Welt, fühlen uns davon auch persönlich berührt, gar entsetzt, aber wie auf einer sicheren Insel kaum selbst betroffen.»

Individuell betrachtet kann sich diese Sicht für einen zuvor gesunden Menschen schlagartig ändern, wenn er einen Unfall mit Todesfolge erleidet oder in lebensbedrohlicher Lage medizinische Hilfe braucht. «Abstrakte Gedanken, die wir gerne weit von uns schieben, werden dann aber immer konkreter», unterstreicht Berger. Vielleicht helfe diese Textkomposition, sich auf die Unabwendbarkeit des Lebensendes einzustellen, hofft er. Mit Montaigne ausgedrückt, heisse dies: Philosophieren lehrt auch sterben lernen.

Dieser Abend mit der akustisch eindringlichen Lesung

«In der Nacht» soll nicht als todtrauriges Ereignis bedrücken, sondern Menschen mit wei-
tem Horizont und «Sprachverliebte» beglücken, die verdichtete Zusammenhänge erkennen wollen. An Fragen wie «Ist die Welt draussen ein Schnellimbiss?» knüpfen sich im Stück ganze Deutungsketten über gegenwärtige Lebensauffas- sungen und gesellschaftliche Befindlichkeiten.

Messen, Pfarrschür, Sonntag, 15. März, 17 Uhr.

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