Solarbotschafter
«Andere haben eine grosse Kaffeemaschine, wir haben das Minergie-Label»

Julia Max und Stefan Schneeberger aus Lommiswil haben am Schweizer Solarpreis ein Diplom erhalten. Die Solaranlage auf dem Dach produziert sogar mehr Energie, als im Haus verbraucht wird. Jetzt fehlt nur noch der Stromspeicher.

Urs Byland
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Julia Max und Stefan Schneeberger im Wohnzimmer ihres Neubaus am Dorfrand von Lommiswil.

Julia Max und Stefan Schneeberger im Wohnzimmer ihres Neubaus am Dorfrand von Lommiswil.

Urs Byland

Am Rand von Lommiswil, wo sich Hase und Fuchs Gute Nacht wünschen, steht ein prämierter Neubau. Bewohnt wird das Haus von Julia Max und Stefan Schneeberger gemeinsam mit ihren Kindern Mika und Kimo. Die Solaranlage auf dem Dach produziert 20 Prozent mehr Energie, als das Einfamilienhaus theoretisch verbraucht.

Das Plus-Energie-Haus wurde von einer Jury der Solar Agentur mit einem Diplom des Schweizer Solarpreises belohnt. Das Diplom konnten Max und Schneeberger an der Solarpreis-Verleihung in Genf entgegennehmen, wo sie die 36 anderen Preisträger trafen, darunter Institutionen, weitere Hausbesitzer, aber auch alt Bundesrat Adolf Ogi, der für sein Engagement einen Ehrensolarpreis erhielt.

Von Berufes wegen: Ein Traumhaus

«Wir sind im Hick», erklärt Stefan Schneeberger. An Weihnachten wird abgerechnet. Dann lebt die junge Familie seit einem Jahr im Neubau und kann mithilfe des Stromzählers Bilanz ziehen. «Wir sind aktuell sogar klar unter dem theoretischen Wert. Genau genommen seit August, weil die Sonne so viel schien.» Julia Max’ Augen leuchten.

Dabei ist die 35-jährige Saarländerin aus Saarlouis nicht unbedingt ökologisch orientiert, zumindest nicht so stark wie ihr Partner. «Er fischt sogar Karton, den ich in den Abfall werfe, wieder heraus.» Sie lacht. Die Architektin hat den Neubau konzipiert. «Ich habe die Hülle gemacht und gesagt, wie es aussehen soll. Und Stefan hatte im Kopf, was alles rein muss.» «Also die Haustechnik», so der 35-jährige Gebäudetechniker.

Das Haus von Julia Max und Stefan Schneeberger «Wir wären nicht prämiert worden, wenn wir nicht einen ansprechenden Bau vorgewiesen hätten. Ich glaube, dieser Bau entspricht der gewünschten Richtung, ästhetisch. Technisch ist er vielleicht nicht ganz optimal», meint Schneeberger.

Das Haus von Julia Max und Stefan Schneeberger «Wir wären nicht prämiert worden, wenn wir nicht einen ansprechenden Bau vorgewiesen hätten. Ich glaube, dieser Bau entspricht der gewünschten Richtung, ästhetisch. Technisch ist er vielleicht nicht ganz optimal», meint Schneeberger.

Urs Byland

«Es war immer unser Traum, etwas Eigenes zu bauen, schon wegen unserer beruflichen Konstellation», berichtet Schneeberger. Er erhielt ein gemeinsam ausgehandeltes Budget von 140 000 Franken für die Gebäudetechnik. «Stefan ist der Ökotechniker und hat immer gesagt, wenn wir ein Haus bauen, muss dieses den heutigen Standards entsprechen.»

Dazu gehören die Solaranlage auf dem Dach, eine Erdsonden-Wärmepumpe, automatische Wohnungslüftung, ökologische Haushaltsgeräte und 95 Prozent LED-Lampen. Zum Solarhaus gehöre nicht nur die Produktion von Strom, sondern eben auch der Verbrauch, der niedrig gehalten werden soll. Mitentscheidend sind daher auch die Ausrichtung der Haupträume nach Süden und kleine Fensterflächen auf der Nordseite.

Solaranlage oder grösseres Haus?

Was für den Gebäudetechniker Standard ist, da verwirft Otto Normalverbraucher die Hände. Die Bohrung für die Erdsonde beispielsweise sei 10 000 Franken teurer als eine Luft-Wasser-Wärmepumpe. «Die Erdsonde ist aber die effizientere Wärmepumpe über die gesamte Lebensdauer betrachtet», erklärt Stefan Schneeberger.

In 25 Jahren über 3200 Dossiers geprüft

Der Schweizer Solarpreis würdigt aussergewöhnliche Leistungen im Bereich der Sonnenenergie oder der passiven Energienutzung. 1991 wurde dieser Preis ins Leben gerufen. Seither wurden bis 2014 zirka 3200 Dossiers vom Schweizer Solarpreisgericht geprüft und 352 davon mit dem Schweizer Solarpreis bedacht. Genau genommen erhielten die meisten ein Diplom. Drei Objekte werden jährlich auf das Podest gestellt und dürfen am Europäischen Solarpreis teilnehmen. Informationen zum Schweizer Solarpreis finden sich auf www.solaragentur.ch. (uby)

Die Solaranlage auf dem Dach sei nach wie vor nicht Standard. «Leider. Vielen Hausbesitzern ist die Anlage zu teuer.» Natürlich haben Julia Max und Stefan Schneeberger oft diskutiert, wie sie investieren wollen. Soll das Geld für die Solaranlage eingesetzt werden oder für ein grösseres Haus. Auf den Stromspeicher hat Stefan Schneeberger verzichtet. «Das wäre auch schon möglich, kostet aber nochmals so viel wie die Anlage auf dem Dach.» Die Kosten waren ein grosses Thema. «Die Tragbarkeitsrechnung der Bank hat uns beinahe das Genick gebrochen», sagt Schneeberger.

Der als Heizungsplaner angestellte Stefan Schneeberger liess sich davon nicht abschrecken. «Umwelt, Nachhaltigkeit, Soziales zusammenzubringen, ist für mich Alltag. Ich wollte deshalb etwas, das auch für mich stimmt, wovon ich überzeugt bin, und das ich vertreten kann.» «Seinem Gewissen gegenüber», wirft Julia Max ins Gespräch.

Da ist sie wieder, die Frage nach der Motivation für das eigene Tun. «Wenn ich zwei Lampen gleichzeitig brennen lasse, läuft er zu Hochform auf», sagt sie. «Wenn alle die Lichter bewusst einschalten, könnten wir ein AKW sparen», sagt er. Die Auseinandersetzung belebt die Beziehung. Bald wollen die zwei heiraten.

Günstigere Hypozinsen

Jeden Abend und an jedem Mittagessen hätten sie das Budget diskutiert, sagt Julia Max. «Die 140 000 Franken waren die Zahl, welche mich den ganzen Bau begleitet hat. Deshalb gab es auch keinen Knatsch. Da gab es eine klare Trennung. Und die Zahl habe ich am Ende auch eingehalten.» Natürlich musste er Abstriche machen. Die Beziehung habe deswegen nicht gelitten. «Es ist schon manche Partnerschaft an einem Neubau zerbrochen», weiss Stefan Schneeberger.

Treiber, Geld in ein Haus zu stecken, das wenig Energie verbraucht, war auch das Minergie-Label, welches sie unbedingt erreichen wollten. Warum? «Vielleicht Prestige. Andere haben eine grosse Kaffeemaschine, wir haben das Label», sagt sie. «Das Label dient als Anhaltspunkt für geprüfte Energiequalität. Es bedeutet Komfortsteigerung und es gibt Banken, die günstigere Hypozinsen dafür geben, und, und, und», sagt er. Dafür müssten gewisse Grenzwerte erfüllt werden, was den Bau natürlich verteuert.

Ästhetik mitentscheidend

Erst als der Neubau stand, kam die Idee, beim Solarpreis mitzumachen. Den Ausschlag für die Berücksichtigung, so vermutet Stefan Schneeberger, gab nicht der Mehrertrag von Strom, sondern die Architektur. «Wir wären nicht prämiert worden, wenn wir nicht einen ansprechenden Bau vorgewiesen hätten. Ich glaube, dieser Bau entspricht der gewünschten Richtung, ästhetisch. Technisch ist er vielleicht nicht ganz optimal.» Aus seiner Sicht, wohlverstanden.

Inzwischen ist aber seine Partnerin die beste Solarbotschafterin. «Wenn jeder seinen eigenen Strom produzieren würde, auf dem Dach, nicht irgendwo auf der Wiese, wird die Umwelt nicht weiter verschandelt, weil es keinen zusätzlichen Landverbrauch gibt, es braucht keine Windenergie und irgendwann kann man tatsächlich die Kernkraftwerke abschalten.» Und während er für reduzieren plädiert, sagt sie: «Wir können nicht reduzieren, aber irgendwann kaufen wir einen Stromspeicher, wenn diese einen attraktiven Preis haben.»

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