Gemeinderat Zuchwil
Analyse zeigt Auslagerungs-Möglichkeiten des Sportzentrums auf

Die Auslegeordnung einer Task-Force zeigt auf, wie die Zukunft des Sportzentrums aussehen könnte. Eine Möglichkeit wäre die Auslagerung der Infrastruktur. Dazu wäre aber die Beteiligung Dritter zwingende Voraussetzung.

Gundi Klemm
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Langfristig kann das Sportzentrum nur regionalisiert überleben.

Langfristig kann das Sportzentrum nur regionalisiert überleben.

Christof Ramser

Die Einwohnergemeinde Zuchwil (EG) ist Eigentümerin des seit 1982 bestehenden, regional und national wichtigen Sportzentrums (SZZ). Wirtschaftlich überleben kann die polysportive Einrichtung aber nur mit Zuwendungen aus der Gemeindekasse.

Denn jährlich fallen Beiträge für Renovationen, Unterhalt und Ersatzanschaffungen an. Schon 2012 hatte eine Untersuchung der Fachhochschule Nordwestschweiz ergeben, dass Zuchwil sich sein Sportzentrum eigentlich gar nicht leisten könne. Der Gemeinderat hatte daraufhin eine Task-Force unter der Leitung des früheren Gemeindepräsidenten Gilbert Ambühl berufen, um eine realistische Auslegeordnung zur Zukunft des Sportzentrums zu erhalten.

Gemeindepräsident Stefan Hug (SP) unterstützte den in der Ratssitzung ausgesprochenen Dank aller Fraktionen für diese «gute Grundlagenarbeit». «Es ist fast wie ein gordischer Knoten», betonte er die Komplexität der Verflechtungen zwischen Gemeinde und Aktiengesellschaft, die es aber in ihrer bestehenden Vereinbarkeit zu optimieren gelte.

Ambühl machte den Rat mit der Auswertung einer vergleichenden Studie zwischen dem SZZ und vier anderen Anlagen in der Schweiz bekannt, die als AG, als Genossenschaft oder im Fall Herisau direkt durch die Gemeinde geführt werden.

Bei all diesen bereits jahrelang bestehenden Institutionen ist die öffentliche Hand als Mitzahler beteiligt. Überall machen sich indes deren Verantwortliche Gedanken, wie der Erneuerungsbedarf getragen werden soll, zumal die Investitionslust der Standortgemeinden mangels freier Finanzen oftmals begrenzt ist. «In Zuchwil», so Ambühl «besteht grossmehrheitlich Einigkeit, dass sich das bisherige Betriebsmodell des Sportzentrums bewährt hat.»

Dafür sprächen der kostendeckende Betrieb, die hohe Identifikation von Bevölkerung und Behörden sowie eine enge Verbindung zwischen kommunaler Exekutive und SZZ-Organen bezüglich des operativen Geschäfts.

Ein Hinterfragen des bestehenden Modells und dessen Weiterentwickelung seien damit aber nicht ausgeschlossen. Denn allerlei Schwierigkeiten wie Interessenkonflikte, mangelnde Transparenz in finanziellen Teilbereichen und ungeklärte Zuständigkeiten zwischen EG und SZZ AG müssten ausführlich diskutiert werden.

Auslagerung Infrastruktur

Die Task-Force hatte als im «Szenarium 2» beschriebene Möglichkeit die Auslagerung der bis jetzt im Gemeindebesitz befindlichen Infrastruktur in die vorhandene Betriebsaktiengesellschaft oder in eine neue privatrechtliche Institution untersucht. Im letzteren Fall würde sich die Belastung der EG Zuchwil nur zum Positiven verändern, wenn sich andere Gemeinden, Firmen oder Institutionen an der AG beteiligen würden.

Die grosse Frage im Rat lautete deshalb «Finden wir Beteiligungspartner?» Anstelle einer Auslagerung besteht gemäss Ambühl als weitere Option: Verbleib der Infrastruktur im Eigentum der EG Zuchwil – aber ebenso mit Beteiligung Dritter. Deren Verpflichtung bestünde in einem Einkauf ins Aktienkapital und jährlichen Beiträgen. Damit würde die SZZ AG in die Lage versetzt, an die EG eine Marktmiete zu bezahlen.

Natürlich würden die beitragszahlenden Gemeinden Vertretungen in den Entscheidungsgremien sowie Sonderkonditionen für ihre Einwohner beim Besuch des SZZ erhalten.

Alles sistieren?

Bis zur Entscheidung Top 5 am 28. Februar 2016 sollte der gesamte Vorgang sistiert werden, beantragten Bruno Ziegler (FDP) und Carlo Rüsics (SVP). Der Gemeindepräsident und Vize Daniel Grolimund (CVP) widersprachen: «Da wir grossenteils diese Fragen unabhängig von einer Fusion lösen müssen und die Analyse der Task-Force nicht einfach auf Eis legen können, sollten wir die vorhandenen Anträge bereinigen.»

Mit 11:10 sah dies der Rat knapp genauso und nahm vom Bericht Kenntnis. Patrick Marti (SP) machte sich bei 5:4 und 14 Enthaltungen dafür stark, dass der Aktienanteil der Gemeinde von jetzt 60 Prozent gegenüber 40 Prozent in privaten Händen unverändert bleiben soll, während Heinz Schaller (SP) eher warnte, dass man sich mit einem solchen Beschluss zum Aktienanteil «keine Fesseln anlegen solle».

Aber: «Wer entscheidet über den Verkauf von Aktien»? Auch die Vereinbarkeit der Mandate in der Zusammensetzung des Verwaltungsrats zwischen politisch Verantwortlichen und Unabhängigen bedarf der Regelung, um Rollenkonflikte zu vermeiden.

Ebenso sollen alle Vereinbarungen zwischen EG und AG überprüft werden. Quantifiziert wird auch die Arbeit des Bau- und Planungsamtes für das Sportzentrum. «Szenarium 2» wird gemäss Ratsvotum 12 Ja, 10 Nein und einer Enthaltung eines Mitglieds im jetzigen SZZ-Verwaltungsrat weiterverfolgt.

Die Auswirkungen sind auch in der Schule spürbar

Die im Nationalrat und überall in der Öffentlichkeit stattfindende Asyldebatte wolle man im Rat nicht wiederholen, riet Gemeindepräsident Stefan Hug. «Hier und heute geht es um Zuchwil und alle Massnahmen in der mit Luterbach gebildeten Sozialregion. Wir wollen vorbereitet sein, wenn mehr Zustrom von Flüchtlingen stattfindet.»

Verfasst hatten den Bericht Schuldirektor Stephan Hug, Fredy Nussbaum als Leiter des Sozialwesens und der Gemeindepräsident. «Wir wollen Vorbereitungen prophylaktisch so treffen, um Asylsuchende zu Mitgliedern unserer Gemeinden zu machen», unterstrich Nussbaum den Grundsatz gemäss Auftrag des kantonalen Sozialgesetzes. Die aktuelle Lage zeige, dass die Sozialregion gegenwärtig 33 Dossiers Asylsuchender und 120 Personen als anerkannte Flüchtlinge betreue. Angekündigt für den Oktober sind weitere 13 Dossiers. Die Betreuung umfasst die Anmietung von Wohnraum, Sozialhilfeleistungen, Gespräche, Kontakte, Kurse, aber auch Sanktionen, wenn unumgänglich.

Im Schulwesen spüre man die Auswirkungen der Fluchtbewegungen ganz besonders, weil viele Kinder und Jugendliche durch unmenschliche Erlebnisse traumatisiert seien, so der Bericht. «Mehr als die Hälfte der nach Zuchwil zugezogenen Schülerinnen und Schüler im Schuljahr 2015/16 sind Flüchtlingskinder, die besonderer Unterstützung bedürfen.»

Laut Schuldirektor wird die Begleitung der Asyl- und Flüchtlingsfamilien durch zahlreiche Angebote von Schule und Lehrerschaft verstärkt. Und das wird Geld kosten. Im Budget ist für Aufgaben in der Asylkoordination bereits ein 1,5 prozentiges Stellenpensum vorgesehen, aber noch nicht bewilligt. «Es liegt nicht in unserem Sinn, den Stellenetat aufzublasen», betonte Hug, der sich bezüglich Massnahmen und Strukturen auf eine Zustimmung von 14:5 bei 4 Enthaltungen stützen konnte.

Er sicherte dem Rat ein regelmässiges «Reporting» über alle Vorhaben und insbesondere über den Einsatz von Personen als freiwillige oder bezahlte Kräfte zu. Angeregt wurde, hier sesshafte Migranten in das Betreuungskonzept einzubeziehen.

Luterbach sei über alle Planungen orientiert und habe gerade zwei Wohnungen für eine Familie und Einzelpersonen zur Verfügung stellen können, hiess es. Hug dankte für das Verständnis im Rat. (gku)

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