Biberist

An diesem Grümpelturnier sind Pyros nicht erlaubt, sondern gar erwünscht

Einen Schiedsrichter gab es auf dem Feld nicht. Bei Streitigkeiten mussten sich die Teams selbst einigen.

Einen Schiedsrichter gab es auf dem Feld nicht. Bei Streitigkeiten mussten sich die Teams selbst einigen.

Wenn sich Linke am «Antirassismus-Cup» zum Fussball treffen, braucht es keine Schiedsrichter. Sport steht beim Anlass nicht im Vordergrund. Beim Zünden der Pyros hat sich auch schon einer reflexartig vermummt.

Elf Jahre Antiracup Soletta: Die rauschende Jubiläumsparty auf dem Biberister Buchrain an der Solothurner Stadtgrenze dauerte zwei Tage. Das Grümpelturnier, an dem Antirassisten mit Asylsuchenden Fussball spielen und daneben verschiedene Bands Konzerte geben, lockte mehrere hundert Menschen an.

Auf dem holprigen Acker, wo sonst Pferde weiden, spielten am Wochenende «Pro Bier» gegen «Reaktor Tschernobyl» und die «Tussifraktion» gegen «Lakuzistan». Das bunte Treiben nannten die Organisatoren Fussball, doch die Party war wichtiger als der Sport. Pyros und Feuerwerk waren am Spielfeldrand für einmal nicht nur erlaubt, sondern sogar erwünscht. Trotzdem vermummten sich einige Teilnehmer reflexartig, sobald einer Feuerwerk zündete.
Der linke Flügel dominierte beim Antiracup – aber nur politisch. Sportlich rannten die meisten ziemlich planlos durch die Mitte dem Ball hinterher. «Wir setzen an diesen Tagen ein gemeinsames Zeichen, auf wie auch neben dem Fussballfeld. Der Antiracup richtet sich gegen jegliche Diskriminierung.» So lautete die recht vage Zielsetzung auf der Homepage www.antiracup.ch.

Basisdemokratische Entscheide und Angst vor Rechtsextremen

Um eine Person zu bestimmen, die im Namen der Solothurner Organisatoren diese Ziele etwas genauer definiert und den eingeschlagenen Weg erklärt, wurde ein basisdemokratischer Entscheid nötig, der eine gute halbe Stunde dauerte. Doch die durch das Gremium bestimmte Person wollte anonym bleiben mit der Begründung, sie habe Angst davor, dass sonst plötzlich Rechtsextreme vor der Tür stehen könnten. Das Argument, dass man zu seinen Idealen und Anliegen stehen muss, wenn man gehört werden will, wirkte nicht.

Teams wie die «Tussifraktion» sorgten für Farbtupfer am Antiracup.

Teams wie die «Tussifraktion» sorgten für Farbtupfer am Antiracup.

Und so spielten auf dem Buchrain Antirassisten mit Asylsuchenden Fussball, und alle feierten zusammen eine rauschende, zweitägige Party. Man klopfte sich freundschaftlich auf die Schultern und bestärkte sich in der gemeinsamen Meinung – ohne diese Meinung ernsthaft gegen aussen zu tragen. Wenn man in der Gesellschaft etwas bewirken möchte, wäre es nicht wirkungsvoller, einen Antiracup zu organisieren, bei dem bekennende «Ausländer-raus-Nationalisten» zusammen mit Asylsuchenden eine Mannschaft bilden? Niemand von den Organisatoren war bereit, sich öffentlich solchen Fragen zu stellen.

Kompromiss statt Schiedsrichter

Der Antiracup war ein Treffen Gleichgesinnter, die sich gegenseitig Transparente mit Schlagworten wie «Freundschaft», «Solidarität» oder «Widerstand» zeigten und sich moralisch unterstützten. In den USA nennt man das eine in sich geschlossene Blase, eine «Bubble». Die politisch extreme Linke blieb unter sich, definierte sich über ihre Feindschaft gegenüber den Rassisten und den Neonazis und genoss die Einigkeit. So wurde der 11. Antiracup zu einem schönen Fest mit guter Musik, feinem Essen und freundschaftlicher Stimmung. Teams wie die «Tussi Fraktion» sorgten für karnevaleske Farbtupfer, während andere Mannschaften den von Spiel zu Spiel wachsenden Ehrgeiz nicht verstecken konnten. Sportlich gesehen ist der Antiracup – wie jedes andere «Grümpelturnier» – wertlos. Weil auf einer holprigen Wiese gespielt wurde, sah man immer wieder wegen Misstritten humpelnde Teilnehmer.

Einen interessanten Ansatz fanden die Antiracup-Organisatoren in Sachen Fairplay: Schiedsrichter gab es keine, die Teams mussten im Zweifelsfall selber einen Kompromiss finden. Für den Jubiläumscup wurde eine zusätzliche Punkteverteilung eingeführt: Jedes Team erhielt am Ende der Gruppenphasen die Möglichkeit, das fairste Team seiner Gruppe auszuzeichnen. Das meistgewählte Team erhielt zusätzliche 3 Punkte – die für das Weiterkommen in die zweite Phase entscheidend sein konnten.

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