Die Bandentüre trennt im Hockeystadion Anspannung und Entspannung, Kampf und Erholung. Sie wird während eines Eishockeyspiels betreut. Beim Eishockeyclub Zuchwil übernimmt diese Aufgabe der zweite Torhüter. «Das ist in der Schweiz üblich, nicht so aber in der nordamerikanischen Liga NHL», berichtet der 22-jährige Sandro Zaugg. Er betätige, wenn er nicht gerade in einem Team der erste Goalie ist, die Türe, seit er begonnen hatte, Hockey zu spielen.

Das war im Alter von 8 Jahren. Die Arbeit an der Bandentüre ist ein wichtiges Mosaiksteinchen im Teamwork. Körperkontakt ist im Eishockey extrem wichtig. Etwa im Kampf mit den Gegenspielern, wenn an der Bande um den Puck gerangelt wird, oder ein Spieler gecheckt wird, dass Bande und Knochen krachen, oder der Puck führende Spieler vom Gegner mit der Kelle des Hockeystocks traktiert wird oder ganz einfach mit dem Körper blockiert wird.

Der zweite Torhüter Sandro Zaugg bedient die Bandentüre beim Spiel seines Teams im Sportzentrum Zuchwil.

Der zweite Torhüter Sandro Zaugg bedient die Bandentüre beim Spiel seines Teams im Sportzentrum Zuchwil.

Der Körperkontakt beschränkt sich aber nicht auf das Eisfeld. So drückt beispielsweise der Zuchwiler Trainer vor dem ersten Einsatz jeden Spieler einzeln an der Bandentüre. Das «Drücki» mit Umarmung ist stark ritualisiert und überträgt viel Energie, ist zu vermuten. Die Jungs vom Eishockeyclub Zuchwil brausten auf jeden Fall von der ersten Sekunde an los, wie von der Tarantel gestochen.

Verlängerung des Trainers

Der zweite Torhüter Sandro Zaugg lebt in Langnau und spielte die letzten zwei Jahre in Ajoie. Zaugg kann als Verlängerung des Trainers betrachtet werden. Auch in Sachen Körperkontakt, denn er verteilt an der Bandentüre gezielt Streicheleinheiten in Form eines Klapses auf die Schulter. Bei jedem Wechsel der Teams auf dem Eis erhält jeder heranrauschende Spieler einen Klaps. Die Wechsel kommen im Minutentakt und so auch die Streicheleinheiten.

Die oft total ausgepumpten Spieler wissen das Lob zu schätzen. «Wenn die Spieler vom Feld kommen, gehört das dazu. Als Anerkennung für das, was sie geleistet haben», erklärt Zaugg. Schultern klopfen, wie er sagt, sei gang und gäbe in der höchsten Liga, ansonsten rede ihm aber niemand rein oder sage, wie er es machen müsse.

Schiesst eine Gruppe des Teams ein Tor, gibt es ein Sonderlob. Neben der Streicheleinheit auf die Schulter erhält jeder Spieler eine Streicheleinheit auf den Kopf respektive auf den Helm. So rau und wild das Spiel ist, so liebevoll ist der Umgang mit den Spielern an der Bandentüre und auf der Spielerbank. Liebesentzug gibt es aber, wenn der Gegner ein Tor schiesst. Denn die Gruppe, die das Tor kassiert hat, erhält an der Bandentüre keine Streicheleinheit. Nichts.

Neben dem Verteilen von Aufmerksamkeiten muss Sandro Zaugg immer sehr präsent sein. «Man muss alles im Blick haben und bereit sein, die Türe sofort zu öffnen. Die Spieler schätzen es nicht, wenn die Bandentüre nicht offen ist, wenn sie hineinkommen wollen.» Es sei aber auch schon mal vorgekommen, dass er die nur von innen zu öffnende Türe nicht richtig verschlossen hat, und ein Spieler bei
einem Bandencheck auf der Spielerbank landete.