Horriwil

Am stimmigen Märetfescht sind die Besucher vielen Versuchungen ausgesetzt

Ein Schild auf einem Stand mit Kartoffelspezialitäten richtet sich an alle Besucher: «Versuchungen sollte man nachgeben, wer weiss, wann sie wiederkommen.»

Ein Schild auf einem Stand mit Kartoffelspezialitäten richtet sich an alle Besucher: «Versuchungen sollte man nachgeben, wer weiss, wann sie wiederkommen.»

Wie will man im nahenden Herbst unterwegs sein? Wie sieht die Wegzehrung aus? Was braucht man fürs Gemüt? Objekte der Begierde, Ideen und Anregungen fand man auf dem stimmigen Horriwiler Märetfescht vom letzten Samstag zuhauf.

Bereits zum dritten Mal hatte die Gemeinde Horriwil zum Märetfescht eingeladen, das alle drei Jahre durchgeführt wird.

So übten viele Kinder das Unterwegssein mit einem Alpaka-Trecking auf dem Sportplatz. Fast andächtig hielten sie die lustigen Tiere an der Leine, die brav hinter ihnen her trippelten. Unterwegs zu Pferd? Am Stand der Freiberger Pferde Stiftung wurde man informiert, dass die Freiberger die letzte von 19 Schweizer Pferderassen ist.

Viel Aufmerksamkeit erhielt auch der Stand der Kantonspolizei oder besser das ausgestellte Polizeiauto – aber mit einem Polizeiauto unterwegs zu sein, wäre doch etwas zu auffällig. Dann vielleicht mit einem Stehroller? Auf einem einzigen batteriegetriebenen Rad? Mit und ohne Lenker? Das braucht viel Geschick und noch mehr Gleichgewichtssinn. Ein Knirps murmelte fassungslos vor sich hin: «Warum machen Erwachsene das?»

Ein Schild auf einem Stand mit Kartoffelspezialitäten: «Versuchungen sollte man nachgeben, wer weiss, wann sie wiederkommen.» Und die zahlreichen Marktbesucherinnen und -besucher waren vielen kulinarischen Versuchungen ausgesetzt, denen noch so gerne nachgegeben wurde. Selbstgemachte Bündner Nusstorte? Plundergebäck oder feine Crèmeschnitten, auf denen die Wespen allerdings ihre Generalversammlung abhielten?

Wenn man auf den Gesichtern vor und hinter den über 70 Ständen einen Anflug von Glückseligkeit entdeckte, dann wurde mit Sicherheit auf einer belgischen Waffel – mit flüssiger Schokolade oder Apfelmus bestrichen – herumgekaut: die perfekte Wegzehrung in den Herbst. Auch die Dorfvereine und die Guggemusig waren gastfreundlich und verlockten – mit Risotto, Bami Goreng und vielen guten Dingen mehr – zum gemütlichen Beisammensein bei musikalischer Unterhaltung bis spät in die Nacht.

Viel Zierliches, Wärmendes, Hübsches gab es an den Ständen kreativer Provenienz zu bestaunen und zu erstehen. Es wurde genüsslich darüber diskutiert, ob jetzt Fensterketten mit eckigen oder runden Formen im Sinne von Feng Shui seien. Eine Familie hatte sich vor einem Stand mit fantasievollen Strampelhöschen aufgebaut. Der Vater bedeutungsvoll zur Teenagertochter: «Das waren noch Zeiten, als du in sowas hineinpasstest – ohne die ständigen Widerworte.» Die Tochter schaute sybillinisch in den grauen Himmel, unter dem die Luftballone kreuzten. Unordnung in der Handtasche? Damit machten selbstgenähte Täschchen mit der Aufschrift «Tussenkram» oder «Mädchenzeug» ein Ende.

Fürs Gemüt warteten auch charmante kleine Puppen auf einen neuen Platz in einer Couchecke, flogen zierliche Schmetterlinge über Gefässe aus Beton, machten Mohair- und Alpakawolle in Herbsttönen auf sich aufmerksam. Und wer bereits Lust auf Christbaumkugeln oder Windlichter hatte, konnte diese unter kundiger Anleitung in der Glaswerkstatt selber blasen.

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