Lohn-Ammannsegg
Am Bahnhof soll es Wohnungen statt mehr Industrie geben

Lohn-Ammannsegg will das Gebiet des Bahnhofs Lohn-Lüterkofen umkrempeln. Der Durchgangs- soll ein Aufenthaltsort werden. Das Konzept führt aber auch zu Kritik von einem ansässigen Gewerbebetrieb.

Christof Ramser
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Das Bahnhofsareal soll umgekrempelt werden.

Das Bahnhofsareal soll umgekrempelt werden.

Christof Ramser

Nein, ein Ort, an dem man sich aufhalten will, ist der Bahnhof Lohn-Lüterkofen nicht. Im Gegenteil. Wer hier auftaucht, ist kurz darauf wieder weg. Mit dem Zug zur Arbeit oder zur Schule, mit dem Lastwagen im Industriegebiet, mit dem Auto zum Lebensmittelladen. Irgendwo dazwischen versuchen Fussgänger und Velofahrer, sich ihren Weg zu bahnen. Keine einfache Aufgabe. Das Areal wirkt planlos und die Infrastruktur wie im Verlauf der Jahrzehnte hingeworfen.

Nun will Lohn-Ammannsegg den Durchgangs- zum Aufenthaltsort umgestalten. «Der Bahnhof wird das Tor zum Bucheggberg und zum Kanton Solothurn», skizzierte Gemeindepräsident Markus Sieber seine Vision an einer Informationsveranstaltung. Die Züge des RBS fahren im 10-Minuten-Takt, Passagiere steigen trockenen Fusses um. Parkplätze sind unter dem Boden, im «Filetstück» zwischen Kantonsstrasse und Geleisen gibt es ein Bistro. Ein Dienstleistungszentrum mit Gewerbe und einer Arztpraxis versorgt die Bevölkerung der Umgebung.

Der Bahnhofplatz befindet sich neben dem renaturierten Biberenbach beim Kreisel. Der Gewässerraum ist aufgewertet und zugänglich. Und vor allem ist der Verkehr dank einem Gesamtverkehrskonzept entflechtet. Der Bahnhof ist laut Sieber die Visitenkarte einer «urbanen Gemeinde im ländlichen Gebiet», Lohn-Ammannsegg das Bindeglied zwischen dem Bucheggberg und der Agglomeration Solothurn.

Bevölkerung ist gefragt

Bis es so weit ist, dürften Jahrzehnte vergehen. Siebers Wunschbild stammt aus dem Jahr 2055. In einem ersten Schritt ist nun die Bevölkerung gefragt. Bis zum 30. September kann sie sich in der öffentlichen Mitwirkung zu den Plänen äussern. Anschliessend werden die Antworten ausgewertet, bevor am 7. November der Gemeinderat ein Konzept verabschiedet. Dieses wird für die anstehende Ortsplanungsrevision verbindlich sein.

Infrage gestellt wird die Planung von den Betreibern des Lagerhauses Lohn, die um ihre Zukunft fürchten (siehe Kontext unten). Denn neben der öffentlichen Nutzung soll der Wohnanteil gesteigert werden. Ein grosser Schritt in diese Richtung wird mit dem Wohnturm des Unternehmers Andreas Wyss gemacht. Expandierende Industriebetriebe haben im Gebiet indes keinen Platz.

Laut Projektleiterin Selina Bleuel sind Wohnungen im Bahnhofsareal genau das richtige Mittel, um die Zersiedelung einzudämmen. «Die Verdichtung ist in Bahnhofsnähe gut möglich.»

«Mehr Aufenthaltsqualität»

Bleuel erklärte, wie die Erschliessung der Industrie Ost verbessert werden soll. Als Fernziel soll neben dem Denner, dort, wo heute die Lagerhaus-Tankstelle steht, ein Kreisel gebaut werden. Der Industrieverkehr würde über diese Achse abgewickelt. Eine Verschiebung des Bahnübergangs sei aufgrund des Eisenbahngesetzes unmöglich, auch eine zusätzliche Erschliessungsstrasse östlich der Geleise sei aus raumplanerischer Sicht undenkbar.

Die Bushaltestelle wird nach Süden Richtung Landi verschoben. Und langfristig führt eine neue Personenunterführung neben dem Hochhaus ins Naherholungsgebiet. «Die Aufenthaltsqualität wird so gesteigert», ist Bleuel überzeugt.

Bahnhof nicht verschieben

Aus dem 40-köpfigen Publikum wurden Wünsche geäussert. So schlug Andreas Wyss vor, das Bahnhofsgebäude nach Süden zu verschieben, weil dadurch viel Platz freigeräumt würde. Ein anderer Vorschlag war, den Bahnschalter wieder zu reaktivieren und gleich mit der Post zusammenzuführen. Roman Zürcher von der RBS zerschlug diese Hoffnungen. «Wir stehen unter enormem Spardruck.» Zusätzliches Personal sei nicht vorgesehen. Auch die Bahnhofsverschiebung sei aus Kostengründen und aufgrund des Denkmalschutzes kaum möglich.

Eine Verbesserung für die Bahnnutzer präsentierte Zürcher mit dem Viertelstundentakt und der Perronverlängerung. Spätestens ab 2025 werde man nicht mehr auf der Rückseite des Bahnhofs ein- und aussteigen müssen. Und bereits mit dem Fahrplanwechsel im Dezember brauchen ankommende Passagiere nicht mehr kreuzende Züge abzuwarten, bevor sie über den Übergang nach Hause gehen können.

Anwohnerkritik: «Konzept ist eine Zwängerei»

Rund um den Bahnhof Lohn-Lüterkofen soll nicht nur gearbeitet, sondern auch gewohnt werden. Das Lagerhaus Lohn wehrt sich gegen die Pläne der Gemeinde. «Unser Betrieb würde dadurch total eingeschränkt», sagt Geschäftsführer Walter Steiner. Das Lagerhaus beschäftigt nach eigenen Angaben 50 Mitarbeiter, erwirtschaftet einen Umsatz von 36 Millionen Franken und ist der drittgrösste Abpackbetrieb für Kartoffeln in der Schweiz. Beliefert werden unter anderem Detailhandelsbetriebe wie Migros und Aldi. «Mit dem Entwicklungskonzept wäre es für uns unmöglich, den Betrieb zu erweitern.»

Nicht die Aufhebung der Tankstelle für den Kreisel beim Denner sei das Problem, sondern die Mischnutzung auf der Ostseite der Geleise. Bereits heute komme es auf den engen Strassen aufgrund des Schwerverkehrs zu gefährlichen Situationen. Mit zusätzlichen Wohnungen würden Unfälle geradezu provoziert, befürchtet Steiner. Denn das Lagerhaus ist auf Expansionskurs, eine zusätzliche Pack- und Versandhalle ist geplant. Steiner bezeichnet das Bahnhofskonzept als Zwängerei. «Der Gemeinderat hängt einer Utopie nach.» Lohn-Ammannsegg habe andernorts genügend Bau- und Wachstumsmöglichkeiten.

Laut Gemeindepräsident Markus Sieber ist die Besitzstandgarantie des Lagerhauses gewährt. Innerhalb der bestehenden Zone könne sich die Industrie weiterentwickeln. Aber eben nicht darüber hinaus. Ein späterer Wegzug des Betriebs könne sinnvoll sein. «Wir wollen das Gewerbe nicht loswerden», sagt Sieber. Aber irgendwann werde der Betrieb vielleicht zu gross für das Dorf. Dann könnte das Lagerhaus-Areal umgenutzt werden. Die Einsprache des Lagerhauses gegen die Planungszone hatte der Gemeinderat abgewiesen. Derzeit ist die Beschwerde beim Regierungsrat hängig. (crs)