Sollen Sterbehilfeorganisationen wie Exit oder Dignitas Zugang ins Alters- und Pflegeheim Derendingen-Luterbach (Tharad) erhalten? Vorstandspräsident Tony Broghammer und Geschäftsführer Karl Zgraggen kamen extra in den Gemeinderat, um diese Frage zu erörtern. Entscheiden muss dann die Delegiertenversammlung. Aber der Gemeinderat beider Dörfer kann ihre Delegierten mandatieren. Und am besten wäre es, so Broghammer, wenn die Trägergemeinden dieselbe Haltung vertreten würden.

Im letzten Sommer hat der Kanton neue Richtlinien über die Zutrittsgewährung von Sterbehilfeorganisationen erlassen. Auslöser für die neuen Richtlinien seien der gesellschaftliche Wertewandel sowie Anregungen aus den Alters- und Pflegeheimen. Konkret ist es den Heimen nicht mehr verboten, diesen Zutritt zu gewähren. Sie können neu selber entscheiden.

«Sie sollen hier sterben dürfen»

«Wir haben ab und zu Patienten, die Exit-Mitglied sind. Was sollen wir tun, wenn diese Patienten Exit in Anspruch nehmen wollen?», beschreibt Karl Zgraggen das Dilemma. «Sollen wir sie dazu auffordern, das Heim für diesen letzten Akt zu verlassen, und sie sterben irgendwo in einem Zimmer in der Industriezone?» Tony Broghammer will seinen Patienten diese Tortur ersparen. «Der Tod muss würdevoll passieren. Die Patienten wohnen im Tharad, sie sollen hier auch sterben dürfen.»

Geschäftsleiter Karl Zgraggen hatte im Tharad Umfragen durchgeführt zur Frage, ob die Sterbehilfeorganisationen zugelassen werden sollen. Die Zustimmung im Kader war sehr hoch. Bei den Mitarbeitenden wurden zwei Umfragen durchgeführt, damit auch alle ihre Meinung kundtun konnten. Während die erste Umfrage ebenfalls eine hohe Zustimmung zeigte, erklärten bei der zweiten Umfrage rund ein Drittel der Teilnehmenden, dass sie gegen einen Zutritt von Exit oder Dignitas sind. «Für mich ist klar, dass wir im Tharad diese Organisationen zulassen sollten», Zgraggen sein Fazit. Dabei soll einzig das Zimmer zur Verfügung gestellt werden. «Aber wir helfen in keiner Art und Weise bei der Organisation, die Mitarbeitenden müssen nicht dabei sein, und sie dürfen keine Beihilfe leisten.» Zgraggen erklärte, dass die Belastung trotzdem hoch sein würde. «Was bedeutet es wirklich, wenn man weiss, man bringt dem Patienten jetzt das letzte Essen. Zudem wird jeweils auch die Staatsanwaltschaft ermitteln, was ein stundenlanges Ausharren bedeuten kann», beschreibt die Problematik.

Kein Sterbehospiz

Im Gemeinderat befürworteten alle Parteien das Vorgehen, assistierte Suizidhilfe durch Sterbehilfeorganisationen im Tharad zuzulassen. Was aber klar nicht gewünscht wird, ist ein Sterbetourismus, dass Sterbewillige nur für das Sterben ins Tharad kommen. «Wir begrüssen es, dass die Tharad-Bewohner künftig Sterbehilfeorganisationen in Anspruch nehmen können, aber nicht im Sinne eines Sterbehospizes sondern im Sinne der Selbstbestimmung», erklärte Markus Baumann (SP). Der Gemeinderat gab klar Zustimmung für das Vorgehen der Tharad-Verantwortlichen. Auch die Tharad-Delegierten Derendingens sollen in diesem Sinne instruiert werden.