Bellach

Alle wollen ihre Gemeinderatsitze halten

«Bellach Ost darf kein Getto werden», fordert Anton Probst, FDP-Ortspartei.

«Bellach Ost darf kein Getto werden», fordert Anton Probst, FDP-Ortspartei.

Die Wahlen versprechen im Vorfeld keine Verschiebungen, aber das Volk hat letzte Wort.

Als letzte Gemeinde in der Region wählt am 2. Juli Bellach den Gemeinderat. Elf der 13 Gemeinderäte treten erneut an. Wie vor vier Jahren. Damit ist gleich gesagt, dass grosse Veränderungen in Bellach unwahrscheinlich sind. Von den elf Bisherigen waren vor vier Jahren deren sieben schon Bisherige. Damals kam es zu einer Sitzverschiebung im bürgerlichen Lager. Die SVP schnappte der FDP einen Sitz weg. Holt sich die FDP den Sitz zurück?

«Wir sind glücklich, wenn wir unsere fünf Sitze halten können», sagt Parteipräsident und Alt-Gemeindepräsident Anton Probst. Sollte ein sechster Sitz dazukommen, nehme man den gerne, aber das sei nicht ein Wahlziel: «Wir wollen die Bevölkerung überzeugen.» Etwa mit dem Einsatz für die Umwelt, so Probst. Der Bellacher Weiher soll saniert werden und die Witischutzzone unangetastet bleiben. «Wir organisierten an Auffahrt einen Rundgang, den 60 Personen besuchten.»

Die Ortsplanungs-Revision soll einen Abschluss finden. «Bellach Ost soll mittels eines guten Gestaltungsplans ins Dorf integriert werden. Es darf kein Getto werden.» Auch der Verkehr liege der FDP am Herzen. «Die Situation auf der Bielstrasse muss bereinigt werden. Die Staus sind inakzeptabel. Der Fluchtverkehr wächst und damit die Gefahren für die Schulkinder. Das Gewerbe und die Industrie leiden, weil die Fahrzeuge im Stau stecken bleiben.» Und natürlich will die FDP für die Wirtschaft gute Rahmenbedingungen schaffen. «Mit straffen Baubewilligungsverfahren und dem Steuersatz.» Dieser könne aber erst nach Abtrag des Bilanzfehlbetrages gesenkt werden.

Stolz ist Probst auf die Kandidatinnen und Kandidaten mit einem Durchschnittsalter von 39 Jahren. «Auch die Jungen interessieren sich für die Politik.» Das stimme ihn positiv für die Zukunft. Vielleicht kommt dann der an die SVP verlorene Sitz wieder zurück.

«Sicher ist nichts»

Wirklich wehren kann sich die SVP nicht mehr. «Wir haben keine Aktionen geplant», erklärt Parteipräsident und Vizegemeindepräsident Fritz Lehmann. «Wir versuchen unter dem Jahr gute Politik zu machen.» Die Hoffnung sei schon da, die drei Sitze der SVP im Gemeinderat Bellach halten zu können. «Aber eben, sicher ist nichts.» Plagten Lehmann im letzten Jahr noch Abgangsgelüste, seien diese mittlerweile verflogen. «Mit meiner Wahl ins Vizegemeindepräsidium und vor allem mit meiner Demission aus dem Kantonsrat habe ich genügend Zeit zur Verfügung, mich fürs Dorf einzusetzen.»

Da wären beispielsweise «übertriebene Verkehrsmassnahmen». «Ich bin nicht grundsätzlich gegen Tempo 30, aber braucht es Tempo 30 überall?» Die SVP werde sich auch gegen übertriebene Ausbaustandards auf Kantonsstrassen wehren. «Das nervt mich. Der Kanton baut und wir müssen anteilig zahlen.» Und auch die Finanzen von Bellach, die erstmals seit langer Zeit wieder in die positive Richtung gingen, sei der Partei ein Anliegen. Zur Nachtabschaltung könne er sich nicht wirklich äussern. «Ich wohne zu abgelegen. Aber ich sage immer, baut Strassenlampen zu mir hinunter an die Aare, dann könnt ihr mit der Nachtabschaltung viel einsparen.» Die Fehler seien früher gemacht worden, als man jeden «Lumpenweg» mit Laternen zierte.

«Haben keine Fehler gemacht»

Der Trumpf der SP ist die ausgewogene Liste, findet Co-Präsidentin und Gemeinderätin Heli Schaffter. «Wir haben Ältere und Junge und neben fünf Männern kandidieren vier Frauen.» Weiter haben einige Kandidaten Migrationshintergrund, und «wir haben Zuzüger und Eingesessene, das ist ja wichtig in Bellach». Man gehe wieder mit den Grünen (Felix Glatz-Böni) und auch mit zwei parteiunabhängigen Personen ins Rennen.

Heli Schaffter ist überzeugt, dass die Linke wieder drei Sitze machen wird. «Wir haben keine grossen Fehler gemacht und harmonieren gut. Die letzten Wahlen im Kanton haben zudem gezeigt, dass die Linke zumindest keine schlechte Ausgangslage hat.» Schaffter kokettiert gar mit einem vierten Sitz. «Nicht dass wir gegen jemanden antreten wollen. Wir schauen für uns. Auch im Gemeinderat herrscht eine gute Stimmung.» Sie denke nicht, dass der Versuch mit der Nachtabschaltung der Liste schaden wird. «Klar sind wir mehrheitlich dafür. Aber wir haben unsere Mitglieder und Sympathisanten angehalten, ihre Meinung dazu kund zu tun. Wir haben ihnen nicht gesagt, sie sollen für oder gegen die Nachtabschaltung schreiben.»

«Schwierige Mission»

Die Nachtabschaltung ist auch für André Schneeberger ein Thema. Er sei dafür. Die Mehrheit der Bevölkerung aber eher nicht. «Das gilt es zu respektieren», so der Präsident der CVP Bellach. Überhaupt gelte es, Mehrheitsentscheide und Beschlüsse, etwa im Gemeinderat zu respektieren. Die CVP sie national das Zünglein an der Waage. «In der Gemeinde wünschte ich mir, dass die CVP mit einer Stimme spricht. Wir können schon unterschiedlicher Meinung sein, aber wir sollten eine klare Meinung bilden und diese vertreten.»

Zwei Sitze hält die CVP aktuell im Gemeinderat. Zugpferd Stefan Henzi hat schon vor einiger Zeit demissioniert. Sein Nachfolger demissioniert ebenfalls auf Ende Legislatur. «Das macht unseren Wahlkampf zu einer schwierigen Mission.» Die CVP will noch mit einigen Aktionen auf sich aufmerksam machen und Wählerstimmen gewinnen. Denn absolutes Ziel, so Schneeberger, sei das Halten der zwei Sitze.

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