Emotionen bestimmen oft das Thema Wasserversorgung. Das mussten ab 2013 auch die Mitglieder der Verwaltungskommission der Gruppenwasserversorgung Unterer Leberberg rund um den Präsidenten Rainer Hug zur Kenntnis nehmen. Die Wasserversorgung sollte neu strukturiert werden. Die Statuten, 1983 noch gemeinsam mit Cellulose Attisholz formuliert, entsprachen nicht mehr der Realität. Bis 2008 bezog beispielsweise die Cellulose rund zwei Drittel des Wassers. Danach waren die verbliebenen Trägergemeinden auf sich allein gestellt. In weiter Ferne drohte im Jahr 2026 das Auslaufen der Konzession für die Wasserentnahme auf dem Areal Attisholz Süd. Eine neue Konzession für das dortige Pumpwerk 11 ist mit der rasanten Entwicklung in Attisholz Süd gefährdet, weil das Pumpwerk nicht mehr freistehend, sondern mitten in einem Industriegebiet liegt. Weiter entsprach der Zweckverband einem Flickenteppich mit acht Trägerschaften (inklusive Zweckverband), die verschiedenste Bedürfnisse haben und für unterschiedliche Leistung gleich viel bezahlen.

Die Verwaltungskommission erarbeitete mehrere Varianten für die Zukunft der Wasserversorgung und kokettierte gar mit einem Zusammengehen mit dem Wasserverbund Region Solothurn. Das führte aber bei einigen Trägerschaften zu Feuer im Dach. Zu voreilig empfand man ein Zusammengehen mit dem Nachbarwasserverbund. Dies wohl im Wissen über die Empfindlichkeit der eigenen Bevölkerung, die sich mit dem Verlust der Unabhängigkeit in der eigenen Wasserversorgung konfrontiert sehen könnte.

Alle Hürden genommen

Später kamen weitere Hürden hinzu, die überwunden werden mussten, wie beim Reservoir Hinter-Riedholz zu erfahren war. Dorthin eingeladen hatte Rainer Hug, Präsident des Zweckverbandes, um die neuen Strukturen zu erläutern. Gaudenz Schütz, Gemeindepräsident von Attiswil, welches den Zweckverband zur Lieferung von Zuschusswasser nutzt, wies darauf hin, dass seine Gemeindeversammlung vorsorglich gar den Austritt per Ende 2019 beschlossen hatte. «Wir haben uns alle möglichen Alternativen bis hin zur Erschliessung eigener Quellen überlegt. Der Austritt erfolgte, weil wir nicht wussten, was uns erwartet.» Nun aber, mit der klaren, neuen Struktur, wie sie Rainer Hug im Reservoir nochmals erklärte, könne er wieder für den Zweckverband werben, dem Attiswil seit 1944 angehört. «Wir haben gesehen, dass in den Verhandlungen die Wünsche der einzelnen Gemeinden berücksichtigt wurden. Die Gruppenwasserversorgung gewinnt mit der neuen Struktur an Schlagkraft und an Professionalität.»

Von einer einfacheren Struktur sprach Jasmine Huber, Gemeindepräsidentin von Riedholz. «Es wurde eine faire Lösung gefunden, und für die meisten wird der Wasserbezug günstiger.» Es sei nicht einfach gewesen, alle sieben Trägergemeinden auf eine Linie zu bringen. «Ich denke, was wir erreicht haben, ist eine tolle Leistung.»

Am härtesten dürften die Verhandlungen mit Luterbach gewesen sein, werden doch künftig dort die Wasserkosten nicht geringer. «Wir konnten bis an den Schluss nie abstreifen, dass wir die neue Regelung beim Kostenverteiler als nicht gerecht anschauen, aber mit Biogen ist ein Player dazugestossen, der uns hilft.» Luterbachs Position bleibe, wie schon von Beginn an kommuniziert, so Ochsenbein. «Wir sehen die neue Struktur der Wasserversorgung als einen Zwischenschritt zu einem grösseren Wasserverbund.»

«Konsens gefunden»

Auch die Bürgergemeinde Rüttenen, die den Grossteil des Dorfes mit Wasser versorgt, begrüsst das neue Konstrukt. «Die Gruppenwasserversorgung hat immer uns gehört, und das wird auch künftig der Fall sein», so Bürgergemeindepräsident Paul J. Dietschy. Ausschlaggebend sei aber der Wille gewesen, einen Konsens zu finden. «Denn denkt daran, alle Gemeinden müssen zustimmen, sonst geht das Projekt bachab.»

Die Änderung muss nun von allen sieben Trägerschaften angenommen werden. Die Verantwortlichen werden den Abstimmungen an den entsprechenden Gemeinde- und Bürgergemeindeversammlungen in den kommenden Wochen mit Spannung entgegenschauen.