Stolz und mit einem Lächeln im Gesicht sieht man die neuen Mitglieder der Läufergruppe auf den Sportplatz laufen. Einige sind bereits mit zweckmässiger Bekleidung ausgerüstet. Weitere treffen in Jeans und Schuhen ein, die offensichtlich nicht aus einem Sportladen stammen. Der Motivation tut dies aber keinen Abbruch.

Schon das zweite Mal können die zwölf Asylsuchenden am wöchentlichen Training der Läufergruppe Derendingen teilnehmen. Das Angebot, das die Integration fördern soll, wurde durch den Sozialdienst Wasseramt Ost eingeführt.

Gabriele Werthmüller, die als Sozialarbeiterin tätig ist, steht die Begeisterung im Gesicht geschrieben. «Ich finde es toll, dass wir die Asylsuchenden eine Abwechslung zum Alltag bieten können», sagt sie zufrieden. Die Sozialarbeiterin ist selbst eine begeisterte Läuferin und eine treue Teilnehmerin des Bieler Hunderter und hat diesen bereits schon gewonnen. «Olaf Wirtz, der Leiter des Sozialdienstes, schlug mir vor, die Flüchtlinge in die Läufergruppe zu integrieren.» Für Werthmüller, die nebst den Trainingsbesuchen auch im Vorstand des Vereins tätig ist, schien dieses Angebot geeignet und fördernd.

Die Verständigung klappt

Als die Sozialarbeiterin zusammen mit den Asylsuchenden beim Versammlungsort eintrifft, steht die Läufergruppe Derendingen schon mit ihrer Ausrüstung samt Walking-Stöcken bereit. Auch wenn das regnerische Wetter nicht die besten Voraussetzungen bietet, beklagt sich keiner darüber. «Das heutige Training ist etwas speziell», sagt Werthmüller.

Die parallele Veranstaltung von «schweiz.bewegt» ermöglicht es der Gruppe, die Strecke des jährlich durchgeführten Abendlaufs unter die Füsse zu nehmen. Obwohl sich dieser Lauf über eine Distanz von zehn Kilometern erstreckt, bleibt Werthmüller zuversichtlich. «Die Flüchtlinge sind alle sehr motiviert und Einzelne konnten beim letzten Training sehr gut mit unseren besten Läufern mithalten.»

Die gesamte Läufergruppe Derendingen.

Die gesamte Läufergruppe Derendingen.

Die sprachlichen Hürden seien kein grosses Problem. Denn sie würden sich mit der Körpersprache behelfen. «Dadurch, dass sie nur minimal Deutsch sprechen, kommunizieren wir mit Hand und Fuss», sagt Gabriele Werthmüller. Mit wenigen sei die Verständigung auf Englisch möglich. «Sie sind bereit, Neues zu lernen. Deshalb sollte es in Zukunft möglich sein, miteinander Deutsch zu sprechen.»

Die Sozialarbeiterin ist fasziniert davon, wie neugierig die ganze Gruppe ist. «Beim letzten Training integrierten sie sich sofort in das Team und brachten alle zum Staunen», so Werthmüller. Die zu Beginn etwas kritisch eingestellten einheimischen Läufer seien denn auch strahlend und beeindruckt vom letzten Lauf zurückgekommen.

Auch andere Sportarten

Das Angebot steht den Asylsuchenden nun jeden Mittwochabend zur Verfügung. «Wir wollen die Idee auf jeden Fall weiterverfolgen und hoffen auf weitere Unterstützer», sagt Werthmüller. Darüber hinaus sei die Teilnahme der Flüchtlinge in anderen Sportarten geplant, wobei der Schwerpunkt weiterhin beim Lauftraining liegen soll. Da die Gruppe noch nicht mit genügend Sportbekleidung ausgerüstet ist, sei der Sozialdienst Wasseramt Ost dankbar für das Spenden von Kleidungsstücken und Schuhen.