Die Bise weht gnadenlos, als Patricia Elsener früh morgens im Halbdunkeln hinter dem aufgebockten Passagierschiff «MS Stadt Solothurn» hervorkommt.

In warme Kleider eingemummelt, verrichtet die junge Matrosin im Nidauer Barkenhafen Unterhaltsarbeiten an den Kursschiffen. «Wir müssen nun den Teil des Schiffes wieder auf Vordermann bringen, der sich während der Sommersaison stets unter Wasser befindet. Das Metall wird abgeschliffen, beschädigte Stellen repariert und zum Schutz mit einem Kupferanstrich beschichtet», erklärt die 32-Jährige.

Zwei ihrer Arbeitskollegen kümmern sich in der Zwischenzeit um den Eingangsbereich des Schiffes, der einen neuen Anstrich bekommt.

Nach den Wintermonaten wird die Matrosin mit ihrem Team wieder Passagiere auf der Aare, dem Bieler-, Neuenburger- und Murtensee befördern.

Was nach Ferienstimmung tönt, sei in Wirklichkeit ein Knochenjob: «Dies ist nichts für Weicheier. Ich verrichte harte körperliche Arbeit, habe eine grosse Verantwortung und bin auf technisches Geschick angewiesen. Deshalb bin ich nach Feierabend oft so richtig ‹chnüttu›.»

Auch wenn ihr die Arbeit im Sommer mehr Freude bereitet, sei der Winterdienst eine willkommene Abwechslung.

Vor zwei Jahren noch hätte sie nie gedacht, dass sie einmal auf einem Schiff arbeiten würde.

Denn Elsener hat eine Malerlehre absolviert. Als sie genug vom Streichen hatte, begann sie bei der BSG mit der internen Ausbildung.

«Ich bin zwar schon immer gerne Schiff gefahren. Kapitänin zu werden, war aber nie mein Kindheitstraum. Ich liebe es, draussen und mit Menschen zu arbeiten und ihnen ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern. Das Wasser fasziniert mich. Schon als Knirps war ich eine Wasserratte. Deshalb muss ich immer die Hände ins Wasser halten, egal, an welchem Gewässer ich mich gerade befinde», verrät sie schmunzelnd.

Die erste Hürde war die Prüfung zur Leichtmatrosin, die zweite diejenige zur Matrosin. Bevor sie ihr Können unter Beweis stellen musste, begleitete sie ihre Arbeitskollegen bei der Arbeit und eignete sich so nautische Fertigkeiten, den Umgang mit der Kasse und der Billettkontrolle an. Die dritte Hürde wird dann die Prüfung zur Schiffsführerin.

Die tonnenschweren Arbeitsgeräte haben für die Matrosin eine spezielle Bedeutung: «Schiffe sind schlicht etwas Schönes. Ich trage Sorge zu ihnen, weil ich mich auf dem Wasser auf sie verlassen können muss.»

Angst hatte die Bellacherin bei der Arbeit deshalb noch nie – aber «gsunde Respäkt». Denn obwohl sie nicht auf hoher See arbeitet, hält das Wetter immer wieder Überraschungen bereit: «Auf dem Bielersee ist es nicht so schlimm. Aber auf dem Neuenburgersee kann es so richtig ‹chutte›. Da muss der Matrose den Kopf bei der Sache haben und das schwere Seil vor dem Anlegen auch kräftig gegen den Wind werfen können.»

Beide Geschlechter müssen bei der BSG vollen Einsatz geben. Obwohl die Männer den zwei hier arbeitenden Matrosinnen gemäss Elsener bei extrem schwerer Arbeit helfen, müssen sie sich immer wieder beweisen.

«Bisher habe ich stets vorwiegend mit Männern zusammengearbeitet. Ich könnte mir den Berufsalltag in einem reinen Frauenteam gar nicht vorstellen. Männer sind unkompliziert und direkt. Wir müssen uns einfach wehren, wenn mal ein dummer Spruch kommt.»

Schon bald kann sie die Schiffe wieder startklar machen, den kleinen und grossen Kindern Seemannsknoten beibringen und bei Übungen ihr Können unter Beweis stellen: «Wir trainieren dann, was bei einer Kollision, ungünstigen Wetterverhältnissen oder bei ‹Mann über Bord› im Ernstfall zu tun wäre. Die Passagiere beobachten da immer begeistert, wie wir auf dem Schiff herumrennen.»

Für Patricia Elsener ist kein Tag an ihrem Arbeitsort wie der andere. Die Abwechslung und die Kombination mehrerer Berufe machen sie zu einer glücklichen Matrosin. «Ich bin angekommen», sagt sie.