Kriegstetten
Ähnliche Zwecke, ähnliche Klientel und trotzdem eine nicht ganz einfache Fusion

Die Stiftung Zentrum für Sonderpädagogik und die Solothurnische Stiftung Focus Jugend haben fusioniert. Gründe dafür gabs viele, einer davon: Beide Stiftungen haben ihre Wurzeln im Wasseramt.

Urs Byland
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Yvonne Gasser De Silvestri ist Präsidentin im Stiftungsrat der neuen Stiftung Focus Jugend und Ulrich von Känel der neue Geschäftsführer sowie Institutionsleiter in Kriegstetten.

Yvonne Gasser De Silvestri ist Präsidentin im Stiftungsrat der neuen Stiftung Focus Jugend und Ulrich von Känel der neue Geschäftsführer sowie Institutionsleiter in Kriegstetten.

Vor kurzem erzählte der frühere Leiter des Zentrums für Sonderpädagogik Kriegstetten (ZSPK), Armin Gugelmann, in einem Vortrag von der wechselvollen Geschichte der Institution. Nun wird ein weiteres Kapitel der ZSPK-Geschichte geschrieben.

Dasjenige der Fusion zweier Stiftungen. Die Stiftung ZSPK, die an der Gemeindegrenze von Oekingen und Kriegstetten einen Schul- und Internatsbetrieb für Kinder und Jugendliche mit Lern-, Sprach- und Verhaltensschwierigkeiten führt, «heiratet» die Solothurnische Stiftung Focus Jugend und Familie. Letztere betreibt in Derendingen unter dem Namen Hangar ein Jugendheim für Jugendliche in einer schwierigen Lebens- und Entwicklungsphase.

Es ist ungewöhnlich, dass zwei Stiftungen fusionieren. «Eine riesige Arbeit», beschreibt es die Präsidentin der Stiftung ZSPK und nun auch Präsidentin der neuen Stiftung Focus Jugend, Yvonne Gasser De Silvestri. Schon 2012 ging «Hangar» auf die Suche nach einem grösseren Partner.

Die Stiftung ZSPK prüfte das Anliegen und sah mehrere positive Punkte bei einer Fusion: eine ähnliche Zielgruppe, höhere Flexibilität, ein erweitertes Förderangebot sowie die Möglichkeit, Sonderschulung und Integration näher zusammen zu rücken. Und nicht zuletzt sind beide Stiftungen im Wasseramt verwurzelt.

Alle Stiftungsräte stimmten zu

Eine Arbeitsgruppe, geleitet von ZSPK-Stiftungsrat Stefan Liechti, startete 2014 mit der Vorbereitung der Fusion. «Das schwierigste war es, die Zwecke der beiden Stiftungen in die neue Stiftung zu überführen», sagt er. 2015 wurde die Fusion formell besiegelt mit der Zustimmung und der Unterschrift aller Stiftungsräte.

«Dann ging die Arbeit erst richtig los», erzählt Stefan Liechti an der öffentlichen Bekanntgabe der Fusion im Saal der Kriegstetter Institution. Ein Name für die neue Stiftung wurde gesucht, Dokumente mussten angepasst und die Kommunikation überlegt werden.

«Wir legen den Fokus auf Kinder und Jugendliche mit speziellen Bedürfnissen», erklärt Stefan Liechti den neuen Namen Focus Jugend. Damit es keine Verwechslungen mit anderen Institutionen und Stiftungen gebe, wurde Focus ein zweiter Begriff angefügt: Focus Jugend.

Im Logo mit drei verschiedenen grossen Quadraten repräsentieren zwei Quadrate die beiden alten Stiftungen. Das dritte Quadrat sei Reserve für weitere Partnerschaften. So wurden bereits informelle Gespräche mit Institutionen in Solothurn und im Thal geführt, aber spruchreif sei noch nichts.

Bündelung der Kräfte

Erfreut über die Fusion zeigt sich Kurt Rufer, beim Kanton im Volksschulamt für den Bereich Sonderpädagogik zuständig. «Von unserer Seite aus haben wir eine Fusion nicht forciert, aber wir haben im Sozialbereich viele Institutionen im Sonderschulbereich», sagt Rufer. Diese Vereine und Stiftungen müssten sich für die Zukunft positionieren. «Es gibt viele kleine Institutionen, bei denen Qualität und Struktur ebenso stimmen müssen wie die Personalzusammensetzung. Deshalb muss man sich über kurz oder lang sinnvolle Synergien überlegen.»

In dem Sinne begrüsse er diese Fusion, zumal es nicht am Kanton, sondern an den vielen Playern draussen sei, sich eine gute Entwicklung zu überlegen. «Wir bezahlen den aktuellen Monat, wir zahlen nicht Innovationen oder Weiterentwicklungen.» Eine Bündelung der Kräfte sei zu begrüssen.

Kein Personalabbau

Zu einer Heirat gehört die Mitgift. Die beiden Stiftungen haben neben den Immobilien vor allem keine Schulden in die Fusion eingebracht. «Beide Stiftungen stehen auf guten Beinen», sagt Stefan Liechti. Die Heirat werde auch keine Auswirkungen auf die Personalsituation haben. «Diese im Vorfeld geäusserte Befürchtung konnten wir entkräften.»

Der neue Geschäftsführer Ulrich von Känel kommt aber nicht darum herum, auf eine künftig schwierigere Situation hinzuweisen. «Wir müssen eine aufwendige Betreuung sichern, was sehr personalintensiv ist. Die Anforderungen werden für die Mitarbeitenden grösser.» Auch baulich stünden Investitionen an. So sollen das Oeschhaus und das Schulhaus saniert werden.

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