Für gleichen Lohn
Aeschlimann AG lässt Angestellte zwei Stunden länger arbeiten

Die Präzisionsteileherstellerin Aeschlimann AG in Lüsslingen leidet unter dem Euroschock und gibt nun Gegensteuer. Alle Mitarbeitende inklusive Geschäftsleitung sollen bei gleichbleibendem Lohn statt 40 künftig 42 Stunden pro Woche arbeiten.

Franz Schaible
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Der Präzisionsteilehersteller Aeschlimann reagiert auf Währungskrise.

Der Präzisionsteilehersteller Aeschlimann reagiert auf Währungskrise.

zvg

Langsam, aber sicher reagieren Solothurner Industriebetriebe auf die Frankenstärke. Nach dem Stahlwerk Gerlafingen ergreift nun auch die Präzisionsteileherstellerin Aeschlimann AG in Lüsslingen Massnahmen. «Wir planen ab kommenden März die Einführung von längeren Arbeitszeiten», erklärt auf Anfrage Rolf Bläsi, Chef und Mitinhaber des traditionsreichen Unternehmens.

Alle rund 165 Mitarbeitende inklusive Geschäftsleitung sollen bei gleichbleibendem Lohn statt 40 künftig 42 Stunden pro Woche arbeiten. Die Massnahme soll vorerst bis Ende Jahr befristet sein.

Gewerkschaft Unia mit an Bord

Wie im Gesamtarbeitsvertrag der schweizerischen Drehteile-Industrie festgehalten, ist eine solche Massnahme möglich. «Gerät eine Firma aufgrund kurzfristiger und unvorhergesehener Verschlechterung der konjunkturellen Lage in starke wirtschaftliche Schwierigkeiten, kann zur Erhaltung von Arbeitsplätzen von der Normalarbeitszeit von 40 Stunden abgewichen werden», heisst es darin. Eine solche Vereinbarung ist aber nur gültig, wenn die Sozialpartner einverstanden sind. Deshalb habe man mit der Gewerkschaft Unia Gespräche geführt und die für den Entscheid notwendigen Informationen und Unterlagen zur Verfügung gestellt, sagt Bläsi.

Ivano Marraffino, Leiter der Unia-Sektion Solothurn, bestätigt die Gespräche. «Wir werden die Unterlagen prüfen und kommende Woche der Belegschaft in einer ersten Versammlung eine Einschätzung abgeben.» Es gehe darum auszuschliessen, dass kein Missbrauch seitens des Arbeitgebers vorliege, sondern die Massnahme betriebswirtschaftlich tatsächlich nötig sei. Hauptziel sei es, dass grundsätzlich die währungsbedingten Probleme nicht ausschliesslich auf den Buckel der Arbeitnehmenden überwälzt werden und alle Arbeitsplätze im Kanton Solothurn zu erhalten, erklärt Marraffino.

«Die Auftragslage ist gut»

Bläsi ist überzeugt, dass die Belegschaft hinter der Arbeitszeitverlängerung stehe. Diese Krisenmassnahme tue im Vergleich zu Entlassungen oder Lohnkürzungen am wenigsten weh. Gleichzeitig helfe sie mit, die Folgen der Frankenstärke abzufedern. Die Auftragslage sei gut und die Arbeitszeitverlängerung erlaube einen höheren Output, ohne die Lohnkosten zu erhöhen. Die teuren Überstundenzuschläge entfielen. Im Décolletage-Betrieb sind die Löhne mit einem Anteil von 43 Prozent am Umsatz der höchste Kostenblock, wie Bläsi erläutert. Deshalb gehe es nicht ganz ohne einen Stellenabbau und einzelne Entlassungen. Rund zehn Arbeitsplätze würden gestrichen, mehr als die Hälfte über Pensionierung und natürliche Abgänge.

«2,5 Millionen weniger in Kasse»

Es handle sich nicht um verfrühte Massnahmen, wehrt sich Bläsi. Die Auswirkungen seien gravierend (siehe Kasten rechts). Mit der Aufwertung erhalte man ab sofort für die in Euro verrechneten Lieferungen rund 15 Prozent weniger in Schweizer Franken. Aeschlimann erzielt 60 Prozent des Umsatzes im Euroraum. «Pro Monat fliessen rund 200 000 Franken weniger in die Kasse, im Jahr sind es 2,5 Millionen Franken.» Zudem würden Schweizer Kunden den Druck sofort an Zulieferer wie die Aeschlimann AG weitergeben. «Die Kunden verlangen Rabatte, um ihre eigenen Kosten reduzieren zu können.»