Lüsslingen-Nennigkofen

Ära Geiser geht im «Bellevue» nach 100 Jahren zu Ende

Eva und Kurt Geiser geben ihr Restaurant in Pacht. Die Aufnahme entstand zum 125-Jahr-Jubiläum des «Bellevue». Archiv

Eva und Kurt Geiser geben ihr Restaurant in Pacht. Die Aufnahme entstand zum 125-Jahr-Jubiläum des «Bellevue». Archiv

Eva und Kurt Geiser, die Wirtsleute und Besitzer des Restaurants Bellevue in Lüsslingen-Nennigkofen, gehen in Pension. Im März wird der Betrieb mit Pächtern weitergeführt.

Der Name «Bellevue» passt ausgezeichnet zum stattlichen Restaurant auf der Anhöhe in Lüsslingen. Schön präsentieren sich nämlich der Anblick und die Aussicht. Seine Geschichte reicht ins Jahr 1849 zurück, als es als Wohnhaus für den Landwirt Albert Ziegler erbaut wurde. 39 Jahre später beantragte sein Sohn Fritz das Wirtepatent und eröffnete eine Wirtsstube.

Ausschlaggebend war die Schliessung der bereits bestehenden Dorfschenke durch die «Obrigkeit» wegen einer Schlägerei von betrunkenen Gästen. 1918 ging das «Restaurant Ziegler», wie es damals hiess, an die Familie Geiser über, und seither trägt es den Namen «Bellevue».

Vier Generationen Geiser

Mit Eva und Kurt Geiser – Wirtsleute in vierter Generation – endet diese Dynastie. Der fünften Generation, den drei Töchtern, hat es das Wirten nicht angetan. Per Ende Januar gehen die Wirtsleute in Pension. Bereits vor zwei Jahren sind sie ins Bauernhaus nebenan umgezogen. 35 Jahre bewirteten Eva und Kurt Geiser erfolgreich die Gäste und führten anfänglich nebenbei noch eine Pferdepension. Für Kurt Geiser war es keine Frage, den Betrieb, den seine Vorfahren aufgebaut hatten, zu übernehmen. «Total 45 Jahre bin ich nun am Kochherd gestanden», erzählt er. Seine gutbürgerliche Küche wie etwa Kalbsleberli mit Butterrösti, Bellevue-Teller und Metzgete sind legendär.

Kurt und Eva Geiser präsentieren im 2008 ein Sonntagsrezept

   

Stets haben die Wirtsleute die Wünsche der Gäste zu realisieren vermocht. Eva Geiser schwärmt vom Kontakt mit den Leuten, lobt die treue Kundschaft und betont, dass sie Komplimente immer motiviert haben. Oft sei sie mit den Gästen an den Tisch gesessen, was diese sehr zu schätzen wussten. «Beliebt waren zudem unsere beiden Kegelbahnen», erzählt die scheidende Wirtin. Viele Vereine und Geschäfte hätten ihre Jahresschlussessen mit einem Kegelspiel verbunden.

Als Teil ihres Erfolgs erwähnt das Ehepaar Geiser auch ihr freundliches und langjähriges Servicepersonal sowie die regelmässigen Öffnungszeiten. Auch der Krimi machte im Bellevue nicht halt: Einmal wurde von unbekannter Kundschaft geschossen, zweimal eingebrochen und einmal das Serviceportemonnaie entrissen.

Am 31. Januar ab 17 Uhr wird im Gasthof Abschied gefeiert. Die Wirtsleute sind glücklich, dass der Betrieb weitergeht. Vorerst wird das Restaurant frisch gestrichen und das Buffet umgemodelt. Ab März übernehmen Anton Meister, Stefan Huber und Roland Frey den Betrieb in Pacht. Sie waren bisher im Restaurant Kreuz in Aeschi tätig und schliessen am 26. Februar dort ihre Türen.

Die neuen Pächter werden das Restaurant, mit etwas frischem Wind, im Sinne der Familie Geiser weiterführen. «Die Zutaten bringen wir mit», sagt Anton Meister. «Eine grosse Portion Erfahrung im Gastgewerbe, eine gutbürgerliche Küche, mit Liebe zubereitete Speisen sowie einen freundlichen und zuvorkommenden Service.»

Meistgesehen

Artboard 1