«Da sieht man, wer die Macht im Dorf hat», lacht Gemeindepräsident Kuno Tschumi und deutet mit einer Hand auf die rund 180 im Restaurant Saalbau Bad versammelten Leute, deren geschätztes Durchschnittsalter 70 Jahre aufwärts beträgt.

Tatsächlich seien mehr Leute gekommen als eigentlich angemeldet, sagt Ruth Bur, Fachstellenleiterin von Pro Senectute Solothurn und Moderatorin der Gemeindeveranstaltung «Älter werden in Derendingen».

Geldsorgen und Einsamkeit

«Mit dem Anlass wollen wir erreichen, dass die Leute im AHV- Alter die vielen Angebote wahrnehmen, mit welchen sie ihr Leben nicht nur erleichtern, sondern auch angenehmer gestalten können», erklärt der Gemeindepräsident. Denn mit dem neuen Lebensabschnitt nach der Pensionierung würden automatisch auch neue Herausforderungen einhergehen, weiss Ida Boos, die 58-jährige Geschäftsführerin von Pro Senectute. Als Beispiele nennt sie gesundheitsbedingte Einschränkungen, allfällige Geldsorgen und Gefühle der Einsamkeit.

Darauf hinweisend, dass Nachfragen nichts koste, fordert Boos das betagte Publikum auf, ohne Hemmungen von den Dienstleistungen der Anlaufstelle Pro Senectute Gebrauch zu machen. Beratung in Altersfragen, Hilfen zu Hause, Bildung, Generationenarbeit, Sportangebote – dieses breit gefächerte Angebot von Pro Senectute sei aber nur dank dem festen Verbund mit anderen Organisationen möglich, sagt Boos.

Diese erwähnten Institutionen und Organisationen sind mit Infoständen selbst auch an dem Anlass vertreten. Im Anschluss an die Informationen beantworten sie Fragen ihrer älteren Klientel und geben die mitgebrachten Flyer und Broschüren ab.

Interessiert ins Alter

Welchen Einfluss hat Vitamin D auf das Sturzrisiko? Was gilt es beim Verfassen eines Testaments zu beachten? Wie fordert man Ergänzungsleistungen ein? Als weitere Referentinnen sprechen die Hausärztin Regula Meier, die Sozialarbeiterin Regina Walter und die Rechtsanwältin Annina Kasser unterschiedliche Aspekte des Älterwerdens an.

Diese weite Spannbreite der behandelten Themen wird durch den 20-minütigen Vortrag der Polizei erweitert. «Wer hat schon einmal von dem Enkeltrick gehört», fragt Jürg Tschanz in die Runde, woraufhin mehr als die Hälfte der Anwesenden ihre Hände heben. Scheinbar ein altbekannter Hut. Warum also werden Pensionierte dennoch immer wieder Opfer dieses fiesen Tricks? «Das sind keineswegs blöde Leute, die darauf hineinfallen», betont Tschanz. «Vielmehr wird die Gutgläubigkeit dieser Leute ausgenutzt.»

Mit einem Kurzfilm über die traurige aber wahre Geschichte eines älteren Mannes, dem auf diese Weise 45'000 Euro abgeknöpft wurden, mahnt die Polizei noch einmal zur Aufmerksamkeit und einem gesunden Mass an Skepsis.

«Es hat mich einfach interessiert», begründet eine Frau nach dem Ende des offiziellen Programmteils ihre Teilnahme an dem Infoanlass und beeilt sich, um ihren Freundinnen zu den Tischen mit Broschüren zu folgen. Das grosse Interesse der Gäste bestätigt Gemeindepräsident Tschumi, dass die erstmals durchgeführte Veranstaltung mit Pro Senectute eine gute Entscheidung vonseiten der Gemeinde Derendingen gewesen sei, «denn uns ist es als Gemeinde wichtig, dass sich unsere Einwohner auch noch nach dem Erwerbsleben wohlfühlen.»