Lüsslingen-Nennigkofen

AEK weibelt bei der Gemeinde um die Pacht

AEK will weiterhin den Strom nach Lüsslingen liefern.

AEK will weiterhin den Strom nach Lüsslingen liefern.

Die Gemeinde Lüsslingen-Nennigkofen will ihr Stromnetz auf keinen Fall verkaufen, sondern weiterhin verpachten. Die AEK legt sich ins Zeug, um weiterhin zum Handkuss zu kommen.

Die Strompreise der AEK Onyx AG (AEK) steigen überdurchschnittlich. Im Standardmodell müssen Konsumenten 6 Franken pro Monat mehr bezahlen. Das löst Kritik aus bei den Partnern, die ihr Netz an die AEK verpachtet haben. Mehrere Gemeinden in der Region diskutieren über einen Ausstieg aus den Verträgen, wir berichteten vergangene Woche.
Lüsslingen, dessen Stromnetz ebenfalls an die AEK verpachtet ist, ist bereits einen Schritt weiter.

Per Ende 2018 wurde der Vertrag mit dem Energieversorger vorsorglich gekündigt. Es ist aber gut möglich, dass die AEK, die seit diesem Jahr der bernischen BKW gehört, das Lüsslinger Netz weiterhin pachten kann. Denn ein Verkauf, das machte Gemeindepräsident Herbert Schluep (FDP) klar, komme nicht infrage. Es ist sogar möglich, dass die AEK auch das Netz von Nennigkofen in Pacht nehmen kann. 

Abgesichert gegen höhere Preise

Am Montagabend warb AEK-Chef Walter Wirth vor dem Gemeinderat für sein Angebot. Bleibe Lüsslingen an Bord, böten sich diverse Vorteile. «Ihr könnt die gesamte Bürokratie abgeben und habt weiterhin die Planungs- und Investitionshoheit», sagte Wirth. Neben «höherwertigem», weil CO2-freiem Strom, insbesondere aus schweizerischer Wasserkraft, führte er finanzielle Vorzüge an.

Weil die AEK die Energie statt zu Marktpreisen zu Gestehungskosten der BKW-Kraftwerke beziehe, sei eine langfristig stabile Preisentwicklung garantiert. Zwar könnten Konkurrenten den Strom grundsätzlich günstiger anbieten,
doch weil diese die Energie am Markt beschaffen müssten, sei der Preis stärkeren Schwankungen unterworfen.

Sollten seine Prognosen nicht eintreffen, stellte Wirth Lüsslingen als Sicherheit eine Ausstiegsklausel in Aussicht. Und als besonderes Zückerchen käme die Gemeinde zwischen 2018 und 2022 in Genuss eines höheren Pachtzinses. In welcher Höhe, verriet Wirth am Montagabend nicht. Weitere Kosteneinsparungen seien möglich, weil die verschiedenen Rechnungsposten aus den Lüsslinger Haushalten dank bereits installierten intelligenten Stromzählern effizienter abgewickelt werden können.

«Das wäre eine Win-win-Situation, beide Seiten würden profitieren», weibelte Wirth. Zuletzt machte er den von der BKW geäufneten Fonds schmackhaft, aus denen Gemeinden ab 2018 Geld beantragen können – etwa für Renaturierung von Flussläufen, für die Bekämpfung von invasiven Pflanzen oder für Energieeffizienzmassnahmen.

Aus für Elektra-Genossenschaft?

Die Argumente stiessen im Gemeinderat auf offene Ohren. Ja, es sei sogar denkbar, dass auch die andere Hälfte des Stromnetzes der Doppelgemeinde verpachtet wird. Für das Netz von Nennigkofen ist bisher eine eigene Elektra-Genossenschaft zuständig. Zwar möchte diese auch das Lüsslinger Netz übernehmen, doch der Gemeinderat hat andere Pläne. Er bevorzugt eine Übernahme des Nennigkofer Netzes, die Genossenschaft würde überflüssig.

Als Endverbraucherin sei sie mit der AEK in den letzten sechs Jahren gut gefahren, meinte Brigitte Rohrbach (SP). «Es ist nicht die Kernkompetenz einer Gemeinde, sich im Strommarkt zu betätigen.» Ramon Mullis (Neue Freiheit) meinte, dass eine Strompreiserhöhung von 70 Franken jährlich für eine Familie zwar «nicht nichts» sei, sprach sich aber ebenfalls für eine Übernahme des Nennigkofer Netzes aus. Auch Rolf Iseli lieferte Argumente für eine Übernahme respektive eine Verpachtung an die AEK: «Damit haben wir ein Sorglospaket. Es ist für eine Gemeinde nicht zeitgemäss, den Strom selber abzurechnen.» Ende Oktober will sich der Rat mit der Elektra-Genossenschaft treffen, um «Nägel mit Köpfen zu machen».

Mehr Lohn für Behörden

Eine längere Diskussion entspann sich bei der Frage nach der Entschädigung von Gemeindebehörden. Der Gemeinderat soll für seine Arbeit mehr Geld erhalten, und zwar 500 Franken pro Ratsmitglied. Für den Gemeindepräsidenten soll es 2000 Franken zusätzlich geben. Er sei sich bewusst, dass es schwierig sei, den eigenen «Lohn» zu erhöhen, sagte Herbert Schluep. Rolf Iseli indes erklärte, dass selbst mit dieser «moderaten» Aufstockung der Aufwand längst nicht entschädigt werde. «Da steckt viel ideelle Arbeit dahinter.»

Entscheiden über die Dienst- und Gehaltsordnung wird die Gemeindeversammlung. Damit der Schritt begründet werden kann, soll der Arbeitsaufwand für das Gemeindepräsidium extern eingeschätzt werden. Denn spätestens bei der Nachfolge von Herbert Schluep, der wohl seine letzte Amtszeit bestreitet und manche seiner Tätigkeiten für die Gemeinde nicht in Rechnung stellt, dürfte die Frage nach einer höheren Entschädigung erneut auftauchen.

Meistgesehen

Artboard 1