Am zweiten Tag des Strafprozesses gegen ein kriminelles Pärchen, das 2010 die Linde in Subingen, den Sternen in Kriegstetten und einen Kiosk in Alchenflüh mit einer Pistole überfallen haben soll, standen vor dem Amtsgericht Bucheggberg-Wasseramt die Plädoyers auf dem Programm.

Die beiden Angeklagten sollen unter anderem auch noch drei Motorräder gestohlen und eine Indoor-Hanfproduktion in Niederönz betrieben haben. Bei einer Hausdurchsuchung wurde eine Patrone gefunden, die zum Raubüberfall auf den Sternen passte, wo der Täter in Richtung eines Gastes geschossen hatte.

So stellte die eventualvorsätzliche, versuchte Tötung den schwerwiegendsten Anklagepunkt dar und Staatsanwältin Claudia Scartazzini forderte für Rolf M. eine Freiheitsstrafe von acht Jahren. In der ersten Einvernahme habe dieser die Tat gestanden und den Ablauf detailliert beschrieben. «Es ist nicht logisch, dass er in der Schlusseinvernahme den mysteriösen Kollegen Samir als Täter ins Spiel bringt.»

Bereits vier Jahre im Strafvollzug

«Beim Überfall auf den Sternen war mein Mandant nur Gehilfe, aber er trägt keine strafrechtliche Verantwortung für die Exzesse des unbekannten Täters Samir», begründete Rechtsanwalt Alain Joset die Forderung nach einem Freispruch in diesem Punkt. «Im Restaurant Sternen wurden trotz intensiver Suche keine DNA-Spuren von Rolf M. gefunden.»

Drei Jahre und drei Monate seien eine gerechte Strafe für die verbleibenden Straftaten. Weil sein Mandant nun schon viereinhalb Jahre ohne Urteil im vorgezogenen Strafvollzug lebt, forderte sein Anwalt eine angemessene Entschädigung für die Überhaft und die sofortige Entlassung aus dem Strafvollzug. Dass das sogenannte Beschleunigungsgebot verletzt worden ist, erwähnte auch Staatsanwältin Claudia Scartazzini. Eine Begründung dafür lieferte sie nicht.

Laut Anklage fuhr Karin L.* jeweils das Fluchtmotorrad und sie stand Schmiere. «Auch wenn sie nicht die treibende Kraft war, hat auch sie kriminelle Energie gezeigt», sagte die Staatsanwältin. Das schwerste Delikt sei die Mittäterschaft beim Raub auf den Kiosk in Alchenflüh. Die Anklage forderte eine Freiheitsstrafe von 30 Monaten, von denen sechs Monate unbedingt zu verbüssen seien.

Karin L. könne gar nicht Motorrad fahren und den Überfall auf den Kiosk habe sie erst realisiert, als ihr der Freund das Geld und die Waffe in die Hand drückte. Die Verteidigung plädierte deshalb bei allen drei Raubüberfällen auf Freispruch. Für die weiteren Delikte sei sie wegen einfacher Gehilfenschaft zu einer bedingten Geldstrafe zu verurteilen. Die Urteilsverkündung erfolgt am Donnerstag um 14 Uhr.

* Namen von der Redaktion geändert.