«Die grosse Liebe zum Gesang, vereint euch heute hier im Klang.» Poetisch begrüsste Langendorfs Gemeindepräsident Hans-Peter Berger die Sängerschar in seiner Gemeinde. Bravourös organisierte nämlich der dorfeigene Männerchor Chutz das Jubiläums-Sängertreffen des Sängerverbandes Wasseramt-Solothurn-Lebern. Dichterisch hiess auch die Präsidentin des Verbandes, Edith Ursprung, die Chöre zum 150-jährigen Bestehen willkommen.

Nach der Gründung des damaligen Bezirksverbands Wasseramt am 6. September 1868 in Kriegstetten trugen sich 17 Gesangsvereine ein – Männer- Töchter- und Gemischte Chöre. Edith Ursprung verheimlichte nicht, dass viele Chöre heute mit Schwierigkeiten kämpfen. Positive Eigenschaften hob sie mit den Buchstaben des Wortes Singen hervor: Sonne, Ideal, Nahrung für die Seele, Geduld, Enthusiasmus, Neugier. «Habt den Mut, um neue Schritte zu wagen und Veränderungen in Angriff zu nehmen», sagte sie. «Ich hoffe, ihr helft mit, diese positiven Aspekte in euer Singen hineinzulegen und auszustrahlen.»

Die Sprache des Herzens

Die acht Chöre liessen aufs Wunderbarste die Weltsprache «Singen» spüren – eine Sprache des Herzens, die alle verstehen. Unter dem Motto «Viersprachige Schweiz» erklang eine bewegende Liederauswahl. In Mundart gerne Gehörtes wie «Alperose», «Zyt isch do», «Gang rüef de Brune», «Stedtli am Jura», «Bim Moonschyn». Nicht gefehlt hat «Dr Heimatvogel», eine Uraufführung nach Mario Ursprungs Satz. «Douce Nuit», «Chante en mon coeur», «Io senza te», «Senti cara Nineta», «Spazzacamin» gefielen ebenso.

Charmant führte Barbara Flury durchs wohltuende Programm, welches folgende Vereine belebten: «amici del canto», Riedholz (Dirigent Jürg Rickli); Frauenchor Gerlafingen (Robert Flury in Vertretung von Käthi Burkard); Frauenchor Lohn-Ammannsegg (Regina Rast); Gemischter Chor Biberist (Maija Gschwind); Männerchor Chutz Langendorf (Doris Däster); Männerchor Etziken (Robert Flury); Männerchor Frohsinn Drei Höfe (Hanni Boner).

Tosenden Applaus erntete der Mädchenchor Solothurn mit seiner Leiterin Lea Pfister-Scherer. Die Mädchen begeisterten mit ihren Glockenstimmen – alles auswendig vorgetragen – mit «Sut steilas», «Ch’e l’e rivato maggio», «Soir d’octobre» und «Meiteli wenn du wit go tanze».

Politisch neutral?

Regierungsrätin Susanne Schaffner nahm in ihrer Festansprache die politische Neutralität ins Visier, die der Verband seit jeher betonte. Zur Zeit der Gründung im Jahr 1868 hätten die Vereine jedoch eine wichtige politische Bedeutung gehabt, habe es doch gegolten, den noch jungen Staatenbund von 1848 zusammenzuschweissen und auch zu feiern. Dies würden die vielen patriotischen Lieder belegen. Sie verlas die Zeilen des Aktuars im Jahr 1919, der festhielt: «Wir sind politisch neutral, verpönen im Verband die Politik und sind gewillt, die Vereine bei Übergriffen in die Schranken zu weisen.

Dem Verband ist jeder willkommen, der sangesfreudig ist, ob seine politische Farbe schillere oder eventuell nur durch dicken Nebel schimmere.» Die Regierungsrätin hob hervor: «Ich glaube, solche konfliktfreien Zonen und Treffpunkte brauchen wir. Orte, wo niemand auf die Idee kommt, den anderen wegen seiner Ansichten in den Senkel zu stellen.» Harmonisch erwies sich denn auch das Zwischenmenschliche beim leckeren Jubiläumsnachtessen.